Franziskanerinnen von Maria Stern OSF
Oberin: Sr. M. Agnes Löfflad
Schloßberg 12
86681 Fünfstetten
Tel. 09091/50990
Gottesdienstzeiten
Montag: 7.15 Uhr hl. Messe
Dienstag: 7.15 Uhr hl. Messe
Mittwoch: 19.00 Uhr hl. Messe
Donnerstag: 7.15 Uhr hl. Messe, 19.45 Uhr Bibelabend
Freitag: 7.15 Uhr hl. Messe, 14.30 - 17.00 Anbetung
Samstag: 7.15 Uhr hl. Messe
Sonntag: 7.15 Uhr
Gründung einer Schwesterngemeinschaft "Maria Stern" in Fünfstetten
Am 15. April 1907 –waren die ersten Schwestern im „Fünfstetter Schloss“ eingezogen
H. H. Pfarrer Inzenhofer, war mit allem Eifer darauf bedacht gewesen, das Schoß mit Park und Grundstücken dem Sternkloster günstig zu verkaufen. Er hatte eine An- und Verkaufsgenossenschaft für Liegenschaften ins Leben gerufen, die das gesamte Schlossgut 1905 von einem schlesischen Großindustriellen, dem letzten Besitzer desselben, erworben hatte.er umsichtige Ortsgeistliche ermöglichte dadurch oft, verarmten Bauern des Ortes Anleihen über den erworbenen Grund aufzunehmen und den Landwirten somit Gelegenheit zu geben, einen größeren Betrieb aufzubauen. Verständlicherweise waren die Verantwortlichen darum bemüht, für ein so wertvolles Anwesen wieder einen regulären Besitzer zu finden.
Pfarrer Inzenhofer, der längst den Wunsch hegte, eine klösterliche Niederlassung in seiner Pfarrei zu haben, wandte sich im Jahre1906 an die Klosterleitung und trug ihr das Schloßgut an.
Fr. Generaloberin M. Engelberta Winkler musste natürlich gleich erkennen, daß dieses für die Klosterkasse unerschwinglich sei und winkte daher ab. Doch der unternehmungsfreudige Herr Pfarrer wollte noch nicht aufgeben. Die Genossenschaft sollte auf sein Anraten eine gangbare Lösung finden. Diese sah so aus: Das Gut wurde aufgeteilt und stückweise - bis auf 20 Tagwerk, die in unmittelbarer Nähe des Schlosses lagen - verkauft.
Dieser nahe gelegene landwirtschaftliche Grund, der Park, der fast sieben Tagwerk umfaßt, und das Schloß wurden nun dem Kloster angeboten. Der Preis von 50000 RM wäre dafür sicherlich nicht zu hoch gewesen, aber das Kloster fühlte sich doch überfordert, denn es war vorauszusehen, daß die Renovierung des Gebäudes und die Einrichtung eines landwirtschaftlichen Betriebs noch eine fast ebenso hohe Summe verschlingen würden. Die Genossenschaft senkte daher den Preis noch einmal auf 45000 RM; nun konnte das Kloster auf das Angebot eingehen. Hier hatte man längst die Notwendigkeit erkannt, ein Heim für ältere, nicht mehr in der Berufsarbeit stehende Schwestern zu erwerben, das zugleich als klostereigenes Feriendomizil geeignet wäre. Das Schloss mit dem großen Park – direkt auf dem Land – erfüllte dafür alle Voraussetzungen.
Freilich bedeutete das Ganze ein großes Unternehmen und bei näherem Hinsehen kamen reihenweise Bedenken auf. Vor allem birgt ja eine ländliche Umgebung für ein Altenheim auch Nachteile, zumal die Verkehrsmöglichkeiten in jener Zeit noch sehr dürftig waren. Doch Pfarrer Inzenhofer, der alle größeren und kleineren Probleme erwog, scheute keine Mühe, nach Lösungen zu suchen und die Skepsis der Klosterleitung zu zerstreuen. Persönlich schrieb er an denHochw. H. Bischof Maximilian von Augsburg, der befürchtete, das Sternkloster könne sich mit diesem Kauf in finanzielle Schwierigkeiten bringen.
Das Bischöfliche General-Vikariat in Eichstätt gab aber auf das entsprechende Gesuch die Antwort:
„Seine Bischöfliche Gnaden haben mit Freude hievon (vom Erwerb des Schlossgutes) Kenntnis genommen. Hochdieselbe genehmigen gern die neue Niederlassung der so segensreich wirkenden Kongregation in der Diözese Eichstätt....“
Am 10. Januar 1907 erfolgte die notarielle Verbriefung in Fünfstetten selbst. 10000 RM wurden sofort bar bezahlt, der Rest von 35000 RM wurden beim Raiffeisenverein Fünfstetten aufgenommen und mit 4% verzinst. Bis zum Jahre 1919 war die Abtragung der Schuld gefordert.
