Im Winter bleibt die Kirche zu

Begegnungen mit tschechischen Gläubigen standen im Mittelpunkt einer dreitägigen Fahrt von Eichstättern ins Bistum Leitmeritz
Begegnungen mit tschechischen Gläubigen standen im Mittelpunkt einer dreitägigen Fahrt von Eichstättern ins Bistum Leitmeritz

Eindrücke aus katholischen Gemeinden im tschechischen Bistum Leitmeritz / Begegnungsfahrt

Ruhig und still fließt die Wittig in ihrem Flussbett, schlängelt sich an rund zwei Meter hohen Ufermauern mitten durch die rund 8.000 Einwohner zählende Gemeinde Friedland (Frýdlant v Čechách) in Böhmen. Die fast 500 Jahre alte Kirche der Kreuzfindung liegt gleich am Ufer, umgeben von einem Park.

Genau diese idyllische Lage wurde ihr im August 2010 zum Verhängnis. Wie Pfarrer Vit Audy im Gespräch mit der KiZ berichtete, stand das Wasser „rund 30 Zentimeter hoch“ in dem Gotteshaus, als Tschechien vor gut einem Jahr von schweren Überschwemmungen betroffen war. Mittlerweile sind im Inneren alle Spuren beseitigt, draußen im Kiesbett fahren Bagger umher und sorgen für einen verbesserten Schutz bei Hochwasser. „Das Wasser war nicht so sehr das Problem, aber der Schlamm“, erklärte der junge Geistliche, der seit 2006 in Friedland ist.

Partnerdiözese

Rund 200 Gläubige zählt die Gemeinde und zum Sonntagsgottesdienst könne er „regelmäßig rund 50 bis 60 Personen begrüßen“, sagte Audy. Für vier Pfarreien in einem Umkreis von gut 20 Kilometern ist er insgesamt zuständig. Zwölf Kirchen und kleinere Kapellen gehören dazu. Viele der Gotteshäuser sind wochenlang zugesperrt, bis wieder einmal eine Andacht stattfindet oder ein Gottesdienst. Friedland liegt im Bistum Leitmeritz (Litoměřice), das seit Jahrzehnten partnerschaftlich mit der Diözese Eichstätt verbunden ist.
Seit 1987 versucht der Sachausschuss Christliche Ostarbeit des Diözesanrats diese Partnerschaft mit Leben und Inhalten zu füllen. Anfang Oktober machte sich jetzt eine 20-köpfige Gruppe auf den Weg nach Tschechien, zu einer dreitägigen Begegnungsfahrt, die diesen Namen zu Recht trug.

Mehrere Besuche in Pfarreien und ein Treffen mit dem Generalvikar standen ebenso auf dem Programm wie ein Gottesdienst im Stephansdom in Leitmeritz und eine Messe in Reichenberg (Liberec).

In Friedland führte Pfarrer Audy die Besucher durch die von italienischen Baumeistern errichtete Kirche, erläuterte stolz – mit Hilfe einer Übersetzerin – Details zur Baugeschichte und verwies auf die Kanzel, die von einer Moses-Figur gestützt wird.

In einer kleinen Andacht, mit deutschen und tschechischen Gebeten und Liedern, wurde die Verbundenheit zwischen den beiden Bistümern symbolisch bekräftigt. Zwar stellte die Sprache immer wieder eine Barriere bei den Begegnungen dar, doch zeigte sich gerade in der gemeinsamen Verbundenheit zu Gott: Hier geht es um dieselbe Sache.

Durch die Sakristei, die aus dem Jahr 1290 stammt, verließen die Eichstätter die Kirche und zogen weiter in einen Saal im Pfarrhaus. „Das ist unsere Winterkapelle, die können wir im Gegensatz zur Kirche heizen“, erklärte Audy. In den Wintermonaten bliebe das
Gotteshaus oft geschlossen und die Gläubigen versammelten sich hier.

Bei Kuchen und Gebäck kamen Tschechen und Deutsche ins Gespräch. Rudolf Prandner erklärte dabei nicht nur weitere kunsthistorische Besonderheiten der Kirche sondern ging auch auf das Leben der Gläubigen in seiner böhmischen Heimat ein. Da viele Jugendliche aus Mangel an beruflichen Perspektiven die Region verließen, gebe es nicht viele Messdiener, erklärte Pfarrer Audy. „Herr Prandner hilft mir beim Altardienst“, ergänzte er mit Blick auf den rüstigen Rentner.

Die Pfarrei sei zwar klein, aber „eine echte Gemeinschaft“. Im Sommer und im Winter biete er mehrtägige Ausflüge an, die besonders bei Familien beliebt seien. Für Ältere gebe es Wallfahrten und zudem bemühe er sich „auch immer wieder Angebote für sozial Schwache“ zu schaffen, berichtete der Pfarrer. Die Arbeit mache ihm Spaß, „auch wenn es viele Pflichten gibt“.

Da die staatlichen Lehrpläne keinen Religionsunterricht vorsehen, müssen die Pfarreien die christliche Erziehung selber organisieren. Audy unterrichtet derzeit acht Kinder, die einmal in der Woche ins Pfarrhaus kommen. Adrian Pavel Zemek berichtete bei einem Treffen im Bischöflichen Palais, dass er „einen Schlüssel für die Schule“ habe und seinen Unterricht dort halten dürfe.

Doch dies sei eine Ausnahme, ergänzte der Prämonstratenserpater. Sein Mitbruder Vilém Marek Štepán berichtete: „Im Religionsunterricht sind viele Kinder aus Familien, die gar keinen Bezug zur Kirche haben.“ Ein Problem bereite manchmal „die fehlende Genehmigung der Eltern“. Die Kinder bräuchten diese Erlaubnis, um an den Stunden teilzunehmen, doch immer wieder „sagen die Eltern: Nein“.[...]

Ausführlicher Bericht als PDF

 

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