Sie halten die Erinnerung wach

Willibaldsreliquien im Eichstätter Dom
Willibaldsreliquien im Eichstätter Dom

Reliquienverehrung – Zeichen des Wunsches nach religiöser Nähe zu den Heiligen und zu Jesus

Die Reliquien des heiligen Willibald ruhen in einem versiegelten Schrein, der sich in dem Marmorsarkophag des Willibaldaltars im Eichstätter Dom befindet. Wie viele es sind, weiß man seit der letzten bischöflichen Visitation 1994 ganz genau. Es sind 113 anatomisch bestimmte Einzelknochen, beziehungsweise Fragmente.

Neben den sterblichen Überresten des heiligen Bischofs und Gründers des Bistums Eichstätt fand man nach der Öffnung des Schreins auch Dokumente, die über frühere Öffnungen des Reliquienschreins Aufschluss geben: Die beiden ältesten stammen aus dem 13. Jahrhundert und sind Mitteilungen des Domherrn Konrad von Kastl. Dann berichtet ein Pergamentblatt über die Schreinöffnung 1744/45 unter Fürstbischof Johann Anton II. von Freyberg  Zuge der Eintausendjahrfeier des Bistums Eichstätt. Bei jener Öffnung wurden die vorgefundenen Gebeine des heiligen Willibald anatomisch bestimmt und aufgelistet "in Summa 112. Partes & Particulae Sacrorum ossium" (= insgesamt 112 Teile und Teilchen der heiligen Gebeine).

Mehrmals geöffnet

Im 19. Jahrhundert wurde der Schrein dreimal geöffnet: 1829 unter Bischof Johann Friedrich Oesterreicher, 1868 und 1881 unter Bischof Franz Leopold Freiherr von Leonrod. 1868 wurde, wie ein mit bischöflichem Siegel versehenes Pergamentstück berichtet, ein kleiner Knochen entnommen, den Fulda als Gegengabe für eine Sola-Reliquie erhielt. 1881 wurde der Schrein gereinigt.

Bevor man 1994 den Schrein wieder versiegelte, wurden einige Reliquien für Reliquienvergaben bei Neukonsekrationen von Kirchen und Altären nicht mehr eingeschlossen, sondern im bischöflichen Reliquienschatz aufbewahrt. Das waren sieben Rippenfragmente von links und ein Rippenfragment von rechts sowie ungezählte Splitter, die infolge der Knochenumbildung im Laufe der Zeit abgesprungen sind oder während der bischöflichen Visitation auf das frische Leinen fielen.

Unter Reliquien versteht man meist leibliche Überreste wie Knochen, Haare oder wie bei Papst Johannes Paul II. Blutampullen, von Märtyrern oder im Glauben vorbildlichen Menschen oder Gegenstände, die mit ihnen nahen Kontakt hatten wie zum Beispiel Gewänder. Sie halten die Erinnerung an diese Vorbilder wach.

Willibaldsreliquien sind nach Auskunft des Bischöflichen Sekretärs, Domvikar Sebastian Bucher, sehr begehrt, werden aber nur sehr selten vergeben. Aufbewahrt werden sie mit den anderen Reliquien des Bischöflichen Reliquienschatzes in einem sicher verschlossenen Schrank in der Sakristei der Hauskapelle im Bischofshaus.

Dieser Schrank wird nur geöffnet, wenn der Bischof für die Weihe eines Gotteshauses oder eines Altares, wie jetzt am 1. Juli in der Filialkirche Sankt Margareta in Deusmauer, Reliquien für das Einlegen in den neuen Altar auswählt. In der Regel wählt er Reliquien von zwei Heiligen aus, von denen mindestens einer Märtyrer ist. – In Deusmauer waren es die der Heiligen Augustinus und des Papstes Urban. [...]

Klaus kreitmeir, Kirchenzeitung Nr. 28 vom 8. Juli 2012

Ausführlicher Bericht als PDF | Kolping-Reliquie kommt nach Eichstätt.

 

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