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Wenn Eltern ein Kind verlieren: Buch über Seelsorge nach Fehl- und Totgeburt

Eichstätt, 19.10.2012. (pde) - Wenn Eltern ein Kind während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verlieren, brauchen sie verständnisvolle Annahme. Oberflächlicher Trost, Bagatellisieren oder die Strategie schnellen Vergessens werden einer solchen Situation nicht gerecht. Das Bewusstsein ist gewachsen, eine Tot- oder Fehlgeburt als Trauerfall anzusehen. Die Bereitschaft hat zugenommen, die Trauer der Betroffenen zuzulassen. Mit der Herausforderung, Menschen mit einer solch einschneidenden Erfahrung in der Seelsorge, in den Kliniken und Praxen, den Gemeinden und Gemeinschaften zu begegnen, befasst sich das Buch "Sie schauen das Antlitz Gottes".

Menschen, die um ein Kind trauern, hätten einen berechtigten Anspruch darauf, dass Christen ihnen ein Zeugnis der Hoffnung geben, so Bischof Gregor Maria Hanke bei der Präsentation des Buches. Jeder einzelne Gläubige sei gefordert und solle sich gerufen wissen, Menschen, die vom Tod eines Kindes betroffen sind, Zuspruch und Trost aus dem Glauben zu schenken.

Zentrales Anliegen der verschiedenen Beiträge des Buches ist es, herkömmliche Sichtweisen, Handlungsweisen und Unsicherheiten abzustreifen, die – so die Herausgeberin Teresa Loichen – "zum Teil zu menschenunwürdigen Umgangsweisen geführt und Verletzungen bei den Eltern hinterlassen haben". Verschiedene Perspektiven tragen dazu bei, dem Anliegen einer ganzheitlichen Seelsorge nach Fehl- und Totgeburt gerecht zu werden.

Direkt konfrontiert im Alltag sind Ärzte, Hebammen, Pflegekräfte, Seelsorger und Sozialdienste. Aber auch die Bestatter und Trauerbegleiter, Arbeitskollegen, Familie, Freunde und Bekannte im Lebensumfeld und in der Gemeinde sind als Begleiter und Mittragende gefordert. Wird Trauer unterdrückt und nicht aufgearbeitet, kann es zu seelischen, psychischen oder physischen Folgeerscheinungen kommen.

Der Glaube kann betroffenen, aber auch den begleitenden Personen Wegweisung geben, so Teresa Loichen: "Das Ja Gottes zum Menschen und der damit verbundene Trost der Eltern, ihr Kind bei Gott zu wissen, hilft den Betroffenen, das Kind loszulassen und sich um sich selbst, ihren Schmerz und um ihre Familie und Beziehungen, letztlich um die Entfaltung einer neuen Lebensperspektive zu kümmern."

Die Überzeugung, dass fehl- und totgeborene Kinder bei Gott sind, ist der zentrale Ausgangspunkt, von dem aus sich die Seelsorge für trauernde Eltern neu definiert. Notwendig seien eine Trauerkultur und eine Trauerbegleitung, die Zuwendung, Hoffnung und Zuversicht in sich birgt. Dabei greifen Erkenntnisse der Psychologie, der Trauerarbeit, der Theologie und Seelsorge ineinander und ergänzen sich. Ganz in diesem Sinne kommen in dem Buch eine betroffene Mutter, Ärzte, Hebammen, Theologen und weitere Fachleute zu Wort.

Teresa Loichen (Hg.): Sie schauen das Antlitz Gottes: Seelsorge nach Fehl- und Totgeburt. Friedrich Pustet Verlag, Regensburg, 2012, 176 Seiten, Preis 16,95 Euro, ISBN 978-3-7917-2460-7.


Für eine Kultur des Lebens: Vespergottesdienst mit Bischof Hanke am ersten Adventssonntag

Eichstätt, 17.11.2011. (pde) – Mit einer Vesper in der Eichstätter Kapuzinerkirche wird Bischof Gregor Maria Hanke am ersten Adventssonntag das besondere Anliegen "für eine Kultur des Lebens" aufgreifen. Der Gottesdienst mit Predigt und eucharistischer Anbetung am 27. November beginnt um 17 Uhr. Papst Benedikt XVI. hatte im vergangenen Jahr aufgerufen, zu Beginn der Adventszeit die Sorge um das Leben und besonders das ungeborene Leben im Gebet vor Gott zu tragen.

Eine Kultur des Lebens zeichne sich durch die Achtung der Menschenwürde, den Respekt vor dem ungeborenen menschlichen Leben sowie gegenseitige Zuwendung und Hilfestellung aus, so Teresa Loichen, Referentin für Netzwerk Leben im Bistum Eichstätt. Das Engagement für den Lebensschutz dürfe sich niemals verengen auf das ungeborene Kind, sondern habe stets das Leben von Mutter, Vater und Kind im Blick.

Weltweites Kerzenleuchten am 11. Dezember

Aller verstorbenen Kinder wird beim weltweiten Kerzenleuchten am Sonntag, 11. Dezember, um 19 Uhr gedacht. In den USA hatte dieses weltweite Lichterband seinen Beginn, als trauernde Eltern den Impuls zum Einstellen einer Kerze ins Fenster zum Gedenken an die verstorbenen Kinder gaben. Alle, nicht nur trauernde Eltern und Angehörige, sind eingeladen, sich an diesem Zeichen der Anteilnahme und des Lebens zu beteiligen.

Ein Video zu diesem Thema ist unter "www.bistum-eichstaett.de/video" verfügbar.


Trauernische für Eltern nach Kindsverlust in der Schutzengelkirche eröffnet

Trauernische
Trauernische in der Schutzengelkirche

Eichstätt, 24.10.2011. (pde) – In der Schutzengelkirche gibt es ab sofort eine Trauernische für Eltern, die ein Kind verloren haben. Dazu fand eine ökumenische Andacht statt. In einer Seitenkapelle am Marienaltar finden Eltern und Angehörige jetzt einen Raum für ihre Trauer und eine Rückzugsmöglichkeit. Initiator ist das Netzwerk Leben im Bistum Eichstätt, außerdem wird die Initiative von Bischof Gregor Maria Hanke unterstützt.

In die Seitenkapelle wurden während der Andacht eine Decke, eine Kerze, eine Bibel, eine Broschüre mit Informationen für Hilfesuchende, sowie ein Büchlein in Sternform, in das man Briefe an sein verlorenes Kind schreiben kann, gelegt. Die Trauernische steht allen Menschen offen, die einen Ort für ihre Trauer suchen.

Zelebranten waren Subregens Thomas Stübinger und Pfarrer Sieghart Schneider von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Eichstätt. Begleitet wurde die Andacht an der Orgel von Rudolf Pscherer und an der Querflöte von Ann Kristina Pscherer.

K1-Hörfunkbeitrag: Im Gedenken an das verlorene Kind: Die Trauernische für Eltern in Eichstätt


Warnung vor einem Weg zum Designermenschen: PID-Fachgespräch mit Bischof Gregor Maria Hanke

PID-Fachgespräch mit Bischof Gregor Maria Hanke
Vor dem Fachgespräch besuchte Bischof Gregor Maria Hanke die Regens-Wagner-Behinderteneinrichtung Zell bei bei Hilpoltstein (Foto: KiZ)
PID-Fachgespräch mit Bischof Gregor Maria Hanke
PID-Fachgespräch (v.l.): PD Dr. Giovanni de Gregorio, Prof. Dr. Walter Schweidler, Schwester Gerda Friedel, Bischof Gregor Maria Hanke, Michael Heberling (Moderation), stv. Diözesanratsvorsitzende Marlies Müller, Diözesanratsvorsitzender Christian Gärtner (Foto: KiZ)

Eichstätt/Hilpoltstein, 10.3.2011. (pde) - "Zeigen dass Menschsein in jeder Form ein Geschenk ist": das ist nach Auffassung von Bischof Gregor Maria Hanke die große Aufgabe des Christen in einer Zeit, in der Lebensschutz ständig vermindert wird. Bei einem Fachgespräch zum Thema Präimplantationsdiagnostik (PID) in der Regens-Wagner-Behinderteneinrichtung Zell bei Hilpoltstein warnte der Eichstätter Bischof vor einer Freigabe der PID. Damit würde ein Flächenbrand entstehen bis hin zur Frage: Wie gehen wir mit behindertem Leben, wie gehen wir mit schwächer werdendem Leben um. Sollte sich die Politik für die Öffnung zur PID entscheiden, werde ein Weg hin zum "Designermenschsein" beschritten.  Die gesellschaftliche Konzeption von Leben, von Gesundheit, das gesamte Lebensgefühl würde einschneidend verändert. "Wir spielen hier mit einem Feuer, das am Ende nicht zu löschen sein wird". Es sei verständlich, dass sich Eltern nach einem gesunden Kind sehnen, aber man dürfe diese Sehnsucht nicht höher stellen als den Lebensschutz und die Würde des Lebens.

