Ein Todesfall

4. Texte

4.1 Texte in Schmerz und Schock

Du bist gegangen - ach -
und ich hatte so viel noch zu fragen.
Du hattest Antwort - ach -
und hast sie von hinnen getragen.

Nun sitze ich, arm, allein,
mit meiner dunklen Seele,
und wandle zu Klang den Stein
und hauche mein Herz
durch die Kehle.
Ina Seidel

O lege, Geliebter,
den Kopf in die Hände
und höre, ich sing' dir ein Lied.
Ich sing' dir von Weh und von Tod und vom Ende,
ich sing' dir vom Glücke, das schied.

Komm, schließe die Augen,
ich will dich dann wiegen,
wir träumen dann beide vom Glück.
Wir träumen dann beide die goldensten Lügen,
wir träumen uns weit, weit zurück.

Und sieh nur, Geliebter,
im Traume da kehren
wieder die Tage voll Licht.
Vergessen die Stunden, die wehen und leeren
von Trauer und Leid und Verzicht.


Doch dann - das Erwachen,
Geliebter, ist Grauen -
ach, alles ist leerer als je -
Oh, könnten die Träume mein Glück wieder bauen,
verjagen mein wild-heißes Weh!
Selma Meerbaum-Eisinger

Ich rufe zu Gott, ich schreie,
ich rufe zu Gott, bis er mich hört.
Am Tag meiner Not suche ich den Herrn;
unablässig erhebe ich nachts meine Hände,
meine Seele lässt sich nicht trösten.
Denke ich an Gott, muss ich seufzen;
sinne ich nach, dann will mein Geist verzagen.
Du lässt mich nicht mehr schlafen; ich bin voll Unruhe und kann nicht reden. Ich sinne nach über die Tage von einst; ich will denken an längst vergangene Jahre.
Mein Herz grübelt bei Nacht, ich sinne nach, es forscht mein Geist.
Psalm 77

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen,
bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?
Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort;
Ich rufe bei Tag und finde doch keine Ruhe.
Psalm 22,2f

Herr, es ist nicht auszuhalten,
wenn dieser Schmerz über mich kommt,
wenn er mir Leib und Seele zerreißt.
Am Tag kann ich nicht arbeiten, denn er ist da,
und in der Nacht nicht schlafen, denn er lässt mich nicht los.
»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich heule, aber meine Hilfe ist ferne.«
Herr, ich möchte davonlaufen vor diesem Schmerz.
Wohin ich auch gehe,
er holt mich doch wieder ein.
Ich will meinen Schmerz abladen,
aber es gibt keinen Platz dafür.
Nichts, wirklich nichts ist in Sicht,
das mich von ihm erlösen kann.
Herr, mit dem Schmerz zu leben, habe ich nicht gelernt.
»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich heule, aber meine Hilfe ist ferne.«
Lässt du mich tragen, was kein Mensch tragen kann?
Wo bist du, mein Gott,
wenn dieser Schmerz über mich kommt?
Mutest du mir dies alles zu?
Herr, hast du mich aufgegeben?
Du bist eine Zumutung, mein Gott.
»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich heule, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, so antwortest du nicht; und des Nachts schweige ich auch nicht.«
aus: Anders fromm sein; Ökumenische Erfahrungen des Glaubens; München 1985

AD INFINITUM
Alle die fortgehen
durch die Glastür aufs Rollfeld
durch die Bahnhofssperre
die sich umdrehen winken
deren Blicke zu Boden sinken
deren Gestalten
langsam undeutlich werden
alle sind du.
Du stehst bei mir
wendest dich ab gehst fort
wirst kleiner und kleiner
Seit wann
Seit dein Tod mir am Hals hing
mir die Kehle zudrückte
stehst du immer wieder bei mir
wendest dich ab gehst fort
den Bahnsteig entlang
rollfeldüber
wirst kleiner und kleiner
stehst da
wendest dich ab.
Marie Luise Kaschnitz, Kein Zauberspruch

Du bist tot.
Ich lebe noch ein bisschen.
Dann sterbe ich auch.
Bert Hellinger

Herr, ich will beten, aber ich kann es nicht.
Ich will glauben, aber ich kann es nicht.
Ich will lieben, aber ich kann es nicht.
Ich will mich freuen, aber ich kann es nicht.
Ich will dir vertrauen, aber ich kann es nicht.
Ich will hoffen, aber ich kann es nicht.
Herr, manchmal möchte ich von dir weglaufen, aber du lässt mich nicht los:
Herr, ich möchte zu dir beten, aber mir fehlen die Worte.
Schenke du mir Worte. Oder schenke mir, dass auch mein Schweigen ein Gebet ist.
Rainer Haak


Seitdem du gestorben bist,
danke ich jedem vergehenden Tag.
Jeder vergangene Tag bringt mich dir näher.
Hans Arp, Sophie 1943-1945 (Auszug)

4.2 Texte zum Trost


Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and’re, neue Bindungen zu gehen,
und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden ...
wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Hermann Hesse


Von fern die Uhren schlagen,
es ist schon tiefe Nacht,
die Lampe brennt so düster,
dein Bettlein ist gemacht.

Die Winde nur noch gehen
wehklagend um das Haus,
wir sitzen einsam drinne
und lauschen oft hinaus.

Es ist, als müsstest leise
du klopfen an die Tür,
du hättst dich nur verirret,
und kämst nun müd zurück.

