

Andrea Bittl ist einzige Deutsche im Vorbereitungsteam zum 23. Weltjugendtag in Sydney.
Exklusiv für die KiZ schreibt sie von ihren Erlebnissen in Australien.

Es sind noch 15 Tage bis zum Weltjugendtag. Lange habe ich darauf hingearbeitet und mich auf das Event gefreut. Schon ab Dezember wurden etliche Überstunden geschoben und hart gearbeitet – aber das war nur ein ganz kleiner Vorgeschmack von dem, was ich derzeit in der Endphase der Vorbereitungen miterlebe.
In meinem Verantwortungsbereich geht es jetzt hauptsächlich um die Zuteilung der Pilger, Animationsgruppen und Bischöfe zu den Katechesenorten und Unterkünften. Die Komplexität dieser Aufgabe ist wirklich un-vorstellbar. Wir haben derzeit 248 Katechesenorte mit unterschiedlichen Sprachgruppen und noch viel mehr Bischöfe und Animationsgruppen, die natürlich richtig aufgeteilt und benachrichtigt werden müssen. Ich kämpfe mich von Woche zu Woche durch, sieben Tage die Woche mit durchschnittlich 90 Stunden und doch tauchen immer wieder neue Hindernisse, Probleme und Änderungen auf, die bewältigt werden müssen. Dennoch: Schritt für Schritt werden wir unser Ziel erreichen.

Schon jetzt kann ich ganz überzeugt behaupten, dass meine Mitarbeit im Weltjugendtagsbüro die bis jetzt größte, schwierigste, erfahrungsreichste und auch spannendste Herausforderung in meinem Leben ist. In den letzten neun Monaten konnte ich so viel dazulernen, so viele verschiedene Erfahrungen sammeln – nicht nur beruflich sondern natürlich auch auf menschlicher Ebene, dass ich es trotz der vielen Arbeit nicht missen möchte.
Schön langsam verwandelt sich auch die Stadt Sydney in ein großes Schaubild des Weltjugendtages. Schon jetzt sind große Werbeplakate angebracht, auf den Autobahnen wird auf großen Displays für den WJT geworben und die großen Veranstaltungsorte nehmen mit den Bühnen, die derzeit aufgebaut werden, richtige Glanzgesichter an. Ab dieser Woche gibt es dann Fahnen, Banner und dekorierte Busse überall. Sogar die ersten Vorkundschafter von Pilgergruppen sind schon eingetroffen, um die letzten Vorbereitungen zu treffen.
Am 1. Juli beginnt der 15 Tage- Pilgerweg, bei dem das Weltjugendtagskreuz von Wollongong nach Sydney getragen wird. Am Ende dieses Weges wird es dann in den Eröffnungsgottesdienst getragen. Meine Großcousine Claudia aus Seuversholz, die diese Woche frisch nach Sydney eingeflogen kommt, wird das Weltjugendtagskreuz für die letzten zehn Tage dieses Weges als freiwillige Helferin begleiten.
Ich wünsche mir sehr, dass ich dann auch die Gelegenheit habe, bei einigen Hauptveranstaltungen des Weltjugendtages teilzunehmen, nachdem wir vom Büro aus schon tolle Platzkarten bekamen. Bevor der Startschuss für die Weltjugendtagswoche fällt, stehen noch Termine mit dem päpstlichen Laienrat aus Rom an.

Mein Arbeitsplan für die WJT-Woche schaut derzeit so aus, dass ich am Eröffnungstag zwei Treffen mit Animationsgruppenleitern für Katechesen und Evangelisierungsteams für die Kreuzwegveranstaltung mit koordinieren soll. Dabei werden letzte Informationen, eventuelle Planänderungen, Materialien und Akkreditierungspässe übergeben. Der restliche Tag wird im Büro verbracht oder je nach Stand der Dinge dann sogar beim Eröffnungsgottesdienst in Barangaroo. Mittwoch, Donnerstag und Freitag vormittag werde ich als Site-Verantwortliche für 30 Katechesenorte mitten im Geschehen sein, um vor Ort aufkommende Probleme zu lösen. Dabei hoffe ich sehr, dass ich auch mal den bayerischen Katechesenort besuchen kann. Wenn im Büro alles gut verläuft, bin ich bei der Papstwillkommensfeier am Donnerstag Nachmittag mit dabei. Am Freitag Nachmittag bei den Kreuzwegstationen soll ich die Evangelisierungsteams steuern, die sich unter die Pilger mischen. Auf dieses Event freue ich mich ganz besonders. Ich hab es zwar zeitlich nicht mehr geschafft, dass ich bei den Vorbereitungsarbeiten und Proben zugeschaut hätte, aber ich bin überzeugt, dass alle Schauspieler und Helfer mit ansprechenden Kostümen und atemberaubenden Kulissen ein unvergessliches, beeindruckendes und unter die Haut gehendes Nachspiel des Leidens Christi zeigen.
Für die abschließende Vigilfeier und den Abschlussgottesdienst auf der Randwick-Pferderennbahn bin ich zu guter Letzt noch eingeteilt, Eventzeit-Freiwillige zu koordinieren, aber immerhin bin ich mitten im Geschehen und kann an der Feier teilnehmen. Zu diesem Zeitpunkt wird dann auch der ganze Druck, der sich jetzt bei mir in der Arbeit aufbaut, abfallen. Dann kann ich mich voll und ganz auf das einlassen, was mich veranlasst hat, diese Freiwilligenarbeit in Sydney zu leisten – nämlich meinen Glauben zusammen mit der universalen jungen Kirche zu feiern.
Dieses Erlebnis wird mit einer Papst-Audienz gekrönt, die Sonntagabend nur für langfristige WJT-Angestellte organisiert wird und bei der auch ich mit dabei sein darf.
Aus der Kirchenzeitung Nr. 27 vom 6. Juli 2008
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