Prof. Walter Schweidler, Lehrstuhlinhaber für Philosophie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, verwies in seinen Ausführungen auf eine Spaltung in der Gesellschaft bei fundamentalen Fragen von Leben und Lebenssinn. Es gebe eine Kontroverse zwischen einem Nützlichkeitsdenken in Bezug auf das menschliche Leben und einer Sicht des Lebens als an sich wertvoll. Die eine Seite sehe Leben nur als gut, wenn es nützlich sei; menschliches Leben werde nur aus seinem Nutzwert heraus respektiert. Die andere Seite definiere Leben in jeder Form als etwas an sich Gutes. Grundlage des modernen Rechtsstaates sei die Position, Leben um seiner selbst willen zu schützen. Das Prinzip der Menschenwürde besage, dass kein Mensch darüber urteilen dürfe, ob das Leben anderer lebenswert sei oder nicht. "Wenn Christen diese Position verteidigen, erinnern sie den Rechtsstaat an seine eigene Legitimationsbasis".

Der Gynäkologe Dr. Giovanni de Gregorio erläuterte den Hintergrund der Diskussion über Präimplantationsdiagnostik: Die Reproduktionsmedizin fordere hohen Einsatz und finanziellen Aufwand, aus dem heraus auch entsprechende Ansprüche auf ein gesundes Kind formuliert würden. Zudem sei aus diesem Bereich der Medizin eine eigene Industrie mit weltweit Milliardenumsätzen entstanden, die ihre Interessen vertrete.

An dem Fachgespräch nahmen Vertreter aus Politik und Diözesanrat, vor allem aber Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus sozialen Einrichtungen und Beratungsdiensten sowie Vertreter verschiedener Behindertengruppen und -interessenvertretungen teil. Vor allem Beraterinnen und Betroffene forderten bei dem Gespräch dazu auf, nicht zu übersehen, welchen Preis eine Familie, eine Mutter zahle, wenn sie ein behindertes Kind annimmt. Deshalb genüge es bei allem Einsatz für den Lebensschutz nicht, nein zur PID zu sagen, sondern man müsse auch Unterstützungsmöglichkeiten für Familien mit behinderten Kindern ausbauen. Bischof Hanke unterstützte diese Aussage: Sich für den Lebensschutz zu engagieren, sei eine Aufgabe für alle Christen, denn aus christlicher Sicht sei gerade auch das schwach erscheinende Leben wertvoll.

Vor dem Fachgespräch hatte Schwester Gerda Friedel, die Leiterin von Regens Wagner Zell, eine Gruppe mit dem Bischof von Eichstätt und Vertretern der Caritas und des Diözesanrates durch die Einrichtung geführt.

Video | K1-Hörfunkbeitrag


Internationale Tagung zur Theologie von Papst Johannes Paul II. in Eichstätt


Eichstätt, 10.03.2011. (pde) – Referenten aus drei Kontinenten werden bei einer internationalen Tagung vom 13. bis 15. Mai in Eichstätt erwartet, die sich unmittelbar nach der Seligsprechung von Johannes Paul II. mit dessen "Theologie des Leibes" befasst. Als Vertreter des Vatikan wird Bischof Jean Laffitte, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Familie, an der Konferenz teilnehmen.

Unter dem Thema "Liebe, Leib und Leidenschaft" werden die Referenten in Vorträgen, Diskussionsrunden, Workshops und Filmpräsentationen in die Gedanken Johannes Paul II. zu Fragen von Partnerschaft, Ehe und Sexualität einführen. Dabei werden die theologischen Grundlagen ergänzt durch Erfahrungen aus der medizinischen, seelsorglichen und erzieherischen Praxis. Damit antwortet die Tagung auf die zunehmende Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen in der Gesellschaft, die sich in hohen Scheidungsraten, zerrütteten Familien und abnehmender Bindungsbereitschaft zeigt, - so in der Einladung.

Die "Theologie des Leibes" von Johannes Paul II.  entstand aus seiner langjährigen Begleitung von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Ehepaaren. In den 133 Katechesen der Mittwochsaudienzen, die der Papst zwischen 1979 und 1984 hielt, geht er von Texten der Heiligen Schrift aus und beschreibt das Wesen des Menschen und die Bedeutung seiner Körperlichkeit, die in der Weiblichkeit und der Männlichkeit ihren Ausdruck findet. Am 1. Mai wird Johannes Paul II. in Rom selig gesprochen.

Zu den Referenten der Tagung in Eichstätt gehören neben Bischof Laffitte auch die Herausgeber der Mittwochskatechesen in deutscher Sprache, Renate und Prof. Norbert Martin aus Vallendar, die beide auch Mitglieder des Päpstlichen Rates für die Familie sind. Auch der Herausgeber in englischer Sprache, Prof. Michael Waldstein von der Ave Maria University in Florida/USA wird anwesend sein, ferner Prof. Stephan Kampowski, Lehrstuhlinhaber für philosophische Anthropologie am Päpstlichen Institut "Johannes Paul II." für Ehe und Familie in Rom. Weitere Referenten kommen aus Uganda, Österreich, Spanien und Deutschland.

Nähere Informationen zu Referenten, Veranstaltern und Programm der Tagung sowie Anmeldung unter "www.theologie-des-leibes.de".


Folgen nach Schwangerschaftsabbruch in den Blick nehmen - Bundesarbeitsgemeinschaft gegründet

Eichstätt. (pde) - Die Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen für alle Beteiligten möchte eine Bundesarbeitsgemeinschaft in den Blick nehmen, die am Samstag in Eichstätt gegründet wurde. Fachvertreter aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Beratung, Recht und Theologie haben sich zusammengefunden, um die Erkrankungsrisiken und Folgen in die Öffentlichkeit zu tragen und bestehende Denkverbote aufzugreifen und zu bearbeiten. Im Besonderen soll der wissenschaftliche Dialog gefördert werden. Ein dritter Zielpunkt der Bundesarbeitsgemeinschaft ist zudem der humanitäre Aspekt durch die konkrete Vermittlung von betroffenen Personen und Fachstellen.

Angesiedelt ist die Arbeitsgemeinschaft mit ihrer Bundesgeschäftsstelle im Referat Netzwerk Leben des Bischöflichen Ordinariates Eichstätt. Die Referentin für Netzwerk Leben und Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft, Teresa Loichen wurde zur kommissarischen Sprecherin der Arbeitsgruppe gewählt. Sie betonte, dass die Gruppe offen für den Dialog, orientiert an der Sache und nicht konfessionell gebunden sei. Ein in der bioethischen Debatte zu lange vernachlässigter Aspekt müsse weiter aufgegriffen werden. Es bestehen bereits vielfältige Anknüpfungspunkte in der Fachpraxis sowie bei internationalen Beziehungen aus dem Kreis der neu gebildeten Arbeitsgemeinschaft. Dazu gehören Initiativen zur ethischen Reflexion von Gewissensfragen im biomedizinischen Bereich, insbesondere in Frankreich, so in der Diözese Bayonne und im Rahmen verschiedener Arbeitsgruppen in Paris, wie auch im südosteuropäischen Bereich.  

Die Grüße des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke überbrachte Generalvikar Isidor Vollnhals. Er sagte der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft im Auftrag des Bischofs die Unterstützung durch die Bistumsleitung zu. Das zeigt sich einerseits durch die Ansiedlung der Geschäftsstelle im Bischöflichen Ordinariat, andererseits aber auch durch die Unterstützung inhaltlicher Art: So solle die Bundesarbeitsgemeinschaft theoretisch und wissenschaftlich fundiert in Politik und Gesellschaft hineinwirken.

Bundesarbeitsgemeinschaft Folgen nach Schwangerschaftsabbruch
Fachvertreter aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Beratung und Seelsorge, Theologie, Philosophie, Politik und Recht gründeten in Eichstätt die "Bundesarbeitsgemeinschaft Folgen nach Schwangerschaftsabbruch". Von links nach rechts: Dr. Angelika Pokropp-Hippen (Münster), Reinhard Klein (Pforzheim), Generalvikar Isidor Vollnhals (Eichstätt), Dr. Susanne Mann (Hamburg), Rainer Beckmann (Würzburg), Teresa Loichen (Eichstätt, Geschäftsführerin und kommissarische Sprecherin), Prof. Dr. Walter Schweidler (Eichstätt), Prof. Dr. Otto Hornstein (Erlangen). Nicht auf dem Foto: Dorothee Erlbruch (Pforzheim) und Dr. Detlev Katzwinkel (Langenfeld).


Bei der Trauerbegleitung mit dem Herzen denken - Fachtagung in Eichstätt befasste sich mit frühem Kindstod

Eichstätt. (pde) – Wenn ein Kind stirbt, bedeutet das vor allem für die Eltern eine Erfahrung, die sie ihr Leben lang prägt. Eltern, die ihr ungeborenes Kind verlieren oder schon bei der Geburt Abschied nehmen müssen, sehen sich einer Situation ausgesetzt, die kaum vorstellbar oder nachfühlbar ist. Eine Fachtagung, die im Kontext der Ausstellung "… sie schauen das Antlitz Gottes" am 23. und 24. Oktober in Eichstätt stattfand, befasste sich mit der Thematik "Früher Kindstod". Die interdisziplinäre Fachtagung ermöglichte die grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Thematik aus Sicht der Medizin und Geburtshilfe, Psychologie und Seelsorge.