Wir armen, armen Toren!
Wir irren ja im Graus
des Dunkels noch verloren –
du fandst dich längst nach Haus.
Joseph von Eichendorff, Auf eines Kindes Tod

Selbst der Tod kann die Liebenden nicht voneinander scheiden; hingegen die Zerstörung der Liebe wäre schlimmer als der Tod. Alles hängt mithin davon ab, die Liebe und die Freundschaft selbst mit ihren Hoffnungen und Wünschen für einen Beweis der Wahrheit zu nehmen: das Leben des Geliebten ist unsterblich, und: wir werden uns wiedersehen.
Eugen Drewermann, Das Eigentliche ist unsichtbar

Jeder von uns wird an seiner Seite solche Menschen brauchen, die ihn lehren, sich selber mit den Augen der ewigen Güte zu betrachten.
Eugen Drewermann, Das Markusevangelium, Zweiter Teil

Was geschieht, wenn ein Mensch, den wir lieb haben, stirbt? Wir werden diesen Vorgang niemals wirklich begreifen, durch den die innigsten Bande der Freundschaft jäh und unwiderruflich durchschnitten werden können - vor den eigenen Augen sinkt ein Mensch in sich zusammen, den wir auf Händen hätten durchs Leben tragen mögen; mitten im Gespräch erstirbt sein Wort auf den Lippen, Starre und Kälte treten an die Stelle der anmutigsten Schönheit und des seelenvollsten Ausdrucks. Medizinisch erklärbar, entzieht sich der Tod menschlich jedem Verständnis; allenfalls lassen sich einige Bedingungen formulieren, unter denen der Tod als Teil des Lebens akzeptabel scheint, und es sind dies offenbar die gleichen Voraussetzungen, unter denen das Leben selber menschlich seinen Sinn erhält. Ja, recht besehen, ist der Tod wie ein Schlussstein, wie eine Zusammenfassung all der Regeln, nach denen mitten im Leben die Liebe sich entfaltet.
Eugen Drewermann, Das Eigentliche ist unsichtbar


DIE SCHWERSTEN WEGE
Die schwersten Wege
werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
Alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird.
Stehen bleiben und sich Umdrehn hilft nicht.
Es muss gegangen sein.
Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne trittst
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt,
und in deinem Hause
dir der Tisch weiß gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen -
und du ihre Stimmen wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.
Hilde Domin, Gesammelte Gedichte
Der Tod ist ganz bedeutungslos. Ich habe mich nur in das nächste Zimmer fortgeschlichen. Ich bin ich, und du bist du. Alles, was wir uns gegenseitig bedeutet haben, bedeuten wir uns immer noch. Nenne mich bei meinem alten, gewohnten Namen, rede mit mir so locker, wie du es immer gewohnt warst. Rede nicht anders als früher, nimm nicht gewaltsam ein Gehabe von Feierlichkeiten oder Trauer an. Lache so, wie wir immer über die kleinen Späße gelacht haben, die wir gemeinsam genossen haben. Bete, lächle, denke an mich, bete für mich. Lass meinen Namen stets so familiär bleiben, wie er immer war. Sorge dafür, dass er ohne besondere Absicht genannt wird, ohne die Spur eines Schattens auf ihm. Das Leben bedeutet weiterhin das, was es immer bedeutet hat. Es bleibt immer das gleiche, die Fortdauer ist ungebrochen. Weshalb sollte ich nur deshalb aus eurem Denken verschwinden, weil man mich nicht mehr sieht? Ich warte auf dich, ich warte die Pause ab, irgendwo ganz in der Nähe, nur gerade um die nächste Ecke. Es ist alles in Ordnung.
Henry Scott Holland

Je schöner und voller die Erinnerung
Desto schwerer ist die Trennung.
Aber die Dankbarkeit
verwandelt die Qual der Erinnerung
in eine stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne
nicht wie einen Stachel
sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.
Dietrich Bonhoeffer

Niemand ist fort,
den man liebt.
Liebe ist ewige Gegenwart.
Stefan Zweig

Es ist winter

es ist winter
weckt mich noch nicht
lasst mich schlafen
und träumen
die erde ist hart
und es ist kalt
es ist nicht die zeit aufzustehen
weckt mich noch nicht
es ist winter

es ist winter
es dauert so lange
bis es frühling wird
ich bin unruhig und wirr
die erde ist hart
und es ist kalt
ich bleibe noch liegen
es dauert so lang...

es ist winter
bald ist es frühling
dann weckt mich auf
dass ich ihn ja nicht verpasse
versprecht es mir
die erde wird fruchtbar und weich
es wird endlich warm
dann weckt mich auf
bald ist es frühling
Walter Krieger


Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie;

Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie;

Beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an sie;

Beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie;

Zu Beginn des Jahres
und wenn das Jahr zu Ende geht
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir verloren sind
und krank in unseren Herzen
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir Freude erleben,
die wir so gerne teilen würden,
erinnern wir uns an sie;

Solang wir leben, werden auch sie leben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.