Der dem Kloster bekannte Baumeister Heuchel in Nördlingen übernahm die Renovierung des Schlossgebäudes. 20000 Mark waren – laut Chronik dafür noch aufzuwenden. Nachdem die ärgsten Schäden ausgebessert waren, konnten die ersten Schwestern an jenem15. April Einzug halten.
Es waren zunächst sechs Schwestern gewesen, die unter Leitung der Oberin M. Rogeria Kolb Haus und Garten instand setzen und in der Landwirtschaft mithelfen sollten.
Frau Generaloberin hatte gewünscht, „die Schwestern ganz stille einziehen zu lassen“. Doch „unmöglich habe ich dem Wunsch entsprechen können, denn mein Herz strömt über. Wer aber wollte dem Strom Einhalt gebieten?“ Diese „warmen Worte des Willkommens“ richtete Pfarrer Inzenhofer beim Einzug an die Schwestern. Er hatte sie selbst vom Bahnhof abgeholt und war mit ihnen zum Schloß gefahren. „Donnernde Böllerschüsse begrüßten die Schwestern, als der Wagen ins Dorf einfuhr. Die ganze Schuljugend war bereits mit Herrn Hauptlehrer Clos im Schloßhof aufgestellt. Herr Bürgermeister Scheurer begrüßte mit der Gemeindeverwaltung aufs herzlichste die Schwestern“ (nach einem Zeitungsbericht vom 20. April `07)
Wenn man sich in einem so alten Schloß niederläßt, kann man ja wohl nicht umhin, ein wenig in seiner Vergangenheit nachzuforschen.
Schon im 12. Und 13. Jahrhundert gab es dort Ortsadelige, die Herren von Vinastetten, die Ministerialien der Grafen von Graisbach waren. Diese bewohnten ein „Alt-Herren-Häusle“, dem sich im Laufe der Zeit dann das heutige Schloß anfügte.
Die Ortschaft Fünfstetten blieb immer der Sitz kleiner Adeliger aus der Umgebung. Seit etwa 1400 gehörten das Schloß und der Großteil des Dorfes den Rittern von Wemding. Die Donauwörther steckten in einem Rachezug gegen die Wemdinger das „Herren-Häusle“ in Brand, aber das Schloß Fünfstetten blieb vor der Zerstörung bewahrt und die Wemdinger blieben bis 1620 die Herren des Ortes. Durch Heirat wechselten dann mehrmals die Namen der Besitzer. Nach dem 30-jährigen Krieg kam der Besitz an den Freiherrn Hans Sebastian Speth von Zwiefalten.
1762 kaufte Freiherr Franz Maximilian Karl von Rehlingen die Hofmark.
1911 erwarb sie Karl Friedrich Stephan, Freiherr von Schönfeld, käuflich. Über ihn und seine Familie, ebenso über die verwandten Familien Mägele und Montperny stellte Pfarrer Josef Krämer, der von 1925 bis 1949 in der Pfarrei Fünfstetten tätig war, ausführliche Nachforschungen an und gab sie 1932 in einem gesammelten Band heraus. („Carl Friedrich Stephan – Graf von Otting und Fünfstetten“ v. Josef Krämer) Daraus erfahren wir auch viel Interessantes über den Zustand und die Einrichtung des Schlosses und besonders über die großartige Parkanlage mit seinen seltenen Pflanzen und Bäumen, den herrlichen Blumenrabatten und Wasseranlagen. Unter den Erben Schönfelds wurde der gesamte Besitz 1856 an Friedrich Adam Schwarz aus Pappenheim verkauft. Dieser mußte aber bald den Konkurs erklären und so wechselte das gesamte Schloßgut schon zwei Jahre später wieder den Besitzer: Heinrich Oskar Kürzel aus Chrimitschau in Sachsen, ein Großindustrieller, erwarb es im Jahre 1859.
Zu Beginn dieses Jahrhunderts kam es dann – wiederum durch Ankauf – an andere Großindustrielle aus Schlesien. Diese verkauften es – wie schon vermerkt – der besagten Genossenschaft.
Das Wappen neben dem Haupteingang am Schloßgebäude bezeugt nicht ein ehemaliges Grafengeschlecht, welches das Schloß bewohnte. Der nicht mehr lesbare Name hatte Adam Maximilian von Ow geheißen. Dieser war Abt des Deutschherrn-Ordens in Ellingen, als – unter Menrad von Speth – die Fünfstetter Pfarrkirche erbaut wurde. Zu dieser Zeit hatte der Deutschherrn-Orden das Besetzungsrecht auf die Pfarrei Fünfstetten. Das Wappen des oben genannten Abtes befand sich am ehemaligen Pfarrwiddumstadel. Als im Jahre 1912 der Widdum-Bauernhof vom Fünfstetter Raiffeisenverein angekauft wurde, entfernte man das Wappen aus der Stadelmauer und fügte es am ehemaligen Schloß - jetzt Kloster -–in eine Wandnische ein. Diese Ansicht zeigt das Schloss in einer Aufnahme von 1825. Von der Anlage her gesehen war also nichts Wesentliches verändert, als das Anwesen eine Niederlassung von Maria Stern wurde.
Der Bau des eigentlichen Schlosses - der rechte Seitenflügel – war im Jahre 1817 von der Familie Schönfeld bezogen worden. Baumeister war v. Klenze, Oberbaurat unter König Max I. und Ludwig I. Nach seinem Plan entstanden berühmte Bauten (die Glyptothek, die Propyläen, die Residenz, die Walhalla...)
Beim Einzug der Schwestern war noch schwere Arbeit zu leisten. Besonders der Park und die Nebengebäude trugen die Spuren der „herrenlosen Zeit“. Zugleich aber war es doch eine große Befriedigung, zu erfahren, daß hier ältere und erholungsbedürftige Schwestern ein wohnliches, zweckmäßiges Heim erhalten können.
Schon im ersten Sommer – 1907 – verbrachten die jungen Lehrerinnen des Mutterhauses ihre Ferien in Fünfstetten. Langsam gestaltete sich das Haus zu einer echten klösterlichen Niederlassung. Im ehemaligen Tanzsaal des Schlosses wurde die Hauskapelle eingerichtet, die am 03. Dezember 1907 durch H. Pfarrer Inzenhofer ihre Weihe empfing. „In dem nämlichen Saale, in welchem einst ein altes Grafengeschlecht sich bei Scherz und Spiel vergnügten“, - betonte der Geistliche in seiner Ansprache – „zieht nun der König der Glorie ein, um hier zu wohnen von Geschlecht zu Geschlecht. Deshalb möge das Herz überströmen in Freude und Dank...“
Im nächsten Jahr wurde an einer geeigneten Stelle im Park eine Lourdes-Grotte errichtet und ebenfalls von Pfarrer Inzenhofer unter Beteiligung der Gemeinde eingeweiht. Der Ortsgeistliche war eifrig bestrebt, die Schwestern der neuen Niederlassung auch seelsorglich zu betreuen.
Beim Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 wurden die drei ersten Klassen der klösterlichen Lehrerinnenbildungsanstalt mit einem Teil des Lehrpersonals nach Fünfstetten ausquartiert; die Kandidaturräume des Mutterhauses mußten nämlich für ein Kriegslazarett zur Verfügung gestellt werden. Pfarrer Inzenhofer war nun auch gerne bereit, den Religionsunterricht dieser Mädchenklassen zu übernehmen und den jungen Mädchen auch außerschulische geistliche Führung zukommen zu lassen. Als er im Jahre 1925 auf seine Pfarrei resignierte, nahm er Wohnung im Kloster und verbrachte dort seine letzten Lebensjahre.
Es war und ist bis heute eine echte Sorge der Vorgesetzten, daß die Schwestern auch in ihrem Alter nicht ohne geis|lichen Beistand sind; ein solcher war im Fünfstetter Heim auch immer gewährleistet. Zeitweilig war es der Ortsgeistliche - wie eben Pf. Inzenhofer und auch sein Nachfolger Josef Krämer. (Früher hatte die Pfarrei meist auch noch einen Kaplan). Später, bei wachsendem Priestermangel, wurde es immer schwieriger, einen Hausgeistlichen für ein solches Heim zu finden Doch schließlich waren immer wieder Priester im Ruhestand bereit, seelsorgliche Dienste im Fünfstetter Haus wahrzunehmen. Auch Kapuziner-Patres von Wemding halfen bisweilen, Zwischenzeiten zu überbrücken. In jüngster Zeit sind es wieder die Geistlichen der Pfarrei (Pfarrer und Kaplan), die auch in der Hauskapelle des Schwesternheimes Gottesdienste feiern und Sakramente spenden.
Der Konvent in Fünfstetten vergrößerte sich nach den ersten Anfängen ziemlich rasch. Schon kurze Zeit nach der Gründung der Filiale Fünfstetten zählte der Konvent – laut Chronik - 19 Schwestern.
Neben Schwestern, die nicht mehr aktiv sein konnten, waren ja auch viele Kräfte nötig für den großen Garten und zu verschiedenen Arbeiten in der Landwirtschaft, selbst wenn dafür in der Hauptsache weltliches Personal eingestellt wurde. Es waren immerhin 12 Tagw. Wiesen –
12 Tagw. Ackerland – 6 Tagw. Garten und Park zu bearbeiten und zu pflegen und im Stall standen 6 Kühe, auch Schweine und Kleintiere gab es. Über all die Aufbauarbeiten sowie über die Betriebsführung der ersten Jahre gibt es leider kaum Aufzeichnungen, was allerdings für die damalige Zeit keine Ausnahme darstellt. Erwähnt wird nur der Einbau der Zentralheizung –für ein solches Schloßgebäude im Jahre 1910 - sicher bemerkenwert. Für die Wasserleitung gab es eine günstige Situation: Im Jahre 1908 wurde in der Gemeinde Fünfstetten das Leitungsnetz gelegt und das Kloster konnte problemlos angeschlossen werden.
Die landwirtschaftlichen Gebäude wurden im Laufe der Zeit oftmals ausgebessert und zweckmäßig umgestaltet, erneuert und auch teilweise neu erbaut. Die Landwirtschaft genoß von Anfang an das „Wohlwollen“ des Mutterhauses und wurde von den zuständigen Schwestern sorgfältig überwacht und durch sachkundige Angestellte gut geführt; so konnte sie immer auf angemessenem Stand bleiben.
Als Ferienheim wurde das Haus mit dem weitläufigen Park immer beliebter. Ebenso waren die jährlichen Exerzitien, zu denen Fünfstetten bis heute regelmäßig einlädt, von Anfang an gut besucht.
Das Kloster war auch bald in der Gemeinde integriert. Pfarrer Inzenhofer, der schon gleich zu Beginn auf gute gegenseitige Beziehung bedacht war, und auch für die Bedürfnisse seiner Pfarrangehörigen einen sicheren Blick hatte, hätte längst gern eine ambulante Krankenschwester für Fünfstetten gewünscht. Nun sah er die Möglichkeit, daß von der Stern-Filiale aus die Kranken ambulant betreut werden könnten. Er gründete einen entsprechenden Trägerverein und bat im Mutterhaus um eine fachlich ausgebildete Schwester. Dem wohlwollenden Pfarrer, dem das Kloster so viel Dank schuldete, wollte man dort gern entgegenkommen. Bis 1967 wurde nun dieser Kranken-Dienst vom Kloster her ausgeübt.
Auch für eine Kinderbewahranstalt hatte der Ortsgeistliche schon Pläne. Aber die Dorfbewohner waren dafür nicht besonders aufgeschlossen; sie sahen sich nicht in der Lage, ein eigenes Gebäude für diesen Zweck zu erstellen. Der Nachfolger Inzenhofers, Pfr. Krämer, hätte ebenfalls gern einen klösterlichen Kindergarten in seiner Pfarrei gehabt. Im Januar 1931 schrieb er diesbezüglich ins Mutterhaus : „Erlaube mir, bei Ehrwürden Frau Generaloberin aufs neue anzufragen, ob uns das Mutterhaus eine Kinderlehrerin zur Verfügung stellen könnte, wenn ich das Problem der hiesigen Kinderschule wieder neu in Angriff nehme und vielleicht in dieser Phase den Fünfstettenern doch mundgerecht machen kann...“Wegen der notwendigen Räume hatte er schon vorausgeplant: Auf der kleinen Anhöhe schräg gegenüber dem Schloß war im Jahre 1817 eine kleine Villa, der sog.Pavillon, als Sommeraufenthalt der gräflichen Familie Montperny erbaut, dann aber von dessen Schwiegervater, dem Grafen Friedrich v. Otting/ Fünfstetten, übernommen worden. Die Villa wurde später weiterverkauft und gehörte um diese Zeit einem Ehepaar, das bereit gewesen wäre, den Pavillon zu vermieten, damit dort der klösterliche Kindergarten hätte eingerichtet werden können. Damit brechen aber die Berichte über die Gründung eines Kindergartens ab. Nicht einmal eine Antwort auf den Vorstoß von Pf. Krämer ist abgelegt.
Es brach ja nun bald die Zeit des Dritten Reiches an, in der klösterliche Erzieherinnen ohnehin kaum noch zugelassen und später sogar entlassen wurden. In Fünfstetten richtete man während dieser Ära imGasthaus „zur Sonne“ einen NSV-Kindergarten ein, der vermutlich gegen Ende des Krieges wieder aufgelöst wurde.
Um diese Zeit richtete aber die Stadt Augsburg ihr Augenmerk auf das Fünfstetter Kloster: Es sollte als Ausweichstelle des Servatius – Stiftes - Augsburg verwendet werden. Dieses mußte nämlich für die Aufnahme einer Abteilung des Städtischen Krankenhauses freigemacht werden, das als „äußerst luftgefährdet“ eingestuft worden war. Die Zimmer imII. und III. Stock wurden größtenteils dafür beschlagnahmt. Die Vertreter der Stadt waren aber auf faire Verhandlungen bedacht;
am 20. März 1943 kam ein entsprechender Vertrag zustande. Sogleich wurden 24 Heiminsassen, eine Pflegeschwester und eine Hausgehilfin des Servatius-Stiftes umgesiedelt. Die Schwestern des Hauses mußten – gegen Bezahlung – für Verköstigung, Wäsche und Wohnung Sorge tragen.
Auch nach Kriegsende konnten diese Verhältnisse nicht einfach beendet werden. Das Servatius-Stift war nämlich von der Besatzungsmacht beschlagnahmt und als Ausländerkrankenhaus weiterhin seinem Zweck entfremdet worden. Als die IRO, die für diesen Personenkreis zuständig war, aufgelöst wurde, diente es als amerikanisches Feldlazarett.
Erst im Dezember 1952 erhielt die Stiftungsverwaltung ihr Altenheim zurück und die Heimbewohner konnten am 01. Februar 1953 nach Augsburg umsiedeln. Fast zehn Jahre lang hatte man die Wohnung und gewiß noch vieles andere mit diesen „Gästen“ geteilt. Dies wurde aber – wie es natürlich auch zeitbedingt war – so selbstverständlich hingenommen, daß außer notwendigen sachlichen Maßnahmen kaum etwas schriftlich darüber festgehalten wurde. Am Schluß allerdings wird von der Stadtverwaltung ein „verbindlicher Dank“ ausgesprochen für die „bereitwillige Überlassung der beanspruchten Räume und für die so liebevolle Betreuung der Insassen“.
Gleich nach Kriegsende nahm Herr Dekan Krämer wegen eines Kindergartens wieder Verhandlungen mit dem Kloster auf.
Im Sommer 1945 schickte dann die Klosterleitung eine Kindergärtnerin nach Fünfstetten. Vom Kloster war aber vorgesehen, wie es in anderen ländlichen Gemeinden damals noch üblich war, die Einrichtung im Winter zu schließen.
Dekan Krämer wollte diese Maßnahme aber nicht akzeptieren und setzte sich vehement dafür ein, daß der Kindergarten das ganze Jahr geöffnet wurde; so wollte man es dann auch halten. Doch im Herbst `47 mußte der Gasthausraum, der wieder als Kindergarten hatte dienen müssen, für Vertriebene zur Verfügung gestellt werden; so war das Thema „Kindergarten“ vorläufig beendet. Pfarrer Krämer ging einige Jahre später in den Ruhestand, so nahm niemand mehr die Sache in die Hand.
Viele Familien im Ort hätten nun aber großes Interesse an einem Kindergarten gehabt und trugen ihren Wunsch privat an das Kloster heran. So entschloß sich die Klosterleitung im Jahre1954 - im Klostergebäude selber - einen eingruppigen Kindergarten in eigener Trägerschaft einzurichten.
Man ging nämlich in diesem Jahr daran, eine umfassende Renovierung vorzunehmen und auch eine Schwestern-Krankenabteilung im Haus auszubauen. Im Zuge dieser Maßnahme wurde der große linke Flügel des Schlosses neu eingeteilt; dort befanden sich neben der Wohnung des Hausgeistlichen auch Gastzimmer. Der an den mittleren Teil mit dem Haupteingang angrenzende Stadel wurde abgerissen und ein Neubau erstellt. Im ersten Stock desselben entstand eine sachgemäß angelegte und gut eingerichtete Krankenabteilung – nach Süden mit einer breiten Glasveranda versehen. Im Erdgeschoss dieses Gebäudeteils konnten nun auch die nötigen Räumlichkeitenfür einen Kindergarten geschaffen werden. Mit seinen Arkaden bot er ein besonders freundliches Bild; davor wurde ein gefälliger Spielplatz angelegt. (14) Allerdings sollte der Spielraum vorläufig fürNähkurse frei gehalten werden, die man im Winterhalbjahr anbieten wollte. Das bischöfl. Ordinariat Eichstätt gewährte durch Vermittlung des Ortspfarrers ein vorerst zinsloses Darlehen. Trotzdem war es eine kostspielige Angelegenheit für das Kloster, in dieser kargen Zeit alles Notwendige für eine solche Einrichtung zu beschaffen. Bürgermeister und Dorfbewohner zeigten sich wirklich dankbar, als 1955 der Kindergarten im Kloster eröffnet werden konnte.
Doch diese eine Gruppe war bald überbelegt. Allerdings gab es damals noch kein Kindergarten-Gesetz und die Richtlinien ließen sich in dieser Sache flexibel handhaben. Die räumliche Enge blieb jedoch immer ein gewisses Hindernis für freie, moderne Kindergartenarbeit. Es war auch hart, daß viele Kinder abgewiesen werden mußten. Trotzdem gab es noch lange keine neue Möglichkeit.
Erst im Jahre 1969 sah sich das Kloster in der Lage, einen zweigruppigen Kindergarten in Fertigbauweise zu erstellen. Somit war das Raumproblem gelöst; auch für Ausstattung und Materialien wurde großzügig investiert. Dieser vom Kloster Maria Stern geführte Kindergarten machte zwar wenig Aufhebens von sich, doch wurde dort solide, kontinuierliche Erziehungsarbeit geleistet – wie „Ehemalige“, Eltern und Kinder, gerne wissen lassen und auch amtliche Berichte belegen.
Daß in den neunziger Jahren keine Schwestern mehr für diesen Dienst zur Verfügung standen, wurde im Mutterhaus sachlich gesehen und über eine Lösung beraten. So gab man im Jahre1993 die Trägerschaft an die kath. Kirchenstiftung Fünfstetten ab, kündigte (aus Gesundheitsgründen) die klösterliche Leiterin und vermietete das Gebäude an den neuen Träger. Längst hatte sich aber gezeigt, daß der damals rasch errichtete Fertigbau „ausgedient“ hatte. Schon in den nächsten Jahren entstand in Fünfstetten ein zweckmäßiger, gefälliger Neubau, der1996 bezogen werden konnte.
Mit dem Auszug des Kindergartens gab es vom Fünfstetter Kloster her keine Tätigkeit mehr nach außen hin.
Wie schon erwähnt – war die letzte ambulante Krankenschwester 1967 aus dem Dienst ausgeschieden.
Im Jahre 1937 hatte eine Lehrerin, die in der Schule nicht mehr tätig sein durfte, den Organistendienst in der Pfarrkirche Fünfstetten übernommen, der später von einer anderen Schwester weitergeführt wurde, die auch den Kirchenchor leitete und Kindern im Dorf privaten Musikunterricht erteilte. Auch für diese Schwester fand sich keine Nachfolgerin mehr im Kloster, als sie 1980 aus Alters- und Gesundheitsgründen diese Aufgabe abgebe mußte.
Die Landwirtschaft als klostereigenes Unternehmen blieb viele Jahrzehnte ein wichtiger Bereich im Fünfstetter Anwesen. Die landwirtschaftlichen Gebäude, die nach Bedarf schon öfter zweckmäßig umgestaltet worden waren, reichten nicht mehr aus, wurde doch schon in den fünfziger Jahren viel Neues auf diesem Gebiet angeboten. So ließ die Klosterleitung im Jahr1953 Stall und Scheune neu erbauen.
Diesen Ökonomiegebäuden fügte sich ein Jahr später dann der Bauteil an, in dem der Kindergarten und die Krankenstation eingerichtet wurden.
Der Stall erwies sich aber in seiner Lage und Anlage aus verschiedenen Gründen als nicht günstig. Außerdem konnte man sich weiteren Neuerungen nicht verschließen, sollte der landwirtschaftliche Betrieb rentabel bleiben. Für eine „altmodische“ Landwirtschaft hätte sich um diese Zeit auch kein Angestellter mehr gefunden, der den Betrieb sachkundig geleitet hätte; auf einen solchen konnte man aber nicht verzichten, auch wenn einige Schwestern in der Landwirtschaft mit tätig waren.
Als immer mehr ältere und kränkliche Schwestern (nahezu 60!) sich im „Schloß“ niederließen (das eigentliche Schloßgebäude eignet sich allerdings nicht als Schwesternwohnung), machte sich spürbarer Platzmangel bemerkbar; auch eine besser eingerichtete Küche, eine größere Kapelle und manch notwendige Nebenräume fehlten. Nun mußte man großzügig für einen Neubau planen. Um einen günstigen Standort zu gewinnen, sollten der Gebäudeteil mit Kindergarten und Krankenstation sowie Stall und Scheune weichen. Es war keine leichte Entscheidung für die Klosterleitung, abzubrechen, was noch nicht einmal 20 Jahre zuvor aufgebaut worden war. Doch mit Blick auf die Zukunft ging man um 1970 daran - der Kindergarten war inzwischen schon an einem neuen Platz errichtet worden - auchStall und Scheune abzubrechen und an einer anderen Stelle ein modernes, zweckmäßiges Ökonomiegebäude zu erstellen.(17) Dieses konnte noch mehr als 20 Jahre seinem Zweck dienen. Der Betrieb war auch zuverlässig geführt; mit Fleiß und Geschick hatte der Bauernsohn Xaver Hofmann seit 1966 hier gearbeitet. Bis zu seinem frühen Tod - 1992 - sorgte er für das Fünfstetter Anwesen als wäre es sein eigener Hof. Nun war allerdings auch die Lage für kleinere landwirtschaftliche Betriebe immer ungünstiger geworden, so daß viele aufgegeben werden mußten. Dies lag nun auch für die Fünfstetter Ökonomie nahe. So begann man im Jahre1993 sie aufzulösen:
Äcker und Wiesen wurden verpachtet, das Vieh nacheinander verkauft. Trotz aller Vernunftgründe war es doch ein rechter Einschnitt in der Filiale Fünfstetten, auch diesen Tätigkeitszweig abzubrechen. Aber für die älteren Schwestern ist Fünfstetten ein wirkliches „Feierabend-Heim“, das seinen Insassen gefällige Räumlichkeiten, zweckmäßige Einrichtung und vor allem eine Atmosphäre der Geborgenheit bietet und wo optimale Pflege und Betreuung selbstverständlich sind.