Wenn ein Baby stirbt, das die Familie kaum kennen lernen konnte, ist das Trauern unendlich schwer. "Es gibt kaum gemeinsame Erlebnisse oder Erinnerungen mit dem verstorbenen Kind und die Umwelt reagiert aus Unwissenheit oder Angst vielfach mit Unverständnis", schilderte Heike Giering vom Bayerischen Hebammen-Landesverband. Umso wichtiger sei es, Müttern und Vätern von stillgeborenen Kindern umfassende Unterstützung zukommen zu lassen. Zuhören, da sein und trösten sind gefragt – Floskeln wie "Vergiss es" oder "Schau in die Zukunft" sind nicht hilfreich, so der Eichstätter Allgemeinarzt Dr. Sigurd Eisenkeil. Der frühe Tod eines Kindes werfe die Eltern und besonders die Mütter in Einsamkeit, Verzweiflung und Hilflosigkeit, oft mit belastenden Folgen für Partnerschaft und Familie.

Der erste Kontakt mit den Betroffenen stellt Ärzte, Hebammen und Klinikpersonal vor besondere Anforderungen. Wenn im Rahmen einer Schwangerschaftsuntersuchung eine schwere, nicht behandelbare Erkrankung des ungeborenen Kindes diagnostiziert werde, dann habe der klinische Vorteil der vorgeburtlichen Untersuchung auch die Konsequenz, dass der Arzt bei schwerwiegenden Schwangerschaftskonflikten gefordert ist, so Prof. Dr. Josef Wisser von der Klinik für Geburtshilfe in Zürich. Zu dieser Betreuung gehört auch die Begleitung von Eltern beim Tod des Kindes vor oder bei der Geburt. Wisser plädierte in seinem Referat dafür, professionelle Trauerarbeit in der Klinik zu institutionalisieren. Ein Beispiel nannte die Hebamme Heike Giering: "Bei uns im Kreißsaal fertigen die betreuenden Hebammen von jedem stillgeborenen Baby ein Foto und eine Andenkenkarte mit dem Fußabdruck an und geben es in einen Briefumschlag, damit sich die Betroffenen es auch später noch ansehen können."

Der Umgang mit dem frühen Kindstod hat sich in den zurückliegenden zwanzig Jahren geändert: Während das Ereignis früher verschwiegen und verdrängt wurde, gebe es mittlerweile ein Bewusstsein dafür, dass die Trauer um das tote Kind ihren Raum brauche. Statt Verdrängung seien Möglichkeiten der mentalen und gegenständlichen Erinnerungen gefragt, so Prof. Dr. Reiner Sörries vom Museum für Sepulkralkultur, Kassel. Hilfreich sei auch, dem Kind einen Namen zu geben und vor allem die Möglichkeit einer Bestattung den Betroffenen gegenüber zu kommunizieren. Eine öffentliche Begräbnisstätte schaffe nicht nur einen gemeinsamen Trauerort für Betroffene, unabhängig vom Alter des Kindes, sondern fördere auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Lebens- und Trauerkultur, die dem Menschen gerecht wird.

Doch statt gerade in dieser Situation "mit dem Herzen zu denken", sei ein technisch-nüchternes Abhandeln der Situation häufig an der Tagesordnung. Ziel sollte aber sein, den Menschen wieder in den Blick zu nehmen und adäquat in den existenzbedrohenden Situationen, in denen Leid erlebt wird, konkrete Hilfe und Seelsorge anzubieten. Selbsthilfegruppen können dazu einen wertvollen Beitrag leisten.

Für die Seelsorge sei es zunächst oft eine wichtige Aufgabe, Frauen zu helfen, die unter Schuldgefühlen litten, ihnen die Chance zu eröffnen, versöhnt Abschied zu nehmen, so der Regensburger Theologe Dr. Wolfgang Holzschuh. Wichtig sei es, Orte und Zeichen der Trauer und des Abschiedes zu bieten: Klinikseelsorge und Pfarrei sollten hier kooperieren. Den Weg zur Trauerbewältigung zu eröffnen sei in den Riten und Texten der Kirche intendiert, so der Liturgie-Wissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Bärsch von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Kirchliches Handeln müsse von der Begleitung betroffener Eltern über das Gebet und den Segen für das Kind zur Feier des Begräbnisses und Möglichkeiten des Totengedächtnisses reichen und damit auf "Gottes größere Möglichkeiten" und seinen Heilswillen verweisen. Die Liturgie und die Riten der Kirche bieten einen reichen Schatz an Hilfe und Begleitung.

Der Weg "zurück zum Leben" nach vorgeburtlichem Kindsverlust sei für Eltern leichter, wenn ein Transzendenzbezug hergestellt werden könne, unterstrich die Ärztin und Psychotherapeutin Dr. med. Angelika Pokropp-Hippen aus Münster. Der Glaube, dass das Kind bei Gott geborgen ist, sei eine große Hilfe zur Bewältigung dieser Situation. Besonders schwierig sei die Trauerarbeit allerdings, wenn der Tod des Kindes durch Abtreibung herbeigeführt worden sei. 70 Prozent der Frauen litten anhaltend unter den psychischen, physischen und sozialen Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs. Angelika Pokropp-Hippen betonte: Betroffene benötigten professionelle Hilfe und Menschen, die fähig sind, mit den Traumata "mit Achtsamkeit" umzugehen.

Einen besonderen Einblick in die Thematik Fehl- und Totgeburt bietet die Ausstellung "… sie schauen das Antlitz Gottes – Seelsorge nach Totgeburt", die bis 30. November im Domschatz- und Diözesanmuseum Eichstätt gezeigt wird. Neben geschichtlichen und (kirchen-)rechtlichen Aspekten wird die Umgangs-, Bestattungs- und Trauerkultur aufgezeigt sowie in einem Medien- und Infobereich weiterführendes Material angeboten. Die Sonderausstellung ist während den normalen Öffnungszeiten des Museums zugänglich: Mittwoch bis Freitag 10.30 bis 17.00 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertag 10.00 bis 17.00 Uhr. Montag und Dienstag sind geschlossen. Sonderöffnungen sind nach Vereinbarung allerdings jederzeit möglich. Weitere Informationen unter "www.seelsorge-nach-totgeburt.de".

Über die Fachtagung berichtet auch der Bayerische Rundfunk (2. Hörfunkprogramm) am 10. November um 18.05 Uhr. In der Reihe "IQ – Wissenschaft und Forschung" geht es um "Trauer im Kreißsaal – Wie Eltern nach einer Fehl- oder Totgeburt aufgefangen werden können".


"Ein verdrängtes Thema ins Wort gebracht"
Ausstellung über Seelsorge nach Totgeburt eröffnet

Eichstätt. (pde) – Mit einer Vernissage im Domschatz- und Diözesanmuseum Eichstätt ist die Ausstellung "...sie schauen das Antlitz Gottes - Seelsorge nach Totgeburt" eröffnet worden. Sie befasst sich mit der Situation von Müttern und Vätern, die ihr Kind während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verloren haben.

Mit der Ausstellung werde ein in der Gesellschaft verdrängtes Thema ins Wort gebracht, sagte Bischof Gregor Maria Hanke bei der Eröffnung. "Wir brauchen Anstöße für die wachere Wahrnehmung der Probleme betroffener Eltern". Notwendig seien aber auch Anstöße, "um Zeugnis geben zu können vom Gott des Lebens, der die Toten in seinen Händen hält und auch den noch nicht Geborenen sein unverbrüchliches Ja zuspricht". Tod und Trauerarbeit werden in der Gesellschaft mehr und mehr zurückgedrängt auf den Kreis der unmittelbar Betroffenen, stellte der Bischof in seinem Grußwort fest. Erst recht herrsche bei der Totgeburt eines Kindes Einsamkeit vor, die das Ereignis des Todes noch drastisch zuspitze: "Totgeburt legt den Eltern neben dem schweren Schicksal, die Realität des Todes erfahren zu müssen, auch das Kreuz der Einsamkeit auf". Die Ausstellung solle nachdenklich stimmen, wach machen und Solidarität fördern, so der Bischof von Eichstätt.

Die Ausstellung verweist auf die oft verschwiegene Not betroffener Eltern, von denen viele ohne professionelle Hilfe nicht diese Situation bewältigen könnten, so Hansjörg Kreuzer vom Förderkreis Netzwerk Leben. Ziel sei es zu ermutigen, dieses Thema nicht länger zu tabuisieren und allen Betroffenen und Beteiligten die notwendigen Informationen zu vermitteln. So erhalten Fachdienste aus Medizin, Geburtshilfe, Psychologie und Seelsorge ebenso wie Bestatter, Pfarrgemeinden und Selbsthilfegruppen bislang wenig bekannte Einblicke in die Situation und das Umfeld. Dabei werden Themen aufgegriffen wie kirchliches Recht  und staatliches Recht, die klinische Praxis in der Betreuung und Unterstützung von Betroffenen sowie Fragen einer würdigen Bestattung. Besonderes Gewicht haben die Fragen der Trauerbegleitung der Eltern oder auch Geschwister.