Aus den „Toren des Gebets" Reformiertes jüdisches Gebetbuch
Wenn ihr mich sucht, sucht mich in euren Herzen.
Habe ich dort eine Bleibe gefunden, lebe ich in euch weiter.
Verfasser unbekannt

Abschied

komm, bring mich noch zum bahnhof und sage mir adieu
die treppe steigt so angsterregend hoch
drum lass mich nicht allein und geh
nicht fort, bevor ich eingestiegen bin
wink mir noch nach, bis der zug entschwindet
versprich es mir, bei allem, was uns zwei verbindet
- voll sentiment und wehmut ist mein sinn -
erst wenn ich eine weile fort bin
dreh dich um und geh
geh still nach haus, versunken und gefangen
und denk an das, was nun vergangen
an uns und unser glück
an unser leben

dann raff dich auf und sichte fein
behutsam, was ich dir gelassen
ich werd dabei im geist noch um dich sein
erst nach und nach entschweben
und wohl auch verblassen
doch lass ich dich getröstet dann zurück
du wirst es schaffen, glaube mir
warst immer stark und hast mir kraft gegeben
hab dank, die zeit war gut mit dir
doch nun adieu - und du sollst leben

Dierk Schäfer


Befreiung (1918)

Den Schmerz bezwinge, der um Formen trauert,
gedenke dessen, was ewig dauert.
Der Glockengießer, der sein Werk vollbringt,
zerstört die Form -und seine Glocke klingt.
So auch zerstört mit einem Schwingenschlag
der Tod die Form, auf dass die Seele tönen mag.
Manfred Kyber

Wenn ich gestorben bin
singt keine traurigen Lieder.
Pflanzt keinen Baum über mein Grab.
Ich will ruhen unter dem Rasen,
den der Regen nässt
und der Tau berührt.
Lasst mich ruhen!
Doch - wenn Ihr wollt: Erinnert euch!
Irischer Segenswunsch

Dir selbst fremd,
lege ich doch die Arme
um das Unvermeidbare.
Auge in Auge
begegne ich dem,
was auf mich zukommt.

Es gibt Wege ohne Engel.
Manche Nächte sind dunkel
und lassen böse Hunde los.
Es gibt Tage ohne Musik,
sie dröhnen durch meine Kopfschmerzen,
die sich wie eine endlose Ebene ausdehnen.
Ich kann nicht lachen.
Ich habe nicht genug Tiefe, um zu weinen.
Alles ist ein flaches Grau.
Ich suche nach Farben
einer zauberhaften Kindheit.

Aber ich weiß,
dass ich am Ende
durch diese fremden Momente wachsen werde.
Und wachsen heißt,
an der Vision festhalten,
nicht aufgeben
in dem Schmerz hier und jetzt.
Ulrich Schaffer

4.3 Texte zum Trost im religiösen Kontext

der tod ist ein qualitätssprung
unser leben wird nicht vernichtet
unser leben wird verwandelt
im tod
wie das weizenkorn sich im absterben
verwandelt
in die fülle seines lebens
in die ähre
wie die raupe sich zum schmetterling
verwandelt
ein weizenkorn ahnt auch nicht
wie es einmal sein wird als ähre
und die raupe in ihrer hässlichkeit ahnt nicht
dass sie einmal Schmetterling sein wird
und so ahnen auch wir nicht
was aus uns werden wird
der tod ist ein qualitätssprung
den unsere kühnsten hoffnungen und phantasien
nicht mitspringen können
Wilhelm Willms

Auf den Tod eines Kindes

Du kamst, du gingst mit leiser Spur,
Ein flüchtger Gast im Erdenland;
Woher? wohin? Wir wissen nur:
Aus Gottes Hand in Gottes Hand.
Ludwig Uhland

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andere an: Es ist in allen.

Und doch ist einer, welcher dieses Fallen
Unendlich sanft in seinen Händen hält.
R. M. Rilke

Gebet aus langer Not
Wie lange noch muss ich in meiner Seele die Schmerzen tragen, in meinem Herzen die Trauer Tag für Tag? Wie lange noch darf sich der Frevler wider mich brüsten? Blicke doch her, erhöre mich, Herr, mein Gott!
Psalm 12


Gedanken zum Tod

wenn ich gestorben bin
hat sie gewünscht
feiert nicht mich
und auch nicht den tod
feiert den
der ein gott von lebendigen ist

wenn ich gestorben bin
hat sie gewünscht
zieht euch nicht dunkel an
das wäre nicht christlich
kleidet euch hell
singt heitere lobgesänge

wenn ich gestorben bin
hat sie gewünscht
preiset das leben
das hart ist und schön
preiset den
der ein gott von lebendigen ist
Kurt Marti

Unsere Toten gehören zu den Unsichtbaren, aber nicht zu den Abwesenden.
Papst Johannes XXIII

4.4 Sinnsprüche

Es gibt ein Land der Lebenden und ein Land der Toten
und die Brücke ist die Liebe - das einzige Beständige,
das einzige von Bedeutung.
Thornton Wilder

Du, oh Herr, hast ihn uns geliehen, und er war unsere Freude.
Du, oh Herr, hast ihn uns genommen und wir geben Ihn dir zurück
ohne Murren,
aber das Herz voll Wehmut.
Hieronymus

Aus dem Leben ist er zwar geschieden,
aber nicht aus unserem Leben.
Denn wie vermöchten wir ihn tot zu wähnen,
der so lebendig unserem Herzen innewohnt.
Augustinus

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Dietrich Bonhoeffer


Tränen haben etwas Heiliges.
Sie sind kein Zeichen der Schwäche,
sondern der Stärke.
Sie sprechen beredter als zehntausend Zungen.
Sie sind Boten überwältigender Trauer, tiefer Reue und unsagbarer Liebe.
Washington Irving
Jeder Weg führt nach Hause,
jeder Schritt ist Geburt,
jeder Schritt ist Tod,
jedes Grab ist Mutter.
Hermann Hesse


4.5 Hoffnungstexte für einen späteren Zeitpunkt

Ein Leben nach dem Tode

Glauben Sie fragte man mich
an ein Leben nach dem Tode
Und ich antwortete: ja
Aber dann wusste ich keine Auskunft zu geben
wie das aussehen sollte
wie ich selber aussehen sollte
dort
Ich wusste nur eines
Keine Hierarchie
von Heiligen
auf goldenen Stühlen sitzend
Kein Niedersturz
verdammter Seelen
Nur
nur Liebe frei gewordne
niemals aufgezehrte
mich überflutend
Kein Schutzmantel starr aus Gold
mit Edelsteinen besetzt
Ein spinnwebenleichtes Gewand
ein Hauch
mir um die Schultern
Liebkosung
schöne Bewegung
wie einst von tyrrhenischen Wellen
wie von Worten die hin und her
Wortfetzen
Komm du komm
Schmerzweg mit Tränen besetzt
Berg-und-Tal-Fahrt
Und deine Hand
wieder in meiner

So lagen wir lasest du vor
schlief ich ein
wachte auf
schlief ein
wache auf
Deine Stimme empfängt mich
entlässt mich und immer
so fort
Mehr also, fragen die Frager
erwarten Sie nicht nach dem Tode
und ich antworte
Weniger nicht.
Marie-Luise Kaschnitz

Memento

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
Allein im Nebel tast ich todentlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.
Du weißt es wohl, dem gleiches widerfuhr;
und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eigenen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muss man leben!
Mascha Kaleko, Verse für Zeitgenossen


Dass Menschen in Schuld geraten,
ist schlimm;
aber sich schuldig zu fühlen und
nicht an Vergebung glauben zu
können -
das ist die Hölle.
Eugen Drewermann
Steh auf

Steh auf
aus deinen Sorgen
und gib dich frei
für neue Erfahrungen!

Steh auf
aus deinen Ängsten
und verlasse dich
auf die starken Kräfte in dir!

Steh auf
aus deinem Seelenlabyrinth
und suche dir
einen neuen Weg!

Steh auf
aus den Schmerzen der Vergangenheit
und lass dich ein auf das,
was dir heute begegnet!

Steh auf
aus der Enge deiner Befangenheit
und öffne in dir
neue Räume!

Steh auf
aus deinen Lähmungen
und lass dich bewegen
von Strömen der Lebendigkeit!

Steh auf
aus der Erstarrung des Todes
und lass dich durchwärmen
vom Licht einer neuen Zeit!
Christa Spilling-Nöker


Erste Schritte
Langsam
lerne ich wieder
zu sehen,
wie das Licht
sich in den Blättern
der Bäume bricht
und spüre wieder
den kühlen Wind
und die Wärme der Sonne
auf meiner Haut.

Schritt um Schritt
wage ich mich
wieder heraus
aus meiner Seelengruft.

Ich lausche
meinen Schritten und höre
auf die Stimmen
der Kinder.

Ich atme
den modrigen Geruch
des Waldes
und die staubigsüße Schwere
der Straßen.

Ich schaue
in die Gesichter derer,
die mir begegnen
und frage mich,
was wohl
ihr Herz
bewegt.

Ich fühle,
wie die Schatten
der Müdigkeit
weichen
und den ersten Spuren neuerwachten Lebens Raum geben
in mir.
Christa Spilling-Nöker
Eines Morgens früh
wirst du dem anbrechenden Tag
wieder entgegenlächeln
und der Freude
wieder Einlass geben können
in dir.

Eines Morgens früh
wirst du die Aufgaben,
die vor dir liegen,
wieder als Herausforderung
empfinden,
die dich spüren lässt,
dass du gebraucht wirst,
so, wie du bist.

Eines Morgens früh
wird die Sonne
wieder aufgehen
in dir
und du wirst danken können,
dass du bist.
Christa Spilling-Nöker


NlE, HÄTT' ICH GEDACHT ...

Ich habe diesen Weg begonnen.
Erschreckt denk' ich daran zurück.
Ich hab' ihn so voll Kraft begonnen.
Was versprach er an Glück!

Nie, hätt' ich gedacht, würd' ich einsam sein.
Nie, hätt' ich gedacht, würd' ich einsam sein.
Nie, hätt' ich gedacht, würd' ich einsam sein.

Ich bin oft Tag und Nacht gegangen.
Irgendwie war immer Licht.
So ist Jahr um Jahr vergangen.
Ich schonte mich nicht.

Nie, hätt' ich gedacht, würd' es dunkel sein.
Nie, hätt' ich gedacht, würd' es dunkel sein.
Nie, hätt' ich gedacht, würd' es dunkel sein.

Ich habe Schweres überwunden,
was ich selbst nicht mehr versteh' .
Doch manche schlecht verheilten Wunden
tun mir heut' noch weh.

Nie, hätt' ich gedacht, würd' ich traurig sein.
Nie, hätt' ich gedacht, würd' ich traurig sein.
Nie, hätt' ich gedacht, würd' ich traurig sein.
Ich gehe meine Straße weiter.

Woher? Wohin? Weshalb? Wozu?
Wie lange geht es noch so weiter?
Ich sehn' mich nach Ruh'.

Nie, hätt' ich gedacht, würd' ich müde sein.
Nie, hätt' ich gedacht, würd' ich müde sein.
Nie, hätt' ich gedacht, würd' ich müde sein.
Walter Krieger

Manchmal nehme ich dir übel, dass du gestorben bist. Du bist desertiert, du hast mich im Stich gelassen. Deinetwegen kann ich die grauen Himmel, die Novemberregen, die letzten goldenen Blätter, die schwarzen, kahlen Bäume nicht mehr ertragen, in denen ich sonst eine Verheißung des Frühlings sah. Ich meide die Morgen- und Abenddämmerung, ich muss mich dazu zwingen, die Sonne und das Licht des Mondes zu sehen. Ich war gelöst und ernst, jetzt bin ich schwer und schleppe mich dahin, statt mich aufzuschwingen. Alles ist mühsam...
Anne Philipe, Nur einen Seufzer lang

Was ist Leben?
Das Leben ist eine Herausforderung ... begegne ihr.
Das Leben ist ein Geschenk... nimm es an.
Das Leben ist ein Abenteuer... wage es.
Das Leben ist Kummer... überwinde ihn.
Das Leben ist eine Tragödie ... tritt ihr entgegen.
Das Leben ist eine Pflicht... erfülle sie.
Das Leben ist ein Spiel... beteilige dich an ihm.
Das Leben ist ein Geheimnis ... lüfte es.
Das Leben ist ein Lied ... singe es.
Das Leben ist eine Gelegenheit... ergreife sie.
Das Leben ist eine Reise ... mache sie bis zum Ende.
Das Leben ist ein Versprechen ... halte es.
Das Leben ist Schönheit... preise sie.
Das Leben ist ein Kampf... stelle dich ihm.
Das Leben ist ein Ziel... erreiche es.
Das Leben ist ein Rätsel... löse es.
Fred Robinson


4.6 Biblische Texte

Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Offb 21,3-4


Wenn jemand meinen Kummer wiegen wollte und mein Leiden auf die Waage legte - sie wären schwerer als der Sand im Meer. Was Wunder, wenn ich wirre Reden führe! Warum gibt Gott mir nicht, was ich erbitte? Und warum tut er nicht, worauf ich warte? Zu sterben wäre mir ein Trost in aller Qual. Was er, der Heilige befohlen hat, dagegen hab' ich niemals rebelliert. Woher nehm' ich die Kraft, noch auszuhalten? Wie kann ich leben ohne jede Hoffnung?
Sinnlos vergeht ein Monat nach dem anderen, und Nacht für Nacht verbringe ich mit Schmerzen. Leg' ich mich nieder, schleppen sich die Stunden; ich wälze mich im Bett und kann nicht schlafen und warte ungeduldig auf den Morgen. Ganz ohne Hoffnung schwinden meine Tage. Deswegen werde ich den Mund nicht halten, ich lasse meiner Zunge freien Lauf. Was mich so bitter macht, das muss heraus! Weshalb, Gott, quälst du mich mit Traumen, mit Visionen und füllst mein Herz mit namenloser Angst. Mir wär es lieber wenn du mich erwürgtest; der Tod ist besser als ein solches Leben! Ich bin es satt, ich mag nicht weiter kämpfen. Mein ganzes Leben ist doch ohne Sinn. Hiob 6 und 7


Ach, würde doch mein Gram gewogen, legte man auf die Waage auch mein Leid! Denn nun ist es schwerer als der Sand des Meeres, darum reden meine Worte irr...Käme doch, was ich begehre, und gäbe Gott, was ich erhoffe. Und wollte Gott mich doch zermalmen, seine Hand erheben, um mich abzuschneiden. Das wäre noch ein Trost für mich; ich hüpfte auf im Leid, mit dem er mich nicht schont. Denn ich habe die Worte des Heiligen nicht verleugnet. Was ist meine Kraft, dass ich aushalten könnte, wann kommt mein Ende, dass ich mich gedulde? Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners? Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt, wie ein Tagelöhner, der auf den Lohn wartet. So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu. Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehn? Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert. Mein Leib ist gekleidet in Maden und Schorf, meine Haut schrumpft und eitert. Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, der Faden geht aus, sie schwinden dahin. Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist. Nie mehr schaut mein Auge Glück. Hiob 6u.7, Einheitsübersetzung


Wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wenn Jesus - und das ist unser Glaube - gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit Ihm zur Herrlichkeit führen. Dann werden wir immer beim Herrn sein. Tröstet also einander mit diesen Worten! 1 Thess 4,13-18


Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich. Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. 1 Kor 15,42-44


Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. Röm 8,38


In deine Hände lege ich voll Vertrauen meinen Geist: Du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott. Ps 31,6


Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage? Mein Gott ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe. Ps 22,2.3


Ich bleibe immer bei dir, du hältst mich an deiner Rechten. Du leitest mich nach deinem Ratschluss und nimmst mich am Ende auf in Herrlichkeit. Ps 73,23f


Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. Ps 126,5


Kann denn eine Frau ihr Kind vergessen, eine Mutter ihren eigenen Sohn? Und selbst, wenn sie ihr Kind vergessen würde: Ich vergesse dich nicht. Jes 49,15


Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Mt 5,4


Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Lk 23,46


Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Joh 6,47


Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben Joh 10,10


Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Joh 12,24


Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit so, wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, auch wir in dieser Wirklichkeit leben....Sind wir mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir mit ihm auch leben werden. Röm 6,4.8


Gott hat den Herrn auferweckt: er wird durch seine Macht auch uns auferwecken. 1 Kor 6,14


Wir haben keine Stadt hier, die bleibt, sondern wir suchen die Künftige. Hebr 13,14


