Kann man Gott in Bilder fassen?

"Gott verbindet alt und jung". Foto: Ministranten Röttenbach
"Gott verbindet alt und jung". Foto: Ministranten Röttenbach

Jugendliche geben bei Fotoprojekt beeindruckende Antworten / Ausstellung bis 3. Juni zu sehen

Wo begegnen Jugendliche in ihrer Lebenswelt und in ihrem Alltag dem Glauben? Worin begegnen sie Gott? Diesen Fragen stellt sich die Fotoausstellung "picture it", die vom 6. Mai bis 3. Juni im Regionaljugendheim Bunker in Thalmässing zu sehen ist.

Entstanden ist die Ausstellung aus einem Fotoprojekt der Katholischen Jugendstelle Schwabach und des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ) im Dekanat Roth-Schwabach. Aus über 50 Einsendungen haben Ehrenamtliche des BDKJ 36 Bilder zum "Nach- und Weiterdenken" für die Ausstellung ausgewählt.

"Gott in Bilder zu fassen, ist gar nicht so einfach", schreibt Diözesanjugendseelsorger Domvikar Jürgen Konert im Vorwort zum Ausstellungskatalog. Dies sei aber beim Fotowettbewerb "picture it" (= "bilde es ab") überzeugend gelungen. Interessant ist laut Konert die Perspektive, mit der Jugendliche Gott zu entdecken suchen: "Gott in der Stille, in der Schöpfung und den Nächsten. Der Glaube an Gott wird als bereichernd und sinnstiftend erlebt".

Vor der Ausstellungseröffnung feierten die Jugendlichen einen Gottesdienst zum Thema "Gott ist für mich wie ...". Im Mittelpunkt stand die Frage, "worin wir Gott in unserem Leben erkennen können und dass er uns ein Angebot macht", erklärt Steffen Bremmert, der zusammen mit Bettina Lübeling die Jugendstelle Schwabach leitet und die Ausstellung organisiert hat. "Wir können dieses Angebot annehmen, obgleich wir selbst unseren Weg suchen und finden müssen. Doch selbst wenn wir dieses Angebot verpassen, können wir noch auf seine offenen Arme vertrauen".

Dies wird auch in der Ausstellung deutlich: "Für die Menschen spielen beim Thema Glauben nicht die materiellen Dinge eine Rolle, sondern die Schönheit der Natur, die Liebe und die Freundschaft. Dies sind die Werte, die Menschlichkeit erzeugen im Rahmen der wunderbaren Schöpfung Gottes", sagt Bremmert, der im Rahmen einer Fortbildung im Jugendpastoralinstitut Don Bosco in Benediktbeuern die Anregung zu dem Fotowettbewerb mit Ausstellung bekam. Der Bunker in Thalmässing, "der bietet sich für so ein Projekt absolut an", schwärmt er.
Junge Leute zwischen 15 und 25 Jahren folgten dem Aufruf "picture it!". Manche sandten hochauflösende Digitalfotos bester Qualität, andere schickten Bilder, die sie mit ihrem alten Handy aufgenommen hatten. Gleich mehrere Dutzend Fotos steuerten die Minis der Pfarrei Röttenbach bei. Oberministrant Johannes Schneider (17) erzählt, wie er mit einem 16-jährigen Kumpel spontan auf Motivsuche ging. Die führte unter anderem an der über 800 Jahre alten Kapelle Niedermauk vorbei.

Das Foto (siehe Abb. o.) , das dabei entstand, bekam später den Titel: "Gott verbindet alt und jung". Auch ein asphaltierter Fußweg brachte sie zum Grübeln: Ist Gott unser Weg? Oder ist er schon weg, verschwunden aus unserem Leben? Ihre persönliche Antwort zu dem Foto: "Jesus ist zwar seit knapp 2.000 Jahren nicht mehr da, zeigt uns Jugendlichen aber immer noch den richtigen Weg." Die Ausstellung lasse viel Raum für Interpretationen, stellt Johannes fest. Bei der Eröffnung "kamen sofort ein paar Leute auf uns zu, die fragten, ob sie unsere Bilder für eine Meditation verwenden können".

Die Resonanz auf den Fotowettbewerb hat Bremmert und Lübeling überrascht: An einem einzigen Tag erfolgten im Netzwerk Facebook 60.000 Zugriffe auf die Infos zur Ausstellung. "Das konnten wir fast selbst nicht glauben", freut sich Bremmert. Auch der Ausstellungskatalog werde stark nachgefragt.

Eines der originellsten Motive befasst sich mit Gott in Zeiten des Mobiltelefons: Auf dem Display ist das berühmte Bild Michelangelos mit dem Fingerzeig Gottes zu sehen. Auf der Tastatur darunter zwei Möglichkeiten: Gespräch annehmen oder Gespräch ablehnen.

Steffen Bremmerts ganz persönliches Lieblingsbild entstand in Tansania und wurde von Simone Grill eingesandt, die dort gerade ein freiwilliges soziales Jahr absolviert. Das Foto zeigt fünf afrikanische Kinder, die gerade ganz fasziniert ein deutsches Bilderbuch mit für sie exotischen Tieren wie Hirsch und Auerhahn betrachten. "Dabei", schreibt Grill, "ist mir aufgefallen, wie viel Wundervolles auf der Welt für mich oft schon zu alltäglich geworden ist." (pde/gg)

Kirchenzeitung vom 20. Mai 2012

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