Ein Todesfall

2. Situationsbeschreibungen

Jeder Todesfall in der Schule ist anders, da ein Mensch mit eigener Lebensgeschichte, mit eigenem Charakter und mit eigenem Beziehungsgeflecht in der Gemeinschaft fehlt.

Todesfälle in der Schule können in unterschiedlichen Situationen auftreten, mit denen dann u.U. jeweils verschieden umzugehen ist. Nachfolgend sollen einige dieser Situationen angesprochen und in ihren Auswirkungen und Handlungsmöglichkeiten beschrieben werden

2.1 Der Tod eines Kollegen

Der Tod eines Kollegen betrifft zunächst das Kollegium, wobei die unterschiedlichen Beziehungen unter den Kollegen zu berücksichtigen sind. Um der verschiedene Nähe, die andere Lehrer zum Verstorbenen hatten, gerecht zu werden sollten zunächst einfache, unaufdringliche Zeichen der Trauer angeboten werden.

Möglich wäre hier
- eine Kerze am Platz des Verstorbenen,
- ein Bild des Verstorbenen,
- eine Blume,
- ein Gegenstand, der mit der Person des verstorbenen Kollegen in Verbindung gebracht wird.
Zusätzlich kann Kollegen, die mit dem Verstorbenen freundschaftlich verbunden waren, die Möglichkeit angeboten werden, ihre tiefere Trauer auszudrücken, z.B. innerhalb einer Zusammenkunft der Kollegen im Lehrerzimmer

Auch die Schüler werden auf das Fehlen eines Lehrers reagieren. Sachliche Information über den Tod des Kollegen und Auskünfte über Veränderungen im Unterrichtsablauf können Unsicherheiten abbauen. Die Schüler sollten in ihrer Trauer begleitet werden; darüber hinaus ist jedoch auch auf die Schüler zu achten, die dem Kollegen ablehnend gegenüberstanden. Möglicherweise brauchen sie einen Ort, an dem sie über ihr schlechtes Gewissen oder ihre Schuldgefühle reden können.
Die unterschiedliche Bedeutung eines Lehrers für die Schüler – Funktionsträger, Buhmann, Vorbild, Coach – wird die Intensität und den Ablauf des Trauerprozesses prägen.

Besonders beim Tod eines aktiven Lehrers ist die Schule als Schulgemeinschaft betroffen. Ein Symbol der gemeinsamen Trauer als Schulgemeinschaft wird deshalb angemessen sein.

2.2 Der Tod eines Schülers

Der Tod eines Jugendlichen oder eines Kindes löst immer sehr starke Betroffenheit aus. Mitschüler, die von den Verantwortlichen ja zuallererst in den Blick zu nehmen sind, können ganz unterschiedliche Reaktionsweisen zeigen. Zunächst wird der Tod eines Schülers in seiner Klasse zu thematisieren sein. Dabei ist zu berücksichtigen, das die Nachricht bei Schülern Assoziationen bezüglich des verstorbenen Schülers, aber auch bezüglich eigener Erlebnisse mit dem Tod auslösen kann. Alte Geschichten kommen hoch, Fragen tauchen auf, Spannungen entstehen. Auch Schüler, die mit dem Verstorbenen wenig Kontakt hatten, können scheinbar übersteigert reagieren. Diese Reaktionen gilt es ernst zu nehmen, zu verstehen, und auszudrücken. Unangemessen wäre es jedoch, Trauer bei Schülern hervorrufen zu wollen oder zu verstärken. In der Klasse kann eine Symbolhandlung (Kerze, Bild, Blumen) oder eine kurze Trauerfeier für Sammlung und Ruhe sorgen. Für Fragen und Erinnerungen der Schüler sollte ausreichend Platz eingeräumt werden.

Das Kollegium wird vom Tod eines Schülers anders betroffen sein als vom Tod eines Kollegen. Trauer werden vor allem die Kollegen haben, die mit dem Schüler direkt zu tun hatten. Viele werden nach richtigem Verhalten in der Klasse fragen.

Die Eltern des Verstorbenen nehmen mit der Schule vor allem Kontakt auf um Organisatorisches abzuklären. Hier kann auch geklärt werden, inwieweit die Angehörigen die Teilnahme der Schule an den Trauerfeiern wünschen. Der Schule sollte an einer Teilnahme und evtl. auch an einer Mitwirkung unbedingt gelegen sein.