Alle Tage des Trauernden sind voller Schmerzen, und voll Kummer ist sein Mühen, dass sein Herz auch des Nachts keine Ruhe findet. Koh 2,23


Ich habe mir fast die Augen ausgeweint, mein Leib tut mir weh, mein Herz ist auf den Boden ausgeschüttet. Klagelieder 2,11


Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. Röm 12,15


Weitere Bibelstellen:

1 Kön 19, 3-8: Elija, ein Prophet, der nicht mehr weiterkann
Lk 24, 13-50: Emmaus, Jesus und die trauernden Jünger


4.7 Gebete

Herr, unser Gott,
aus deiner Hand empfangen wir unser Leben!
Jeder Atemzug verbindet uns mit deiner Schöpfung,
erfüllt uns mit Leben.
Unser Atem sagt uns:
Wir sind ein Teil deiner Schöpfung,
die wächst und stirbt,
neu aufblüht und vergeht.
Hilf uns, das Wachsen und Blühen zu entdecken,
damit wir uns daran erfreuen.
Hilf uns, damit zu leben,
dass vieles vergeht und stirbt,
damit wir in diesen Erfahrungen vertrauen lernen,
dir, dem Herrn über Leben und Tod.
Du bist unsere Hoffnung,
dass unser Sterben Beginn des Lebens ist in dir,
durch Christus, unseren Herren. Amen.
Norbert Possmann

Herr, mein Gott,
gib mir die Geduld wieder.
Ich hatte sie mal.
Doch hab' ich sie verloren.
Vielleicht ist alles viel zu viel gewesen.
Lass mich die Trauer nicht so maßlos empfinden,
vor dem Leben, dem Neubeginn,
dem Leben - allein
nicht so viel Angst haben.
Ich weiß, Herr:
weniger Angst hat,
wer warten und dich handeln lassen kann. Amen.
Quelle unbekannt

GOTT,
wir können es nicht fassen,
einer von uns ist nicht mehr da,
sein Platz ist leer,
nicht für ein paar Tage wie sonst,
sondern für immer.
Wir wollen ihn nicht vergessen,
seinen Namen,
sein Gesicht,
sein Wesen.
Wir werden ihn lange nicht vergessen.
Du aber, o Gott, schreib seinen Namen ins Buch des Lebens,
damit er bleibt in Ewigkeit.
Amen
Quelle unbekannt

Herr, unser Gott,
alle, die auf dich vertrauen,
werden die Wahrheit erkennen.
Hilf uns, sie hier und jetzt
in unserem Leben zu erkennen:
die Wahrheit, dass unser Schicksal
nicht Tod und Vergehen ist,
sondern dass wir geborgen sind
in deiner Liebe.
Der Tod ist uns gewiss.
Lass ihn uns als Bruder Tod begreifen,
der unsere Geburtsstunde sein wird
in deine Ewigkeit. Amen.
Roland Breitenbach

Aus der Tiefe unserer Lebensangst
rufen wir, Herr, zu dir.
Aus der Tiefe der Schmerzen oder Wunden,
die wir anderen zugefügt haben,
rufen wir, Herr, zu dir.
Aus der Tiefe des Leides,
das auf uns wieder zurückfiel,
rufen wir, Herr, zu dir.
Aus der Tiefe der Verachtung und des Vorurteils,
daran andere zu beißen hatten,
rufen wir, Herr, zu dir.
Aus der Tiefe der Vergangenheit und der Scham,
die wir verdrängten,
rufen wir, Herr, zu dir.
Aus der Tiefe unserer Verlegenheit und Ratlosigkeit,
die uns niederdrückte,
rufen wir, Herr, zu dir.
Aus der Tiefe unserer Eitelkeit und Selbstgerechtigkeit,
die anderen das Leben nicht gönnte,
rufen wir, Herr, zu dir.
Aus der Tiefe unserer Gemeinheit,
mit der wir andere verfolgten,
rufen wir, Herr, zu dir.
Wir rufen zu dir, Gott, weil wir glauben:
Bei dir ist die Erlösung in Fülle,
und die Versöhnung kommt aus deinen Händen. Amen.
Roland Breitenbach

MORGENGEBET
Gott, zu Dir rufe ich in der Frühe des Tages.
Hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu Dir;
ich kann es nicht allein.
In mir ist es finster, aber bei Dir ist das Licht;
ich bin einsam, aber Du verlässt mich nicht;
ich bin kleinmütig, aber bei Dir ist die Hilfe;
ich bin unruhig, aber bei Dir ist der Friede;
in mir ist Bitterkeit, aber bei Dir ist die Geduld;
ich verstehe Deine Wege nicht,
aber Du weißt den Weg für mich.
Vater im Himmel,
Lob und Dank sei Dir für die Ruhe der Nacht,
Lob und Dank sei Dir für den neuen Tag.
Lob und Dank sei Dir für alle Deine Güte
und Treue in meinem vergangenen Leben.
Du hast mir viel Gutes erwiesen,
lass mich nun auch das Schwere
aus Deiner Hand hinnehmen.
Du wirst mir nicht mehr auflegen,
als ich tragen kann.
Du lässt Deinen Kindern alle Dinge zum Besten dienen.
Dietrich Bonhoeffer Gebete für Mitgefangene, Weihnachten 1943


