Seminarprogramm Katholische Religionslehre für Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter
an Grund- und Hauptschulen in Bayern
Das folgende Seminarprogramm begleitet die Lehramtsanwärter/innen in den beiden Jahren der zweiten Ausbildungsphase durch die acht Seminar- und Ausbildungstage des Fachseminars Katholische Religionslehre. Die Aufgliederung in vier Halbjahre orientiert sich an vier grundlegenden anthropologischen und theologischen Themen, die in einem einleitenden Text beschrieben werden. Die jeweils aufgeführten religionspädagogischen Konkretisierungen verdeutlichen die Thematik auf die Seminararbeit hin, die im Anschluss daran genannten Möglichkeiten unterrichtlicher Umsetzung greifen Methoden und Arbeitsformen auf, die geeignet sind, das Anliegen des jeweiligen Halbjahres im Unterricht zu realisieren.
"Nach dem Sinn des Lebens fragen
- Für die Grunderfahrung der Bibel offen werden"
Wo Menschen nach dem Woher und Wohin ihres Lebens fragen, suchen sie in verschiedenen Bereichen nach Antworten und stellen in diesem Zusammenhang auch die Frage nach Gott. Dabei machen sie je eigene Erfahrungen, die in der Begegnung mit der christlichen Tradition sowie mit anderen Kulturen und Religionen zu unterschiedlichen Ausprägungen ihres Gottesbildes führen.
In der Auseinandersetzung mit grundlegenden Texten der Bibel wird es möglich, die darin überlieferten Glaubenserfahrungen für das eigene Leben in den Blick zu nehmen. Dabei wird deutlich, dass Menschen Gott als treu und verlässlich, aber auch als unbegreiflich und geheimnisvoll erfahren. Das biblische Verständnis der Welt als Schöpfung Gottes kann das Bewusstsein von der Einzigartigkeit und Würde jedes Menschen und die Achtung vor anderen Glaubensauffassungen begründen.
Religionspädagogische Konkretisierungen:
Möglichkeiten unterrichtliche Umsetzung:
"Sich nach gelingendem Leben sehnen
- In der Begegnung mit Jesus Antwort finden"
Menschen sehnen sich nach gelingendem Leben. Sie sind auf der Suche nach Sinn- und Wertorientierung, nach Selbstverwirklichung und Anerkennung. Leid und Schuld, Liebe und Geborgenheit, Tod und Trauer, Ablehnung und Einsamkeit, Anerkennung und Erfüllung sind Erfahrungen, die Menschen prägen. In solchen Erfahrungen bricht häufig die Sinnfrage und die Frage nach einem tragfähigen Grund für das leben auf.
Die Begegnung mit Leben und Wirken Jesu von Nazaret kann dazu anregen, über sich selbst nachzudenken und einen Zugang zur lebensdeutenden und befreienden Botschaft des Neuen Testamentes zu finden. So können Menschen ermutigt werden, eigene Begabungen zu nutzen, Lebensfreude zu entwickeln und sich zuversichtlich den Fragen nach Zukunft und Endlichkeit zu stellen.
Religionspädagogische Konkretisierungen:
Möglichkeiten unterrichtlicher Umsetzung:
"Bedürfnis nach Leben in Gemeinschaft haben
- Als Kirche auf dem Weg sein"
In Familie oder Gruppe beheimatet und anerkannt zu sein, sich als Teil eines Ganzen zu erfahren, Aufgaben wahrzunehmen, aber auch Konflikte auszutragen spielt eine große Rolle für das Leben und die Persönlichkeit des Menschen. Er erlebt heute eine plurale Gesellschaft, in der es nicht leicht fällt, einen eigenen Ort zu finden. Gleichzeitig fühlt er sich unterschiedlichen Gruppen und Gemeinschaften zugehörig.
In der Begegnung und der Auseinandersetzung mit Menschen, die sich in verschiedenen Ausprägungen der Gemeinschaft der Kirche verwurzelt fühlen, wird der Einzelne angeregt, Fragen zu stellen, die sein Leben betreffen. Gemeinsam mit anderen kann so der Zugang zu einem eigenen Glaubensweg gefunden werden. Dabei wird die Sensibilisierung für Sakramente als wirksame Zeichen göttlicher Nähe und kirchlicher Gemeinschaft möglich.
Religionspädagogische Konkretisierungen:
Möglichkeiten unterrichtlicher Umsetzung:
"Auf der Such nach Orientierung sein
- Aus dem Geiste Jesu leben"
Menschen gestalten ihr Leben entsprechend ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten und erfahren dabei Grenzen. Sie sind aufgerufen, den Raum ihrer persönlichen Freiheit zu nutzen und ihr eigenes Leben sowie das Leben in der Gesellschaft verantwortlich zu gestalten. Indem sie Werthaltungen und Einstellungen übernehmen und weiterentwickeln, können sie zu sich selbst finden und lernen, Entscheidungen zu treffen. Angesichts der hohen Anforderungen, die Globalisierung und Pluralisierung an den Einzelnen stellen, bedarf er dringend der Orientierung.
Eine Ethik, die sich an der befreienden Botschaft der Bibel ausrichtet, kann Orientierung bieten, die Wahrnehmung des Gewissens fördern und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung stärken.
Religionspädagogische Konkretisierungen:
Möglichkeiten unterrichtlicher Umsetzung: