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Aus der Predigt von Bischof Hanke zum Jahresabschluss 2014

Neuausrichtung der Pastoral

Liebe Schwestern und Brüder, die Anzahl der Christen, ob evangelisch oder katholisch, nimmt in unserer Gesellschaft zahlenmäßig ab. Damit aber die christliche Prägekraft Stärkung erfährt, ist für die zukünftige Gestalt der katholischen Kirche unseres Landes Vorsorge zu treffen, sowohl auf pfarrlicher und diözesaner Ebene als auch landesweit. Die Minderheitensituation soll uns nicht ermüden. Dazu brauchen wir Räume lebendiger Glaubenserfahrung und Glaubensgemeinschaft. Wollen wir gemäß dem Aufruf von Papst Franziskus mit all unseren Kräften evangelisierende Gemeinde und Kirche sein, werden wir das Erbe an Strukturen, Institutionen, Personalbedarf und Gebäuden in diesem Umfang nicht
fortführen können. Auch in unserem Bistum gilt es, dem kirchlichen Leben kommender Jahre jetzt schon den Weg zu bereiten. Auf der pfarrlich-lokalen Ebene regen sich verständliche Ängste, kirchlich gewachsene Strukturen und Liebgewordenes zu verlieren. Diese Ängste gilt es ernst zu nehmen. Doch wenn es oft heißt, „Lasst doch die Kirche im Dorf!“, so müssen wir ehrlicherweise zurückfragen: „Ist denn die Kirche noch im Dorf? Oder steht dort nur noch das Gebäude ohne die lebendige Kirche?“ Was allerdings heute lebendig ist und auch morgen lebendig sein kann, das gilt es in der Tat zu stützen und zu bewahren.

Kirche im gesellschaftlichen Wandel

Es ist notwendig geworden, über die Neuausrichtung der Pastoral und eine entsprechende Verteilung der Ressourcen nachzudenken, weil wir bereits inmitten eines Wandels der Glaubenspraxis und damit mitten in einem Transformationsprozesses der Sozialgestalt der Kirche stehen. Die Augen vor der sich verändernden Situation zu verschließen und zu erwarten, alles müsse bleiben wie früher, verkennt die Realität, die doch in unseren Pfarreien bereits deutlich ablesbar ist: Die Mitfeiernden in den Gottesdiensten kommen mehrheitlich aus der älteren Generation. Das lässt aber im Umkehrschluss erwarten, dass die Zahl der Gottesdienstteilnehmer auch in Zukunft weiter zurückgeht.
Für eine Pfarrei hat dies neben den geistlichen auch materielle Folgen: Es wird schwieriger, die Gotteshäuser zu unterhalten. In unserer differenziert gewordenen Gesellschaft gestaltet es sich zunehmend mühseliger, Gläubige für ein ehrenamtliches Engagement in Pfarrei, Gremien und Verbänden zu motivieren. Hinzu kommt eine innere und äußere Distanz nicht weniger Getaufter und Gefirmter zum pfarrlichen Leben und zu einer den Alltag prägenden Beziehung mit Christus. Die Entscheidung für Taufe, Erstkommunion und Firmung geht nicht mehr unbedingt einher mit der Bereitschaft, die Beziehung mit Christus und die Gemeinschaft mit der Kirche zu vertiefen. Mitunter überwiegt der Wunsch nach einer rituellen Begleitung eines familiären Festes. Hier verschieben sich Verhältnisse und Erwartungen. Die Kirche wird als Dienstleister bei konkreten Lebensanlässen verstanden. Außerhalb solcher familiärer Festzeiten scheint vielfach kein Bedarf zu bestehen, den Kontakt mit der Gemeinschaft der Glaubenden zu pflegen.

Geistliche Aufbrüche

Trotz all dieser Erscheinungen besteht für uns kein Grund zu verzagen, denn der Herr selbst sitzt im Boot der Kirche. Sein Ruf „Fürchtet euch nicht“, gilt immer noch. Wie damals seine verschwindend kleine Jüngerschar, so sendet er uns heute aus: „Fahrt hinaus, werft euere Netze aus!“ Aber wohin sollen wir gehen? Welche Richtung sollen wir nehmen? Bei genauem Hinsehen ist zu erkennen, dass immer wieder kleine und größere geistliche Saatkörner aufbrechen, die den einzuschlagenden Weg andeuten. Ich will nur kursorisch auf einige hinweisen. Wir haben in Regensburg einen Katholikentag mit einer geistlichen Ausrichtung erlebt, die viele Verantwortliche positiv überrascht hat. Foren, die sich dem Austausch von Glaubens- und Lebenserfahrungen widmeten, waren gefragt, ebenso gemeinsame liturgische Feiern in meditativer Gestaltung. Auch in unserem Bistum brechen immer wieder solch kleine Saatkörner abseits des großen Flutlichts auf. Aus dem Bereich der Jugend will ich einiges erwähnen. Junge Erwachsene finden sich regelmäßig zu Lobpreis und Begegnung zusammen. In verschiedenen Städten wurde Nightfever als kleine Schule zum Stillwerden und zur Anbetung angeboten. Ich konnte feststellen, wie sich in den Jugendverbänden das Verlangen nach geistlicher Nahrung und Begleitung regt. Da unterstützt man sich gegenseitig auf dem Weg durch selbst erstellte Impulse. Unser diözesaner BDKJ bietet Schulungen zur geistlich-menschlichen Qualifizierung an, damit junge Christen miteinander Weggemeinschaften bilden können. Jugendgruppen planen gemeinsame soziale Aktionen, weil sie helfen wollen und die Gemeinschaft miteinander suchen. Deutet man das Aufbrechen solcher Saatkörner, dann scheint es, dass unsere Pastoral der Zukunft der Gemeinschaftsbildung dienen sollte. Die Neuordnung der Pastoral darf sich nicht in erster Linie als Flurbereinigung oder Gebietsreform verstehen. Sie soll zur Ermöglichung der Gemeinschaft im Glauben führen, die in der Feier der Liturgie und in gelebter Solidarität verankert ist.

Kirche ist Gemeinschaft Jesu

Es ist eine Grundwahrheit christlicher Jüngerschaft, dass ich nicht aus mir selbst und in einem abgesonderten Leben zum Jüngersein befähigt werde, sondern im Angesicht des Du. Jesus berief seine ersten Jünger einzeln oder zu zweit, führte sie dann aber der Gemeinschaft der anderen zu. In der Gemeinschaft miteinander und um den Herrn reiften sie in der Jüngerschaft, wurden Christus ähnlich.
Wir brauchen eine Pastoral der Gemeinschaftsbildung nach Art der Jüngerschule Jesu, wir brauchen pastorale Räume und Orte, an denen communio gefördert wird. Gewiss hat man den gemeinschaftsstiftenden Pfingstgeist zu erbitten, aber wir müssen selbst das Unsrige tun, indem wir uns in die Jüngerschule Jesu, auf den Weg seiner Menschwerdung begeben. Es gilt die Angebote, die im Bistum dafür bereits gemacht werden, noch mehr zu ergreifen und auszuweiten. Die größeren pastoralen Räume der Zukunft sollen getragen werden von kleinen Gemeinschaften vor Ort, von Hauskirchen und geistlichen Zellen, verknüpft durch die Eucharistie, die Angelpunkt unserer pastoralen Planungen sein muss. Bereits Paulus wusste darum, dass Gruppendynamik obsiegt, wo in der Gemeinde das rechte Verständnis für die Eucharistie abhanden kommt. Communio aus der Eucharistiefeier, aus der Feier der Sakramente und aus dem Wort Gottes macht uns stark für die dienende Liebe und für das Zeugnis in der Welt und lässt uns vieles in der Welt als Geschenk an uns, an die Kirche erfahren.



Termine

17. März 2018 09.30 Uhr
Aufbruch- u. Entdeckertag
Veranstalter: Bischöfliches Ordinariat Eichstätt, Pastorale Entwicklung

Kontakt

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