Nach dem Abbruch der landwirtschaftlichen Gebäude und eines Schloßflügels war in den Jahren 1973/74 ein stattlicher, moderner und praktisch ausgestatteter Bauteil entstanden, der den Erfordernissen eines
zeitgemäßen Altenheimes Rechnung trägt. Für die Bauzeit hatte man im Dachgeschoß des Querflügels zum Schloß hin Schwesternzimmer eingerichtet. Gegen Ende des Jahres `72 war der notwendige Abbruch durchgeführt und mit dem Neubau begonnen worden.
Im Juli `73 konnte man Richtfest feiern und auf einen gelungenen Bauabschnitt zurückschauen. Die Schwestern erkannten schon, daß sie für alle Mühe und Unruhe, die eine solche Bauzeit mit sich bringt, würden reich entschädigt werden.(20)
Der Bau wurde zügig weitergeführt und erhielt eine solide Innenausstattung.
Mit besonderer Sorgfalt war man darauf bedacht, die nun größer angelegte Kapelle im neuen Gebäudeteil würdig auszugestalten; ein neuer Altar aus Marmor errichtet bildet nun einen schönen Mittelpunkt.
Der Hochw. H. Bischof Brems aus Eichstätt weihte am 27. August 1974 Altar, Kapellenraum und den neuen Teil des Hauses.
Der Hochw. Herr fand gute Worte, mit denen er die Schwestern, die hier ihren letzten Lebensabschnitt verbringen, ermunterte, sich nicht darüber zu grämen, daß sie mit der heutigen Leistungs –gesellschaft nicht mehr Schritt halten können, sondern zu glauben, daß „die Passio, das Erleiden und Ertragen und das Beten eine Macht, eine große und unentbehrliche Leistung ist; es ist etwas Großes, das sie hier tun.“
„Für die Anliegen der Kirche und der Menschen zu beten“, bezeichneten die Schwestern selber als ihre Hauptaufgabe, als sie ihre Filiale zum Provinzkapitel `95 darstellten. Daß dies keine leeren Worthülsen sind, erfährt, wer eine Zeit lang im Hause mitlebt oder auch nur zu Besuch dort weilt.
Als der Neubau bezogen wurde, zählte der Fünfstetter Konvent nahezu 50 Schwestern. Dazu gab es noch Plätze für „Urlaubs-Schwestern“. Obwohl die Zahlen – wie in anderen Altenheimen auch – flexibel sind, ist festzustellen, daß auch die Zahl der älteren Schwestern sich nun verringert, kamen doch schon ab der Zeit des III. Reiches weniger junge Leute ins Kloster als früher.
Trotzdem sangen die Fünfstetter Schwestern bei einer Faschingsfeier unbeschwert: „...Denn hier – das ist doch klar – kommt Nachwuchs Jahr für Jahr.
Das ist nicht wie im Mutterhaus: in der Nachwuchs-Sache sind wir da voraus..“
Feiern werden in den klösterlichen Altenheimen meist mit Eifer und Liebe gestaltet. Auch die Fünfstetter Schwestern stehen in dieser Sache nicht nach.
Runde Geburtstage und besonders Profeßjubiläen werden gebührend gefeiert und das Festmehl wird meist durch heitere Einlagen aufgelockert. Ein solcher Höhepunkt war das wohl seltene Fest des 100. Geburtstages von Sr. M. Expedita Müller, am 30. September 1992. Es ist wirklich bemerkenswert, wie „offen“ sich das Fünfstetter Haus an diesem Tage zeigte und nicht in Verlegenheit kam, als Gratulanten in großer Zahl, darunter auch „hohe Gäste“ (Landrat, Bürgermeister...) eintrafen. Die Jubilarin konnte selber froh und unbeschwert von ihrem Leben erzählen. Das Fünfstetter Heim zeigt sich auch sonst keineswegs abgeschieden.
In den Jahren 1976 – 1986 etwa hat es sich sogar einen ganz ansehnlichen Bekanntheitsgrad erworben durch die Heilbehandlungen vonSr. Athalie Walser.KL(F. 1977!) Diese hatte eine besondere Gabe für heilpraktische Behandlungen. Bald hatte sich dies in weitem Umkreis herumgesprochen und Leute mit verschiedensten gesundheitlichen Beschwerden baten um ihre Hilfe. Sr. Athalie war mit Eifer darauf bedacht, ihr Können für das Wohl anderer einzusetzen. So lange es ihr gesundheitlich möglich war, widmete sie sich dieser Heiltätigkeit.
Manche der älteren Schwestern wollen ihr Geschick für Handarbeiten auch im Alter nicht einfach brach liege lassen, sondern versuchen, mit gefälligen selbst hergestellten Dingen, jemanden eine Freude zu machen oder sie für die Missionsstationen in Brasilien auf irgend eine Weise nutzbar zu machen. Zusammen mit dem Frauenbund der Pfarrei gab es auch schon eine kunstfertige Missionsausstellung im Kloster Fünfstetten.
Allerdings sind in den letzten Jahren solche Aktivitäten eher seltener geworden, denn die meisten Schwestern kommen erst in recht hohem Alter oder mit größeren gesundheitlichen Problemen ins Altenheim.
Ein Beispiel für die Aufgeschlossenheit, die die „Fünfstetter“ immer wie der an den Tag legen, ist auch der gesellige Nachmittag, bei dem der Frauenverband des Roten Kreuzes – Donauwörth - zu Gast im Kloster war und die Schwestern mit heiteren Szenen für Unterhaltung sorgten.
Eine interessante, wenn auch keineswegs scherzhafte Aktion war eine Feuerwehr-Großübung im Jahre 1991, bei der der „Klosterbrand“ als Testfall angenommen wurde und besonders die Rettung bettlägriger Personen geübt werden sollte. 170 Einsatzhelfer von freiwilligen Vereinen der Umgebung waren daran beteiligt. „Die Mitarbeit und Kooperations- bereitschaft der Schwestern“ wurde hinterher eigens betont und Sr. Oberin erhielt zum Dank einen Feuerwehrhelm.
Auch historisch interessierte Personen und Denkmalbeauftragte warfen ab und zu schon einen Blick auf die Fünfstetter Schloßanlage – wie der Artikel aus der Reihe „Burgen, Schlösser und Ruinen“ aus der Donauwörther Zeitung belegt. Auch für ein Forschungsvorhaben „zur Erfassung denkmalwerter historischer Privatgärten und Privatparks in Bayern“ wurde man auf Fünfstetten aufmerksam.
Die Schwestern selber fühlen sich zwar nicht als „Schloßbewohner“, doch wissen sie die weite Grünanlage ums Haus zu schätzen und nach Möglichkeit zu nutzen. Sie lassen es sich viel Mühe und Fleiß kosten, Gemüse- und Blumenanlagen mit Umsicht und Sorgfalt zu pflegen und sind darauf auch sichtlich stolz. Obwohl die Schwestern jetzt keine Tätigkeit mehr „nach außen hin“ ausüben, sind sie doch dem Ort und den Leuten verbunden und sind gerne bereit, Sorgen und Anliegen derselben in ihr Beten mit hereinzunehmen.
Bei einem Rückblick auf die Oberinnen der Fünfstetter Filiale ist wohl bemerkenswert, daß Sr. M. Rogeria Kolb – Oberin seit Beginn 1907 ihr Amt inne hatte bis zu ihrem 80. Lebensjahr 1954.
Ihre Nachfolgerinen: Sr. M. Godeharda Lechner von 1954 – 1964
Sr. M. Floriana Steppich von 1964 – 1976
Sr. M. Melitina Leckert von 1976 – 1987
Sr. M. Seraphine Zrenner von 1987 - 1993
Sr. M. Editha Schreier von 1993 - 2003
Sr. M Ambrosia Wiser von 2003 - 2006
Sr. M. Agnes Löfflad seit 2006
Eine würdige Grabanlage wurde für die Schwestern geschaffen, die von hier aus in die Ewigkeit abberufen worden sind oder in späteren Jahren hier sterben werden.
Es verdient wohl der Erwähnung, der erste Begräbnisplatz der Sternschwestern im Fünfstetter Friedhof derjenige war, den der Marquis von Montperny für seine Eltern und seine Familie ausgesucht hatte. An eine Stiftung, die er der Gemeinde Fünfstetten zum Schulhausbau zugewendet hatte, war die Bedingung geknüpft, im Dorffriedhof diesen Platz als Begräbnisstätte für seine Familie zu bekommen.
Zur Zeit leben 19 Schwestern im Kloster zu Fünfstetten.
Sonntag und Feiertage
7.15 Uhr Kloster: Konventmesse
9.00 Uhr Pfarrkirche Fünfstetten: Hl. Messe
9.00 Uhr Pfarrkirche Sulzdorf: Hl. Messe
10.15 Uhr Gunzenheim: Hl. Messe
Samstag
18.30 Uhr Pfarrkirche Fünfstetten: Vorabendmesse
Samstag 18.00 Uhr