Besuch auf der Palliativstation des Klinikums Neumarkt - Am 11. Februar ist Welttag der Kranken
Große Fenster geben den Blick frei auf den Haupteingang, gemütliche Sofas laden zum Verweilen ein, Grünpflanzen schmücken den Wohnbereich, in dem sich einmal pro Woche Patienten und Angehörige zum Montagscafé treffen. Wenn Musiktherapeutin Anna Ebner Volkslieder oder alte Gassenhauer anstimmt, dann werden Erinnerungen wach, dann wird auch gelacht, „und wer gerade vorbeikommt, der meint auf den ersten Blick nicht, dass er sich auf einer Palliativstation zu befinden“, erzählt Pastoralreferentin Gisela Hausdorf. Sie ist katholische Seelsorgerin am Neumarkter Klinikum und zuständig für die Palliativstation seit deren Eröffnung im Herbst 2008.
Das Haus, eine Stiftung der Eheleute Leokadia und Johann Donauer aus Pilsach, ist direkt an das Klinikum angegliedert. Betreut werden dort Patienten, die an einer weit fortgeschrittenen, unheilbaren, sich weiter entwickelnden Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung leiden, deren Symptome ambulant nicht mehr beherrschbar sind. Über das Wesen der Palliativmedizin heißt es in einer Infobroschüre der Neumarkter Einrichtung: „So wie ein Baum nur als Ganzes existieren kann, begreift die Palliativmedizin den Menschen als eine Einheit aus körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen. Unter diesem ganzheitlichen Aspekt erfahren Patienten, die an einer fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung leiden, Betreuung und Begleitung. Durch eine medizinisch-pflegerische und menschliche Zuwendung soll ein würdevolles Leben bis zuletzt
ermöglicht werden.“
Insgesamt elf Einzelzimmer gibt es auf der Palliativstation, pro Jahr werden knapp 300 Patienten betreut, im Schnitt zehn Tage lang. Bei etwa 40 Prozent stabilisieren sich die körperlichen und seelischen Beschwerden, sodass sie nach Hause oder in eine stationäre Einrichtung entlassen werden können. 60 Prozent aber sterben auf der Palliativstation, gibt deren Leiterin Dr. Susanne Vogel Auskunft.
Gisela Hausdorf öffnet die Tür zum „Raum der Stille“, in den sich Patienten und deren Angehörige zurückziehen können. Vor einem Gedenkstein steht eine große Glasvase, gefüllt mit bunten Blüten. Jede von ihnen steht für einen Menschen, der auf der Palliativstation verstorben ist. Nach dem Tod des Patienten liegt eine Blume vor dem Sterbezimmer in einer Schale mit einer brennenden Kerze. Bei der wöchentlichen Teamsitzung legen sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann auf einem großen Stein in der Mitte des Tisches ab und gedenken nochmals des Verstorbenen. Nur selten liegen keine Blüten auf dem Stein. Meist sterben zwei bis drei Patienten pro Woche.
„Alle, die hier arbeiten, müssen sich persönlich mit Tod und Sterben auseinandersetzen“, sagt Theologin Hausdorf, die neun Jahre Krankenhausseelsorgerin im Nürnberger Südklinikum war und in Rom ein Aufbaustudium in einem Institut des Kamillianer-Ordens (er widmet sich besonders der Krankenpflege) absolviert hat. „Ich sehe mich nicht als jemand, der große Worte macht, sondern der einfach da ist“, beschreibt Hausdorf ihre Aufgabe. „Für Menschen mit schweren Erkrankungen sei es tröstlich, „dass da einer neben ihnen ist, der das Leid mit ihnen trägt.“ Gerade dann, wenn sich Freunde und Bekannte eines Krebspatienten aus Hilflosigkeit zurückziehen.
Im Schnitt dreimal pro Woche geht Hausdorf in jedes Zimmer der Palliativstation. Wenn sie oder ihre Kollegin, die evangelische Pfarrerin Katharina Thoma, bei einem Patienten sind, hängen sie draußen an der Tür ein Schild auf, das signalisiert: Jetzt bitte nicht stören. Und das Pflegepersonal respektiert diesen Wunsch. „Was mir hier gut gefällt, ist die Zusammenarbeit mit allen, die hier arbeiten“, stellt Hausdorf fest und zählt das ganze Team aus Ärzten, Therapeuten, Psychologen, Service- und Reinigungskräften sowie den Ehrenamtlichen des Neumarkter Hospizvereins auf. Auf allen Ebenen spüre sie „eine grundlegende positive Einstellung zur Seelsorge.“
Gabi Gess, Kirchenzeitung
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