Begleitet wird die Ausstellung von einer Reihe von Veranstaltungen, unter anderem einer interdisziplinären Fachtagung für Medizin und Geburtshilfe, Psychologie und Seelsorge am 23./24. Oktober. Im Dom wurde ein Ort der Stille und des Gebetes vor einem Seitenaltar eingerichtet. Er bietet Gelegenheit, "das Gespräch mit Gott zu suchen, der Klage und Trauer diskret Raum zu geben und Trost zu finden."

Die Ausstellung wurde vom Netzwerk Leben im Bistum Eichstätt und dem Domschatz- und Diözesanmuseum gestaltet  und läuft bis 30. November. Das Museum ist Mittwoch bis Freitag von 10.30 bis 17.00 Uhr und an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Termine für geführte Ausstellungsbesuche, Fortbildungseinheiten für Fachdienste, Berufsgruppen, Schulen und Interessierte können telefonisch vereinbart werden. Für Pfarrgemeinderäte, Kirchen- und Friedhofsverwaltungen werden gesonderte Führungen angeboten, unter anderem mit dem besonderen Schwerpunkt Errichtung und Umgestaltung von Kindergräbern.

Weitere Informationen unter "www.seelsorge-nach-totgeburt.de". Kontakt zu den Veranstaltern: Netzwerk Leben im Bistum Eichstätt, Tel. 08421/50615, E-Mail: netzwerk-leben@bistum-eichstaett.de, und Domschatz– und Diözesanmuseum, Tel. 08421/50266, E-Mail: diözesanmuseum@bistum-eichstaett.de.


Seelsorge nach Fehl- und Totgeburt
Sonderausstellung im Diözesanmuseum Eichstätt und Fachtagung

Eichstätt. (pde) – Mit dem frühen Verlust von Kindern durch Fehl- und Totgeburt befasst sich eine Sonderausstellung, die vom 25. September bis 30. November im Eichstätter Domschatz- und Diözesanmuseum gezeigt wird. Sie trägt den Titel "…sie schauen das Antlitz Gottes – Seelsorge nach Totgeburt". Dokumente, Objekte und beschriebene Riten geben Aufschluss, wie früher und heute mit den Totgeborenen und deren Müttern umgegangen wurde bzw. wird. Begleitet wird die Ausstellung von einem "Ort der Stille und des Gebetes" an einem eigens dafür eingerichteten Seitenaltar im Dom, sowie einer interdisziplinären Fachtagung im Oktober.

Die Sonderausstellung thematisiert die Fassungslosigkeit und Trauer von Müttern und Vätern, die ihr Kind während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verloren haben. Sie geht der Frage nach, wie diesem Schmerz und den Betroffenen begegnet werden könne. Der Blick soll sich einerseits auf die Betroffenen richten, andererseits aber Einblicke in die begleitenden Fachdienste aus Medizin, Geburtshilfe, Psychologie und Seelsorge geben. Auch die Arbeit von Bestattern, Pfarrgemeinden und Selbsthilfegruppen in den meist tabuisierten Vorgängen und Situationen wird in den Blick genommen. Schließlich werden noch Aspekte der Trauer- und Bestattungskultur, aber auch praxisnahe Hilfen in konkreten Situationen aufgezeigt. 

Veranstalter sind das Eichstätter Diözesanmuseum in Zusammenarbeit mit dem Referat "Netzwerk Leben" im Bischöflichen Ordinariat. Diese bieten auch nach Vereinbarung geführte Ausstellungsbesuche, Fortbildungseinheiten für Fachdienste, Berufsgruppen, Schulen und Interessierte an. Für Pfarrgemeinderäte, Kirchen- und Friedhofsverwaltungen werden gesonderte Führungen mit dem Schwerpunkt Errichtung und Umgestaltung von Kindergräbern angeboten.

Die Sonderausstellung ist während den normalen Öffnungszeiten des Museums zugänglich: Mittwoch bis Freitag 10.30 bis 17.00 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertag 10.00 bis 17.00 Uhr. Montag und Dienstag sind geschlossen. Sonderöffnungen sind nach Vereinbarung allerdings jederzeit möglich.

Begleitend zur Ausstellung findet unter dem Titel "Früher Kindstod - eine interdisziplinäre Fachtagung für Medizin und Geburtshilfe, Psychologie und Seelsorge" vom 23. bis 24. Oktober an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt statt. Ziel der Tagung ist es, Räume für eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Geschehen zu öffnen sowie konkrete Zugänge und Hilfen zu thematisieren. So besteht neben den Fachvorträgen und Diskussionen die Gelegenheit, sich bei Unterbrechungen und einer abendlichen Runde mit den Referenten und weiteren kompetenten Fachkräften interdisziplinär und praxisbezogen auszutauschen.

Die Themen der Tagung reichen von der "Begegnung mit dem Ungeborenen heute" (Prof. Dr. med. Josef Wisser, Klinik für Geburtshilfe Universitätsspital Zürich) über "Stillgeborene Kinder im Kreißsaal" (Heike Giering, Bayerischer Hebammen Landesverband) und "Seelsorgliche Hilfen für Eltern, die ihr Kind am Anfang seines Lebens verlieren" (Dr. theol. Wolfgang Holzschuh, Bistum Regensburg) bis hin zu "Nischen für Trauernde im Lebensraum Friedhof" (Prof. Dr. theol. Reiner Sörries, Museum für Sepulkralkultur Kassel). Ferner thematisiert Prof. Dr. theol. Jürgen Bärsch (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) "Gebet und Gottesdienst angesichts von Fehl- und Totgeburt", Dr. med. Sigurd Eisenkeil (Allgemeinarzt, Eichstätt) spricht über "Nachsorge in hausärztlicher Praxis" und die Ärztin und Psychotherapeutin Dr. med. Angelika Pokropp-Hippen aus Münster referiert über "Trauerbewältigung nach vorgeburtlichem Kindsverlust".

Für die Teilnahme an der gesamten Tagung werden von der Bayerischen Landesärztekammer Fortbildungspunkte vergeben. Die Fachtagung ist für weitere Berufsgruppen als Fortbildung anerkannt.

Nähere Informationen und Anmeldung: Bischöfliches Ordinariat Eichstätt, Netzwerk Leben, Luitpoldstraße 2, 85072 Eichstätt, Tel. (08421) 50-615, Fax (08421) 50-609, E-Mail: netzwerk-leben@bistum-eichstaett.de, www.seelsorge-nach-totgeburt.de.


Warum wird man krank?
Gesundheit und Krankheit aus medizinischer und theologischer Sicht


Eichstätt. (pde) - Einen ungewöhnlichen Einblick in die Thematik "Krank sein - Gesund sein" gaben die Referenten des Vortragsabends, Prof. Dr. Thomas Wertgen und Prof. Dr. Stephan Müller, im Speth’schen Hof in Eichstätt. Grenzüberschreitend waren die Impulse und der Dialog zwischen Medizin und Theologie. So setzte zunächst Prof. Wertgen durch sein Eingangsreferat einen klaren Kontrast zur heutigen eindimensionalen Sicht von Krankheit. Krank sein sei ein mehrdimensionaler Prozess mit biologischen, psychologischen und sozialen Komponenten, der niemals linear verlaufe. Wertgen erteilte damit einer Reparaturmedizin eine klare Absage, die reduktionistisch "Wenn-Dann-Beziehungen" verabsolutiere. Beispielhaft nannte er in diesem Zusammenhang Verhaltensweisen, die ein potentielles Risiko für bestimmte Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen befördern, jedoch nicht linear zu genanntem "Krank-sein" führen. So nannte er es bewundernswert, wie Diabetiker aufgrund eines Richtwertes, der täglich von den Patienten ermittelt werde, eine vollständige Lebensumstellung und -einstellung vollziehen, obwohl ein "Krank-sein" nicht entsprechend empfunden werde. Kritisch hinterfragt wurde in der Diskussion die These, dass Gesellschaften Krankheiten definieren. Wertgen führte dazu verschiedenste Krankheitsdiagnosen aus Spanien und den USA an, die in Deutschland bzw. in den jeweiligen Ländern nicht vorkommen aufgrund von gesellschaftlichen Einsichten bzw. weil es schlicht diese Untersuchungen nicht gibt oder sie nicht für wichtig erachtet werden.