Gebet in besonderer Not

Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken.
Ich weiß nicht ein noch aus.
Gott sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was Du schickst.
Lass die Furcht nicht über mich herrschen,
sorge Du väterlich für die Meinen,
für Frau und Kinder.
Barmherziger Gott, vergib mir alles,
was ich an Dir und den Menschen gesündigt habe.
Ich traue Deiner Gnade und gebe mein Leben ganz in Deine Hand.
Mach Du mit mir, wie es Dir gefällt und wie es gut für mich ist.
Ob ich lebe oder sterbe, ich bin bei Dir
und Du bist bei mir, mein Gott.
Herr, ich warte auf Dein Heil
und auf Dein Reich.
Amen.
Dietrich Bonhoeffer

Gott.
Du nahmst zu dir,
was zu mir gehörte.
Du wirst wohl wissen,
was du da getan hast.
Verstehen kann ich es nicht.
Verlange es bitte auch nicht: Ich würde mich weigern.
Doch hilf mir, mein Leid zu tragen. Und lass mich in der
Traurigkeit und in der Tortur der Fragen nicht versinken.
Amen.
Quelle unbekannt

Klagegebet

Gott, mein Gott,
wenn du möchtest, dass ich an dich glaube,
dann lass mich an dich glauben.
Wenn du möchtest, dass ich dich liebe,
dann bring' mir die Liebe, ich habe sie nicht.
Will dir meine Schwäche geben dafür,
meinen Schmerz
und, Gott, meine Verzweiflung.
Und... mein letztes Quäntchen Hoffnung, ja, Gott, auch das.
Quelle unbekannt

Ich lasse mich dir, heiliger Gott, und bitte dich: Mach ein Ende aller Unrast.
Quelle unbekannt

Meinen Willen lasse ich dir.
Ich glaube nicht mehr, dass ich selbst verantworten kann,
was ich tue und was durch mich geschieht.
Führe du mich und zeige mir deinen Willen.
Meine Gedanken lasse ich dir.
Ich glaube nicht mehr, dass ich so klug bin, mich selbst zu verstehen,
dieses ganze Leben oder die Menschen.
Lehre mich deine Gedanken denken.

Meine Pläne lasse ich dir.
Ich glaube nicht mehr, dass mein Leben seinen Sinn findet
in dem, was ich erreiche von meinen Plänen.
Ich vertraue mich deinem Plan an, denn du kennst mich.

Meine Sorgen um andere Menschen lasse ich dir.
Ich glaube nicht mehr, dass ich mit meinen Sorgen irgend etwas bessere.
Das liegt allein bei dir. Wozu soll ich mich sorgen?

Die Angst vor der Übermacht der anderen lasse ich dir.
Du warst wehrlos zwischen den Mächtigen.
Die Mächtigen sind untergegangen. Du lebst.

Meine Furcht vor meinem eigenen Versagen lasse ich dir.
Ich brauche kein erfolgreicher Mensch zu sein,
wenn ich ein gesegneter Mensch sein soll nach deinem Willen.

Alle ungelösten Fragen, alle Mühe mit mir selbst,
alle verkrampften Hoffnungen lasse ich dir.
Ich gebe es auf, gegen verschlossene Türen zu rennen,
und warte auf dich. Du wirst sie öffnen.

Ich lasse mich dir. Ich gehöre dir, Gott.
Du hast mich in deiner guten Hand. Ich danke dir.
Jörg Zink

Wir danken dir, Herr, Gott,
für diesen Menschen,
der so nahe und kostbar war
und der uns plötzlich entrissen ist
aus unserer Welt.
Wir danken dir für alle Freundschaft und Liebe,
die von ihm ausgegangen ist,
und für allen Frieden, den er gebracht hat.
Wir bitten dich:
Nichts von diesem Menschenleben
möge verlorengehen;
was er gelebt und getan hat,
komme der Welt zugute,
damit alles, was ihm heilig war, geehrt werde
und dass er in allem, worin er groß war,
auch weiter zu uns spreche -
gerade jetzt, da er gestorben ist.
Wir bitten dich,
dass er fortlebe in Kindern und Freunden,
in ihrem Herzen und im Wagnis ihres Lebens,
in ihrem Denken und Gewissen.
Und wir bitten, Gott,
dass wir, die mit ihm verbunden waren,
jetzt auch tiefer miteinander verbunden seien,
und dass wir gemeinsam
In Freundschaft und Frieden auf Erden
deine Verheißung erkennen:
Im Tod wirst du uns treu sein.
Huub Osterhuis

Man sagt mir, ich solle es nicht so schwer nehmen
Man sagt mir, das Leben ginge weiter
Man sagt mir, jeder müsste lernen, Verluste zu überwinden
Man sagt mir, jede Prüfung des Lebens brächte mich weiter
Man sagt mir, die Zeit lässt jeden Schmerz vergehen


Aber
hier und jetzt bin ich allein!
Mein Gott
lass mich nicht allein
in diesen Abgrund stürzen
Strecke deine Hand aus
und fange mich im Fluge ab
bevor ich am Boden zerbreche
Tina Krug


4.8 Bausteine für Gottesdienste

Segen der Trauernden

Gesegnet seien alle,
die mir jetzt nicht ausweichen.
Dankbar bin ich für jeden,
der mir einmal zulächelt
und mir seine Hand reicht,
wenn ich mich verlassen fühle.

Gesegnet seien die,
die mich immer noch besuchen,
obwohl sie Angst haben,
etwas Falsches zu sagen.

Gesegnet seien alle,
die mir zuhören,
auch wenn das,
was ich zu sagen habe,
sehr schwer zu ertragen ist.