Die Schule als Schulgemeinschaft kann mit einer Gedenkminute in allen Klassen reagieren. Weitergehende Trauerbekundungen sollten mit den Angehörigen abgestimmt werden.

2.3 Unfalltod

Ein Unfalltod tritt unvorhersehbar und plötzlich ein. Die Wendungen „plötzlich und unerwartet“ oder „aus unserer Mitte gerissen“ beschreiben treffend wie Menschen sich fühlen, wenn sie damit konfrontiert werden. Ein Unfalltod lässt keine Zeit, sich darauf vorzubereiten. Er lässt sich noch schwerer verarbeiten als der Tod durch Krankheit. Es könnte dadurch unausweichlich deutlich werden: „Auch ich könnte schnell sterben.“ Beim Unfalltod ist schnelle, aber nicht hastige Reaktion gefragt. Ängste und Trauer mischen sich, Vorstellungen von der Entstellung des Toten können verschärfend wirken.

Bei einem Unfalltod steht oft die Frage nach der Art und Weise der Benachrichtigung bzw. Information von Schülern und Kollegen an erster Stelle. Dabei ist natürlich der persönlichen Übermittlung der Nachricht der Vorzug zu geben. So sollte der Schulleiter am Morgen die Kollegen der betreffenden Stunde informieren und eventuell auch instruieren und mit passenden Materialien versorgen.

2.4 Tod nach Krankheit

Der Tod nach einer Krankheit ist manchmal schon zu einem früheren Zeitpunkt einschätzbar. Oft beginnt der Trauerprozess schon mit der Diagnose, der Tod selbst ist sein Finale. Aber auch hier wird durch den Tod eine Endgültigkeit und Unwiderruflichkeit deutlich, die jede Hoffnung auf Genesung nimmt. Wenn die Krankheit schon länger dauert, ist der Platz in der Klasse oder im Kollegium vielleicht schon frei geworden oder wurde durch jemand anderen besetzt. Beim Umgang mit der Trauer ist zu beachten, wie stark der Verstorbene tatsächlich noch in der Schule präsent war.

2.5 Tod von Angehörigen

Wenn Angehörige z.B. Eltern oder Geschwister von Schülern sterben, liegt das Problem vor allem bei der Unterstützung des betroffenen Schülers. Er sollte selbst mitentscheiden, wie seine Trauer in der Klasse angesprochen wird. Persönliche Gespräche mit Lehrern, die einen guten Zugang zu dem betroffenen Schüler haben, sollten zumindest angeboten werden. Da viele Mitschüler den Verstorbenen wohl nicht kennen, wird ein Zeichen der Solidarität mit dem Zurückgebliebenen zu setzten sein.

2.6 Suizid

Suizid trägt eine fast mystische Aura um sich. Ängste tauchen auf, Fragen werden aus Scheu nicht gestellt. Nach einem erfolgreichen Suizid stehen bei den Hinterbliebenen immer enorme Schuldgefühle im Vordergrund. „Warum haben wir nichts bemerkt?“, „Warum haben wir N.N. nicht ernster genommen?“ „Vielleicht hätten wir helfen können...“, lauten Fragen, die sich fast unwillkürlich einstellen. Selbstvorwürfe, v.a. bezüglich der nicht beachteten Hilferufe können quälend wirken. Die Trauer kann zwischen Wut und Schuldgefühlen verborgen bleiben. Vor allem die Möglichkeit der Nachahmung durch Schüler ist in den Blick zu nehmen und darf nicht unterschätzt werden. Möglicherweise zeigt durch den Suizid ein als Vorbild dienender Schüler für andere einen vermeintlichen Lösungsweg auf. „Wenn ein Mensch aus dem Leben scheidet, ist es, als sagte er den anderen: Seht mal, wie ihr lebt...“ (Swetlana Alexijewitsch)

 

TERMINE: SCHULE

26. Mai 2012 09.00 Uhr
30. Mai 2012 09.00 Uhr
1. Juni 2012 - 2. Juni 2012
15. Juni 2012 13.30 Uhr
22. Juni 2012 15.00 Uhr
Arbeitskreis "Ganztags-Klasse!"
Ort: Mittelschule Nürnberg-Schlößleinsgasse
Veranstalter: Hauptabteilung Schulen und Hochschulen
27. Juni 2012 21.15 Uhr
18. Juli 2012 21.15 Uhr

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