Mit der These, "wo Krankheit sichtbar wird muss viel Gesundes vorhanden sein" gab Wertgen seinem Gesprächspartner Prof. Müller die passende Einleitung zu seinem Referat. Deutlich wurde dabei, wie Medizin und Theologie ineinander greifen. Müller legte an Hand von vier Aspekten dar, was der Mensch im Leben und für sein Leben benötige. Vorangestellt erläuterte er eine der zentralen Fragen im Leben eines Menschen, die Frage nach dem Sinn: Warum gibt es mich, wer bin ich? Die Theologie weise hier auf die Ursehnsucht des Menschen nach Gott. Weit bekannt ist in diesem Zusammenhang der Ausspruch des heiligen Augustinus: "Unruhig ist des Menschen Herz, bis es Ruhe findet in Dir, o Gott". Diese Beheimatung und Verwurzelung schütze auch vor falschen und irreführenden Sinngebungen, die Erfüllungen versprechen, jedoch zu nicht zu füllenden Enttäuschungen führten. Dies sei ein wesentlicher Aspekt der Suchtproblematik. Die weiteren drei Aspekte der Ausführungen Müllers behandelten die Thematiken Beziehung, Arbeit und Freizeit. Herausgehoben wurde neben der Notwendigkeit gelingender Beziehungen auch die Emotion, das Gemüt, das in der heutigen Zeit stark in Vergessenheit geraten sei. Den Abschluss von Müllers Ausführungen bildete schließlich die Bedeutung der Freizeitgestaltung. Nicht das Füllen mit Aktivität, sondern den Reichtum, den die Muße zu bieten hat, gelte es zu entdecken. Gerade die Zweckfreiheit von Muße und das Feiern als Muße zu betrachten, seien wesentliche Elemente der Freizeitgestaltung, die dem Leben und der Gesundheit des Menschen dienen.

Veranstalter des Abends waren der Förderkreis Netzwerk Leben e.V. im Verbund mit Prof. Dr. Thomas Wertgen – Chefarzt der Medizinischen Klinik I der Klinik Eichstätt - und Prof. Dr. Stephan Müller – Lehrstuhl für Moraltheologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Mit dem Dialog von Medizin und Theologie an diesem Abend wurde den Zuhörern die Möglichkeit eröffnet, eigene Grenzen zu überschreiten. Zugleich bezog sich die Veranstaltung auf das Leitwort der diesjährigen Woche für das Leben, in deren Rahmen der Diskussionsabend stattfand: "Gemeinsam mit Grenzen leben".


Menschenwürdiges Sterben aus medizinischer, juristischer und ethischer Perspektive

"Menschenwürdig sterben – aber wie" lautete der Titel einer zweitägigen Tagung an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, die vom Lehrstuhl für Moraltheologie (Prof. Dr. Stephan E. Müller), dem Netzwerk Leben der Diözese Eichstätt (Th. Loichen) und der Juristenvereinigung Leben e. V. (R. Beckmann) veranstaltet wurde. Über 200 Teilnehmer aus der Region, aber auch aus der gesamten Bundesrepublik und sogar aus der Schweiz waren Beleg für das rege Interesse an diesem nach wie vor aktuellen Thema. Die Tagung stand unter dem Anspruch, den an der Fragestellung beteiligten Disziplinen Medizin, Recht und Ethik in einem interdisziplinären Dialog Möglichkeiten zum Austausch zu geben sowie Interessierten einen Einblick in die komplexe Thematik zu ermöglichen durch Vorträge und anschließende Diskussionen.

In einem grundsätzlichen Referat um Thema "Sterben in Würde" führte Rainer Beckmann (Würzburg) die Hörer aus juristischer Sicht in Begriffe und Sachverhalte ein. Er sprach über Folgen und Grenzen der im Grundgesetz verankerten Menschenwürde, die sich nicht nur im Aspekt der Selbstbestimmung erschöpfe. Er kritisierte, dass der Begriff "Sterbehilfe" sowohl auf Tötung, Sterbenlassen sowie Schmerzbehandlung angewandt werde. Hier müsse genauer nachgefragt und auch begrifflich unterschieden werden. Beckmann wies auf die unabsehbaren Gefahren einer Freigabe der Tötung auf Verlangen hin. So wachse u. a. der gesellschaftliche Druck auf Alte und Kranke, wenn sie aufgrund der gesetzlichen Möglichkeit wählen müssten zwischen Weiterleben und Sich-töten-lassen. Was die ärztliche Suizidbeihilfe anbetrifft, so ist diese zwar nach dem Strafgesetzbuch straffrei, aber mit dem traditionellen Ethos der Ärzte nicht vereinbar. Bei der Patientenverfügung – der Beckmann sich in einem eigenen Vortrag noch widmete – stellte er heraus, dass sie in erster Linie dazu diene, einen Behandlungsverzicht als Ausdruck der Patientenautonomie zu erklären, um eine sinnlose Verlängerung des Sterbens zu vermeiden. Eine Patientenverfügung sollte dagegen nicht den Charakter einer Selbsttötungsverfügung annehmen. Abschließend stellte Beckmann fest, dass das geltende Strafrecht keine Liberalisierung benötige, da in der Sache vernünftige Grenzziehungen möglich seien. Stattdessen müssten die Hilfen zum Leben und im Sterben (z. B. Palliativmedizin und Hospizarbeit) gestärkt werden.

Der Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin des Klinikums Ingolstadt, Prof. Gunther Lenz, referierte über Palliativmedizin und Hospizbewegung. Die Angst vor dem Sterben sei immer auch eine Angst vor den würdelosen Umständen des Sterbens, vor Beschwerden und Überlastung. Diesen Ängsten könnten durch Fachwissen, Unterstützung und Vermittlung von Sicherheit entgegengewirkt werden. Dies entspreche auch der Begründerin der Hospizbewegung, Cicely Saunders, die ein ganzheitliches Eingehen auf die Bedürfnisse der Sterbenden und deren Angehöriger gefordert hatte. Dieser ganzheitliche Ansatz habe Frucht getragen, so dass – wenn keine Heilung mehr möglich ist – die Palliativmedizin ins Blickfeld der Medizin gekommen sei. Diese könne die Lebensqualität auch im Falle unheilbarer Krankheit erheblich verbessern durch eine gezielte Linderung schmerzhafter und quälender Symptome. Prof. Lenz stellte anschaulich das Konzept der neugegründeten Palliativstation in Ingolstadt vor, die sich der Schmerztherapie und der Linderung von belastenden Symptomen verschrieben habe mit dem Ziel einer bestmöglichen Lebensqualität für Patienten mit nicht mehr heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankungen und einer beschränkten Lebenserwartung, wie z. B. bei schweren Tumorerkrankungen im fortgeschrittenen Stadium. Denn auch wenn man die Patienten nicht mehr heilen könne, könne man noch viel für sie tun, wie z. B. das Lindern unnötiger Schmerzen oder auch die Ermöglichung von mitmenschlichem Beistand und einfühlender Begleitung für Patienten und deren Angehörige.

Der emeritierte Frankfurter Professor für Philosophie, Jörg Splett, nahm schließlich aus der Sicht der christlichen Philosophie Stellung zum Tötungsverbot und der Bewertung der Sterbehilfe. Sterbehilfe sei ursprünglich eine Lebenshilfe für Sterbende gewesen; die heutige Verwendung des Begriffs habe ihn in sein Gegenteil verkehrt. Ausgehend von dem Gedanken, dass das Leben ein Geschenk sei (das Leben ist heilig, weil es Gottes Gabe ist), zeigte Splett auf, dass der Mensch im Gegensatz zur Tierwelt mit der Freiheit beschenkt sei – "wir dürfen sollen" – und daraus auch seine Würde abzuleiten sei. Diese Freiheit sei aber auch unbedingte Verpflichtung des Menschen zum Gut-Sein. Um dies realisieren zu können, sei die Voraussetzung, dass der Mensch lebe. Was den Suizid anbetrifft, gibt es in der Philosophiegeschichte sowohl eine Bejahung (Stoa) als auch eine Ablehnung (Platon) des Suizids; auch die Philosophie der Gegenwart ist zwiegespalten. Ausgehend von der These des deutschen Fundamentaltheologen und Philosophen Verweyen von der Verpflichtung des Menschen zur unbedingten Solidarität legte Splett dar, dass auch aus dieser Sicht der Suizid abzulehnen sei: "Wenn ich in einer bestimmten Situation sage, ich darf sterben, dann dürfte es jeder in meiner Situation oder er müsste sich rechtfertigen, warum er noch lebt." Man bringe also durch die eigene Selbsttötung den anderen dazu, dass er sich für sein Leben rechtfertigen müsse. Nach Splett sei dies das überzeugendste Argument gegen den Suizid, denn: "Kein Mensch darf in die Lage gebracht werden, sein Leben rechtfertigen zu müssen!"

Den zweiten Tag der Veranstaltung begann Professor Stephan E. Müller, Inhaber des Lehrstuhls für Moraltheologie an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt, mit seinem Vortrag über theologische und ethische Perspektiven zum Assistierten Suizid. Seit den 1970er Jahren sei die Zahl der Suizide zwar gesunken, allerdings sei ein Anstieg der unklaren Todesursachen zu verzeichnen. Nach Ansicht der Suizidforschung stünden dahinter zu einem Teil versteckte Suizide. Bemerkenswert sei bei einem Blick auf die Statistik auch das Ansteigen des Alterssuizids, so steige besonders bei Männern ab 70 Jahren die Suizidrate enorm an. Die Ursachen der Suizidalität liegen immer in einer Mischung aus mehreren Dimensionen: der basalen Ebene (z. B. psychische Krankheit), der personalen (z. B. körperliche Erkrankungen, bedrohliche Ereignisse) und der epiphänomenalen Ebene (z. B. gesellschaftliche Strukturen, Methodenverfügbarkeit). Prof. Müller legte sodann die Stellungnahme des nationalen Ethikrates zum Assistierten Suizid dar, die die Einstellung in der Gesellschaft zu diesem Thema spiegle: eine Gruppe sieht im Suizid einen nicht zu billigenden Widerspruch zum Leben, die andere hält Suizid bei einer unheilbaren Krankheit für ethisch zulässig als Ausdruck der Selbstbestimmung. Müller ging bei seiner Argumentation aus von der suizidalen Verzweiflung, die ein Zeichen der Angewiesenheit und – gerade bei Alten und Kranken – ein Ausdruck der Sehnsucht nach Zuwendung sei und in sofern eine Aufgabe für Mitmenschen darstelle.

Aus der Sicht der christlichen Ethik sei Suizid daher keine Lösung in einer aussichtslosen Lage, sondern der Mensch sei vielmehr auf Hilfe durch Mitmenschen angewiesen. Ihre Aufgabe sei nicht die Bestätigung des Suizidwillens, sondern das Aufzeigen von "Seh-Hilfen" für das Wahrnehmen von Alternativen in der aussichtslos erscheinenden Situation. Auch sei zur "Selbstbestimmtheit" der Suizidentscheidung zu sagen, dass die Einschätzung des eigenen Lebenswerts wesentlich auch von der Beurteilung und Wertschätzung des Mitmenschen abhänge. Schließlich sei auch der gesellschaftliche Druck auf Alte und Kranke zu berücksichtigen, der entstehen könne, wenn Suizid erst einmal legitimiert sei – dies würde einer weiteren Entsolidarisierung in der Gesellschaft Vorschub leisten. In diesem Zusammenhang sei Suizidprävention gefragt, die erfolgreich zu wirken vermöge. Dies zeige das "Nürnberger Bündnis gegen Depression", in dessen Folge die Suizidrate von 2001-2003 in Nürnberg durch gezielte Präventionsmaßnahmen um 25 % gesunken sei. Statt Assistenz zum Suizid sei daher Assistenz zum Leben (und daher auch im Sterben) gefragt sowie ein anderer Umgang mit Schwäche und Endlichkeit in unserer Gesellschaft. Der Lebensbogen des Menschen müsse als Ganzer angenommen werden, wobei die religiöse Deutung zeigt, dass das Lebensende nicht nur Verfall, sondern auch Heimkehr und Verheißung der Ewigkeit sei.

Dr. Rainer Schäfer, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Juliusspital, Würzburg, wies in seinem Vortrag darauf hin, dass es eine Behandlungspflicht des Arztes bis zum letzten Atemzug geben müsse. Wenn keine Heilung mehr möglich sei, seien Linderung und Begleitung durch den Arzt Möglichkeiten der Therapie, somit eine Änderung des Therapieziels von der kurativ zur palliativ ausgerichteten Medizin. Ein "Wir können nichts mehr für Sie tun!" könne folglich nur für den kurativen Aspekt gelten. Ziel sei es, den Wünschen der Patienten nach Autonomie bis zum Ende, der Angst vor Übertherapie und der Forderung von Information und Aufklärung angemessen zu begegnen und auf überflüssige quälende Maßnahmen und "therapeutischen Absolutismus" verzichten zu lernen. Berücksichtigt werden müssten dabei sowohl der Wille des Patienten, die möglichst weitgehende Verbesserung der Lebensqualität und das Abhalten von Schaden vom Patienten. Aufgrund seiner Erfahrungen in der ärztlichen Praxis wies Schäfer auf die Notwendigkeit des Dialogs zwischen Arzt und Patienten, einer kritischen Reflexion im Krankenhausteam sowie der Hilfe durch die klinische Ethikberatung in komplizierten Fällen hin.

Das Abschlussreferat von Rainer Beckmann stand im Zeichen der zur Zeit intensiv diskutierten Patientenverfügung. Diese könne entweder generell als Verzicht auf alle lebenserhaltenden Maßnahmen angelegt sein oder aber den Verzicht auf konkrete Maßnahmen wie z. B. künstliche Ernährung beinhalten. Beckmann wies auf die Notwendigkeit einer guten Aufklärung beim Aufsetzen einer Patientenverfügung hin und stellte dar, dass eine Patientenverfügung der weitaus einfachere Weg für Arzt und Angehörige sei als nach dem "mutmaßlichen Willen" eines nicht mehr mitteilungsfähigen Patienten zu forschen. Nach einer Anwendungsprüfung (Wurde die Patientenverfügung widerrufen? Ist sie eindeutig?) könne diese umgesetzt werden. Weiterhin sei das Einsetzen eines Bevollmächtigten in Gesundheitsangelegenheiten sinnvoll, da ansonsten gerichtlich ein Betreuer bestellt werden müsse. Beckmann benannte aber auch die mit der Patientenverfügung einhergehenden Gefahren wie die Überbetonung der Selbstbestimmung, eine trügerische Sicherheit sowie den sozialen Druck, eine Patientenverfügung zu verfassen. Nicht zuletzt bestehe von Seiten der Politik die Gefahr, die Alternativen zur kurativen Medizin, nämlich Palliativmedizin und das Hospizangebot, zu vernachlässigen. Anschließend stellte Beckmann die beiden bis dahin bekannten Gesetzentwürfe zur Patientenverfügung vor und bewertete beide.

(Report online - Der Newsletter der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt)


Auszeichnungen für Helmut Zöpfl - Vorsitzender des Förderkreises Netzwerk Leben erhält in Moskau Ehrendoktorwürde


Eichstätt, 28.02.2008. (pde) – Der Vorsitzende des Eichstätter Förderkreises Netzwerk Leben, Prof. Dr. Helmut Zöpfl, ist in Moskau mit zwei Auszeichnungen geehrt worden: Von der Staatlichen Landesuniversität Moskau erhielt Zöpfl die Ehrendoktorwürde. Geehrt wurde der 70-Jährige im Fachgebiet Linguistik und Pädagogik "in Anerkennung seiner Kenntnisse der allgemeinen und speziellen Studien und Forschungen", wie es in der Urkunde heißt. Gleichzeitig wurde Zöpfl, der bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität innehatte, zum Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften ernannt.

Für Zöpfl, einen der bekanntesten Literaten Bayerns ("Geh weiter Zeit, bleib steh"), steht der Mensch in seinen zahlreichen wissenschaftlichen Ausführungen im Mittelpunkt. In zahlreichen Veranstaltungen, Fachtagungen und Projekten setzt sich Zöpfl als Vorsitzender des Förderkreises Netzwerk Leben im Bistum Eichstätt für den Schutz des Lebens und der Menschenwürde ein. Zuletzt galt dem auch in Naturwissenschaft promovierten Pädagogen sein besonderes Interesse der Vermittlung von Naturwissenschaft und Glauben. Zöpfl war maßgeblich am Aufbau des pädagogischen Projekts "Schick dein Lächeln auf die Reise" beteiligt, das im vergangenen Jahr mit großem Erfolg an Gunzenhausener Schulen, Kindergärten und an einer Behinderteneinrichtung durchgeführt wurde.

Nach den Worten von Teresa Loichen, der Referentin von "Netzwerk Leben", steht Zöpfl für eine Pädagogik, die in Theologie und Philosophie verwurzelt ist. "Zöpfl wehrt sich gegen ein PISA-Denken, das einseitig auf Wissenserwerb ausgerichtet ist dabei den Menschen aus dem Blick verliert", so Teresa Loichen. "Für ihn steht immer der Mensch in seiner Ganzheit im Mittelpunkt." Diese Haltung wird auch in der Rede deutlich, die Zöpfl bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Moskau gehalten hat. Zöpfl sieht in der zunehmenden Zahl übergewichtiger, depressiver, gewaltbereiter und hyperaktiver Kinder ein deutliches Warnsignal für eine Fehlentwicklung in der Pädagogik. Er plädiert für eine Erziehung zu Verantwortung für sich selbst, seine Umwelt und die Schöpfung. "Es wäre höchste Zeit, dass man sich ganz einfach dem gesunden Menschenverstand und dem Herzen folgend wieder mit Themen befasst, die da heißen könnten: Freundschaft, Freude, Kindseindürfen, Kreativität, Musik, Sport und Spiel."

Netzwerk Leben

 


Ausstellung zeigt Lebensläufe von zwölf klugen Frauen -
Netzwerk Leben präsentiert "Frauenskizzen" - Täglich spirituelle Impulse


Eichstätt, 13.11.2007. (pde) – "Frauenskizzen", unter diesem Motto ist vom 19. bis 25. November in der Johanniskirche in Eichstätt eine Ausstellung zu sehen, die das Netzwerk Leben im Bistum Eichstätt zusammengestellt hat. Anlass ist das Elisabeth-Jahr: Vor 800 Jahren wurde die Heilige in Thüringen geboren. Ebenfalls porträtiert werden unter anderem Clara von Assisi, Mechthild von Magdeburg oder Edith Stein. Vier Frauen – Barbara Bagorski, Schwester Elisabeth Kroher, Teresa Loichen und die Bildhauerin Marilis Kreuzer aus Wittesheim - haben zusammengearbeitet, um die Lebensläufe von zwölf heilig oder selig gesprochenen Frauen darzustellen und ihre Bedeutung für das Heute sichtbar zu machen. "Diese Frauenleben wirken bis in die Gegenwart  hinein", erläutert Teresa Loichen, Referentin für das "Netzwerk Leben".

Wichtig war es den Organisatorinnen, Frauen darzustellen, die die Kirche bewegen, so Teresa Loichen: "Das waren Frauen, die innovativ, emanzipiert und kreativ, intellektuell und philosophisch gewirkt haben und damit ein Vorbild bis heute sind". Teresa Loichen nennt einige Beispiele, etwa die heilige Walburga: Die Schwester Willibalds hat im 8. Jahrhundert ein Männerkloster geleitet. "In der heutigen Zeit wäre das undenkbar." Oder Hedwig von Schlesien, eine Vorkämpferin gegen die Todesstrafe: "Sie hat äußerst klug politisch agiert." Oder Elisabeth von Thüringen: "Ihre Grundsätze der Caritas gelten bis heute."

Um dies auch in der Ausstellung zu thematisieren, werden täglich spirituelle Impulse vermittelt. Sie werden von Dienstag bis Freitag um "5 vor 5", also um 16.55 Uhr und am Samstag und Sonntag um "5 vor 12", also um 11.55 Uhr angeboten. Diese Bildbetrachtungen werden gestaltet von der Äbtissin Franziska Kloos von St. Walburg, Heidi Maier vom Katholischen Deutschen Frauenbund, Claudia Schäble vom Schulreferat der Diözese Eichstätt und anderen.

Die Vernissage zu "Frauenskizzen" findet am Montag, 19. November, um 18 Uhr in der Johanniskirche statt. Die weiteren Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr und Sonntag von 10 bis 16 Uhr.

Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert, sie kann von einzelnen Pfarreien beim Netzwerk Leben angefordert werden. Die Adresse: Luitpoldstraße 2, 85072 Eichstätt, Tel. (08421) 50-617, E-Mail: netzwerk-leben@bistum-eichstaett.de.


Neuwahlen und Bilanz beim Förderkreis "Netzwerk Leben" - Professor Schleißheimer geehrt

 

Eichstätt, 23.10.2007. (pde) - Prof. Dr. Helmut Zöpfl ist als 1. Vorsitzender des Förderkreises Netzwerk Leben im Bistum Eichstätt in sein Amt wiedergewählt worden. Bei der Mitgliederversammlung des Förderkreises wurde auch Peter Nothaft als 2. Vorsitzender in seinem Amt bestätigt, ebenso wie die Vorstandsmitglieder Dorothea Göbl und Klaus Forster. Neu im Vorstand ist Professor Dr. Stephan Müller, Inhaber des Lehrstuhls für Moraltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Vorstandsmitglieder sind kraft Satzung außerdem der Bischöfliche Beauftragte Domkapitular Rainer Brummer und die Diözesanreferentin für das Netzwerk Leben, Teresa Loichen. Der Mitgliederversammlung war ein Gespräch mit Bischof Gregor Maria Hanke vorausgegangen. Dabei wurden Fragen der Bioethik, die Handlungsmöglichkeiten im Rahmen der Woche für das Leben sowie die Förderung diakonischen Handelns als Beitrag zum Lebensschutz erörtert. In der Bilanz der zurückliegenden Arbeitsperiode wurde nochmals auf die gelungenen Projekte der beiden interdisziplinären Tagungen sowie des Kinofilms "Mein kleines Kind" verwiesen. Große Beachtung auch über Fachkreise hinaus fanden sowohl die Fachtagung "60 Jahre nach dem Nürnberger Ärzteprozess – Konsequenzen für Gesundheitspolitik und Gesellschaft" als auch die Konferenz "Unerfüllter Kinderwunsch – Wirklichkeit und Bewertung der assistierten Reproduktionsmedizin".

Besonders ehrte der Förderkreis sein Mitglied Prof. Dr. Bernhard Schleißheimer, der vor kurzem sein 85. Lebensjahr vollendet hat. Prof. Zöpfl würdigte Schleißheimers Einsatz für eine Ethik, "die eine zeitgemäße Antwort auf die alte und immer aktuelle Frage nach dem guten Leben gibt". Nicht das unbedingte Gelingen stehe dabei im Vordergrund, sondern auf das Wollen und das Handeln komme es an. In der Auseinandersetzung mit der griechisch-abendländischen Tradition und mit zeitgenössischen Philosophen habe Schleißheimer besonders in seinem Werk "Ethik heute" ein Konzept entwickelt, das in Zeiten der Postmoderne, der Globalisierung und zunehmender Multikulturalität nicht nur zeitgemäß, sondern dringlicher denn je sei. Für Schleißheimer sei über alle Sprach- und Kulturbarrieren hinweg die Vernunft die einzige verbindende Grundlage der Menschen: "Auch wenn sie heute keine absolut zuverlässige Instanz ist, so ist sie ohne Alternative". Neben der Vernunft basiere Schleißheimers Ethik auf der Freiheit des Menschen und der Verantwortlichkeit der Person. Neue Herausforderungen der Gegenwart etwa gegenüber der Umwelt oder im Gesundheitsbereich erfordern - so habe Schleißheimer immer wieder deutlich gemacht - konkrete Tugenden: Toleranz, Gelassenheit, Mut, Offenheit oder Achtung vor dem Leben.

Bernhard Schleißheimer, Jahrgang 1922, lehrte von 1962 bis zu seiner Emeritierung 1987 an der Hochschule in Eichstätt. Er war Professor für Philosophie, Rektor der Pädagogischen Hochschule Eichstätt (1970 bis 1972) und Vizepräsident der Kirchlichen Gesamthochschule Eichstätt (1977 bis 1979). Für seine Verdienste wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz und dem päpstlichen Silvesterorden ausgezeichnet. In seiner Laudatio verwies Zöpfl auf die herausragenden Arbeitsschwerpunkte von Prof. Schleißheimer: philosophische Grundlagen der Pädagogik, die er ganz konkret in die Gestaltung der Lehrpläne mit einbrachte, und in den letzten Jahren vor allem die intensive Auseinandersetzung mit Fragen der Ethik.


 


 

 

"Ziel ist es, Frieden zu finden und sich auszusöhnen" - Grabstätten für totgeborene Kinder bieten einen Raum, wo Familien trauern dürfen

Eichstätt, 02.04.2007. (pde) – Es soll eine meditative Ecke im Rebdorfer Friedhof werden: Hainbuchenhecken und Bäume mit schirmartigen Blätterwerk schützen vor neugierigen Blicken, Steinquader bieten Platz zum Verweilen. Es gibt keine Grabsteine, keine Kreuze, dafür aber eine Skulptur, an der trauernde Familienangehörige Kuscheltiere und Kerzen abstellen können. Ein Metallgitter können Geschwister mit Bändern, Schleifen und Windrädern schmücken. So sehen sie aus, die Pläne für die Begräbnisstätte für totgeborene Kinder im Eichstätter Stadtteil Rebdorf. Fertig gestellt werden soll das Kindergrab im November 2007.

Eltern und Geschwistern einen Raum zum Trauern geben, das ist das Ziel der Einrichtung, die in der Diözese Eichstätt längst nicht die einzige ist. In Ingolstadt, Neumarkt, Schwabach und Nürnberg etwa gibt es vergleichbare Orte. "Durch Verdrängen staut sich sehr viel mehr auf, als wenn ich mich der Situation stelle. Dazu brauche ich einen Raum. Da sind wir als Kirche gefordert", betont Teresa Loichen, Referentin für das "Netzwerk Leben" in Eichstätt. Bei ihr laufen die Fäden zusammen. Sie gehört zum Arbeitskreis, der das Konzept für das Kindergrab in Eichstätt entworfen hat und koordiniert auch den Arbeitskreis, der sich auf Diözesanebene mit dem sensiblen Thema auseinandersetzt. Dass das Thema die Menschen berührt, weiß die Referentin aus ihrer täglichen Arbeit. "Es ist, wie wenn man in eine Blase sticht", so schildert sie die Reaktionen, die sie hört, sobald das Stichwort "Kindergrab" fällt. "Plötzlich heißt es: Auch wir haben ein Kind verloren." Dass die Gesellschaft darüber so wenig weiß, liegt daran, dass totgeborene Kinder oft wie ein Tabu behandelt werden. "Du kannst ja wieder" oder "Da war ja noch nichts" - das sind Stimmen, die Mütter zu hören bekommen, wenn sie über die tote Leibesfrucht sprechen wollen. Dass da sehr wohl etwas war, wissen die Betroffenen nur allzu gut. "Es gibt Frauen, die 30 Jahre lang verdrängt haben und verdrängen mussten, dass sie ein Kind verloren haben", erzählt Teresa Loichen. "Dann kommt es plötzlich wieder hoch." Frauen nach einer Abtreibung gehe es ganz ähnlich: "Sie merken: Es war kein Zellhaufen. Es war ein Kind."

Dass es in Bayern immer mehr Begräbnisstätten für totgeborene Kinder gibt, liegt nicht nur an der größer werdenden Sensibilität, mit der die Verantwortlichen an das Thema herangehen. Es liegt auch an einer Gesetzesänderung, die verpflichtet, jede Früh- oder Totgeburt zu bestatten. Bisher lag die Grenze bei 500 Gramm. Was darunter war, wurde von den Kliniken entsorgt. Sieht sich die betroffene Familie nicht in der Lage, die Beerdigung zu organisieren, dann führt die Klinik eine würdige Bestattung durch. In Eichstätt wird es so sein, dass dreimal jährlich ökumenische Gemeinschaftsbestattungen stattfinden werden.

Es gibt auch einen weiteren Trend, den Teresa Loichen mit dem Begriff "Rückkehr zu mehr Natürlichkeit" umschreibt. "Die Zeit ist reif für einen Wandel." Als Beispiel nennt sie den Film "Mein kleines Kind." Im vergangenen Jahr zeigte das "Netzwerk Leben" den Film an verschiedenen Orten der Diözese. In dem Streifen bringt die Filmemacherin selbst ein Kind zur Welt, zum Teil führt eine Freundin die Kamera. Die Mutter weiß, dass das Kind nicht lebensfähig sein wird und tatsächlich stirbt es drei Stunden nach der Geburt. Dennoch vermittelt der Film ein Gefühl von Trost, findet Teresa Loichen. "Er ist lebensbejahend." Der Film, der nicht nur in öffentlichen Kinos, sondern auch in Schulen gezeigt wird, erreichte 1600 Interessierte. "Wir haben Unwahrscheinliches erlebt. Es war eine richtige Welle", erzählt Teresa Loichen. Sie beobachtete Frauen, die den Film nur vom Türrahmen aus verfolgen konnten. "Sie waren immer auf dem Sprung rauszugehen. Wie weit konnten sie den Film ertragen?" In solchen Situationen kommen existenzielle Fragen hoch. "Wie lange kann ich schweigen über den Verlust? Wann kann sich die Trauer eine Bahn schlagen?"

Wie wichtig es ist, einen Ort zum Trauern zur Verfügung zu stellen, zeige auch die Resonanz auf den Gottesdienst, der weltweit an jedem zweiten Dezembersonntag, dem internationalen Tag für verstorbene Kinder, gefeiert wird. "Immer mehr Frauen suchen die Gottesdienste auf, weil sie einen Trauerraum brauchen", beobachtet Teresa Loichen. Den Gedanken, dass das Kind bei Gott ist, empfinden die Frauen tröstlich, die häufig unter immensen Schuldgefühlen leiden und bei der zweiten Schwangerschaft sehr ängstlich sind.

Sich dem Thema stellen und lernen, die Gefühle zu verarbeiten, dazu sollen die Kindergrabstätten einen Beitrag leisten. Zugleich versucht das Netzwerk Leben, Selbsthilfegruppen zu begleiten oder Trauertherapien zu vermitteln. Für die Mitarbeiter in den Pfarreien erstellt der diözesane Arbeitskreis derzeit eine Mappe mit Hilfen für die Seelsorge. Den Gedanken an das tote Kind erträglich zu machen, ist dabei die Intention. "Man kann es nicht ungeschehen machen. Ziel ist es, dennoch Frieden zu finden und sich auszusöhnen."

Kontaktadresse: Netzwerk Leben im Bistum Eichstätt, Luitpoldstraße 2, 85072 Eichstätt, Tel. (08421) 50-617, Fax (08421) 50-609, E-Mail: netzwerk-leben@bistum-eichstaett.de.

"Zeitraum" heißt die Skulptur, die der Eichstätter Steinmetz Günter Lang (r.) für die Kindergrabstätte in Rebdorf geschaffen hat. Der Text, der mit den Worten "gesucht, gefunden", beginnt, wird sich auf Steinbänken fortsetzen. Noch steht die Skulptur in seinem Atelier. Teresa Loichen (l.) , Referentin vom "Netzwerk Leben", betont, wie wichtig es ist, der Trauer Raum zu geben. "Durch Verdrängen staut sich sehr viel mehr auf, als wenn ich mich der Situation stelle." Die Kindergrabstätte leiste dazu einen wichtigen Beitrag.

E-Mail: netzwerk-leben@bistum-eichstaett.de


"Unerfüllter Kinderwunsch" - Bioethik-Symposion an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

Eichstätt, 04.04.2007. (pde) - Chancen, Risiken und Nebenwirkungen einer künstlichen Befruchtung bei unerfülltem Kinderwunsch diskutiert ein Symposion am 11. und 12. Mai an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Dabei kommen namhafte Referenten aus den Bereichen Medizin, Gesellschaft, Philosophie und Theologie zu Wort. "Ein Kind auf Umwegen", "Zwischen Liebe und Labor", "Der Mensch als Ware?" - so lauten unter anderem die Themen. Veranstaltet wird die Tagung vom Lehrstuhl für Moraltheologie an der Katholischen Universität, dem "Netzwerk Leben" im Bistum Eichstätt und der Vereinigung "Ärzte für das Leben".

Die Geburt des weltweit ersten Retortenbabys Louise Brown im Jahr 1978 bedeutete einen "Durchbruch" auf dem Gebiet der Fortpflanzungsmedizin. Nicht wenigen bis dahin als unfruchtbar geltenden Paaren konnte seither durch die "Reagenzglasbefruchtung" zu einem eigenen Kind verholfen werden. Heute gehen in Deutschland zirka zwei Prozent aller Geburten auf eine "künstliche Befruchtung" zurück. Nach fast drei Jahrzehnten Anwendung der neuen Methode stellt sich allerdings die Frage ihrer Verantwortbarkeit mit zunehmender Brisanz. Darauf geht die Tagung mit dem Titel "Unerfüllter Kinderwunsch - Wirklichkeit und Bewertung der assistierten Reproduktionsmedizin" ein.

Ausgangspunkt ist das Leiden betroffener Paare an unerfülltem Kinderwunsch. Die Rate der Paare mit Fruchtbarkeitsstörungen, die derzeit bei 1 zu 7 liegt, werde in den nächsten Jahren noch deutlich auf 1 zu 3 ansteigen, prognostizieren europäische Reproduktionsmediziner und warnen in diesem Zusammenhang vor der "Zeitbombe Unfruchtbarkeit". Zunächst gibt Dr. med. Ulrich Noss vom Münchner Zentrum für Reproduktionsmedizin einen Einblick in die Praxis der In-vitro-Fertilisation. Die Publizistin Theresia Maria de Jong lenkt anschließend den Blick auf Risiken und Nebenwirkungen der Methode. Nicht nur die verhältnismäßig geringe Erfolgsrate von 15 Prozent pro Behandlungszyklus, sondern auch die gesundheitlichen Belastungen der Fertilitätspatientinnen seien in der Öffentlichkeit bislang weitgehend tabuisiert. Zum "Nachdenken über das Machen eines Kindes" lädt Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz von der TU Dresden ein.

Eine markante ethisch-theologische Positionsbestimmung liegt seit zwanzig Jahren mit der Instruktion "Donum vitae" der römischen Glaubenskongregation vor, die unter Federführung von Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst, erarbeitet wurde. Mit diesem Schreiben "über die Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben und die Würde der Fortpflanzung" werden sich die Moraltheologen Prof. Dr. Stephan E. Müller, Inhaber des Lehrstuhls in Eichstätt, und Prof. Dr. John Haas, Präsident des "National Catholic Bioethics Center" in Philadelphia (USA) beschäftigen. Abschließend wird der Gynäkologe Prof. Dr. med. Ingolf Schmid-Tannwald, Vorsitzender der "Ärzte für das Leben", aus medizintheoretischer Sicht sein Plädoyer für ein erweitertes wissenschaftliches Modell des Menschen vortragen.

Die Tagung findet statt vom 11. bis 12. Mai im Raum 201 des Kollegiengebäudes der Katholischen Universität, Bau A (Ostenstraße 26 in Eichstätt). Beginn ist Freitag um 14.00 Uhr, voraussichtliches Ende Samstag gegen 13.00 Uhr. Die Teilnehmergebühr beträgt 25 Euro (ermäßigt 10 Euro). Eingeschriebene Studierende sind von der Gebühr befreit. Programm.

 

 

 

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