Gesegnet seien alle,
die mir erlauben
von dem Verstorbenen zu sprechen.
Ich möchte meine Erinnerungen
nicht totschweigen.
Ich suche Menschen,
denen ich mitteilen kann,
was mich bewegt.

Gesegnet seien alle,
die mich nicht ändern wollen,
sondern geduldig so annehmen,
wie ich jetzt bin.

Gesegnet seien alle,
die mich trösten
und mir zusichern,
dass Gott mich nicht verlassen hat.
Marie-Luise Wölfing


Gesegnet deine Trauer,
dass du nicht erstarrst vor Schmerz,
sondern Abschied nehmen
und dich behutsam lösen kannst,
ohne dich verloren zu geben.

Gesegnet deine Klage,
dass du nicht verstummst vor Entsetzen,
sondern herausschreien kannst,
was über deine Kraft geht
und dir das Herz zerreißt.

Gesegnet deine Wut,
dass die Entmutigung dich nicht überwältige,
sondern die Kraft in dir wachse,
für dich zu kämpfen,
trotzdem dein Leben zu wagen.

Gesegnet deine Einsamkeit,
dass du Raum findest, Vergangenes zu ordnen,
ohne schnellen Trost zu suchen
und in blinder Flucht
neues Unheil auf dich herabzuziehen.

Gesegnet du,
dass du Unsicherheit aushalten
und Ängste bestehen kannst,
bis du wieder festen Grund spürst
unter deinen Füßen
und ein neuer Tag dir sein Licht schenkt
Sabine Naegeli


Segen

Steht auf vom Tod zum Leben
steht auf und habt Mut
denn der Tod ist nicht Ende
der Tod ist der Anfang eines neuen Lebens.
Steht auf und lebt
steht auf zur Auferstehung.
Dazu segne euch ...

Fürbitten

Gott, du bist der Herr des Lebens, in deiner Hand sind wir geborgen.
Wir bitten dich:

- Für alle, die traurig sind, weil in ihrer Familie oder in ihrem Freundeskreis ein wertvoller, geliebter Mensch gestorben ist. Herr, erbarme dich ...

- Für alle, die als Opfer von Gewalt und Terror, von Elend und Krieg gestorben sind.

- Für alle, die heute als Opfer von Unfällen, nach langer Krankheit oder unerwartet sterben.

- Für alle, die schon gestorben sind, die uns nahe standen.

- Für alle, die dich, Gott, vergessen haben.

Kyrie

Jesus Christus,
wenn wir Leid erfahren,
uns bekannten Menschen Schlimmes zustößt
oder plötzlich ein befreundeter Mensch stirbt,
dann reagieren wir sehr unterschiedlich.
Manche von uns ziehen sich zurück,
andere werden aggressiv,
wieder andere versuchen sich durch Vergnügungen abzulenken.
Jesus, verzeih uns,
wenn wir dann in unserem eigenen Schmerz
die Not anderer übersehen,
uns total gegen dich wenden,
vergessen,
dass du uns Menschen versprochen hast,
dass nichts und niemand aus den Händen
deines und unseres Vaters fällt.
Herr, erbarme dich. Christus, erbarme dich. Herr, erbarme dich.
Der Herr erbarmt sich unser. Er nimmt uns auf so wie wir sind, mit unserem Schmerz, unserer ohnmächtigen Wut und unseren Zweifeln. Er verzeiht uns unseren Mangel an Glauben und Hoffnung. Amen.
DKV Materialbrief 8/96

Besinnung zur Emmaus – Erzählung

Ich fühle mich manchmal wie einer dieser Jünger auf dem Weg nach Emmaus.
Ich bin ganz unten
und komme allein nicht mehr hoch.
Lass mich wissen, dass du stärker bist
als alle Not, Armut und Angst.
Lass mich wissen, dass du stärker bist
als die, die mich nicht so nehmen, wie ich bin;
als alle, die mich nicht verstehen können.
Warum zeigst du dich nicht?
Sag mir doch, dass du immer für mich da bist.
Oft frage ich mich, warum geschieht das gerade mir?
Warum hab' ich das verdient?
Herr, ich begreife dich nicht!
Du bist mir so fremd, unendlich fern von meinem Leben.
Nur selten denke ich an dich,
meine Gedanken kreisen eng um mein eigenes Ich.
Unsicherheit und Angst bedrücken mich.
Vieles misslingt mir, oft ist alles so hoffnungslos.
Wo ist der Sinn in meinem Leben?
Herr, sag mir, was ist das Ziel dieser Erde,
die bald nicht mehr genug Platz für alle hat,
auf der es nicht überall genug zu essen gibt,
auf der an allen Orten Böses und Ungerechtes geschieht?
Ach, Herr, es ist so schwer an dich zu glauben.
Die Menschen denken nur an sich.
Wo zeigt sich die Nächstenliebe, die du verkündet hast?
Hast du uns verlassen?
DKV Materialbrief 2/96

 

TERMINE: SCHULE

26. Mai 2012 09.00 Uhr
30. Mai 2012 09.00 Uhr
1. Juni 2012 - 2. Juni 2012
15. Juni 2012 13.30 Uhr
22. Juni 2012 15.00 Uhr
Arbeitskreis "Ganztags-Klasse!"
Ort: Mittelschule Nürnberg-Schlößleinsgasse
Veranstalter: Hauptabteilung Schulen und Hochschulen
27. Juni 2012 21.15 Uhr
18. Juli 2012 21.15 Uhr

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