Pater Karl Herrmann SJ berichtet über seine Arbeit in der St. Rupert Mayer-Mission in Simbabwe
Das neue Schlagwort heißt Selfreliance (= Selbstständigkeit), sagt Pater Karl Herrmann SJ. Bei seinem Deutschlandbesuch Ende letzten Jahres brachte er einige Neuigkeiten mit von der Missionsstation „St. Rupert Mayer“ in Simbabwe. Der Bruder des Diözesanpriesters Richard Herrmann ist seit 1991 Missionar in Afrika, seit 2004 leitet er die St. Rupert Mayer Missionsstation, die 90 Kilometer südwestlich der Provinz- und Bischofsstadt Chinhoyi liegt. Selbstständigkeit als Leitmotiv, „das gilt nicht nur für unserer Mission, sondern auch für die Diözese und das ganze Land“. Die Gemeinde solle wieder selbst und ohne Abhängigkeit von außen für den Unterhalt des Priesters aufkommen. „Wir sind dabei, unsere Gemeinde wieder auf eigene Beine zu stellen, aber es wird noch große Anstrengungen kosten.“

20 Außenstationen
Die Mission besteht aus rund 700 Gläubigen, verteilt auf 20 Außenstationen. Auf der Hauptstation gibt es ein Krankenhaus, eine Grund- und eine Mittelschule, die inzwischen zu einer höheren Schule ausgebaut wurde, die die Jugendlichen bis zum Abitur führt. Die Grundschule zählt 450 Kinder; viele davon sind Waisen. An der höheren Schule studieren 250 Schüler, davon leben 30 im Internat der Jesuitenmission. Für beide Schulen werden Gebühren erhoben, die viele sich nicht leisten können.
Das Krankenhaus mit seinen 80 Betten hat ein Einzugsgebiet von rund 30 Kilometern. Die größte Schwierigkeit ist es, Ärzte zu finden. „Zur Zeit sind wir glücklich“, meint Herrmann, „weil eine Ärztin aus Österreich für ein Jahr bei uns als Freiwillige arbeitet.“ Die gesamte Pfarrgemeinde verteilt sich auf 20 Außenstationen, die weitest abgelegenen sind bis zu 100 Kilometer entfernt.
Die Mission macht allen Altersgruppen entsprechende Angebote: Die ganz Kleinen sind erfasst in der „Holy oder Missionary Childhood“, oder dem „Kindermissionswerk“. Mit 14 Jahren treten die jungen Leute in die Katholische Jugendorganisation (Catholic Youth Association) ein. Außerdem gibt es auch einen „St. Rupert Mayer-Sports-Club“. Den größten Verein bilden die Frauen. In der Diözese Chinhoyi ist diese Vereinigung der heiligen Anna geweiht. Für die Männer ist es der katholische Männerverein (Catholic Mens Association). Ihr Patron ist der Pfarrheilige und Namensgeber der Mission, der selige Rupert Mayer. Seit 2005 besteht eine Gebetsgemeinschaft zwischen der Marianischen Männerkongregation vom Bürgersaal in München und dem Männerverein.

Nachhaltige Mission
„Unsere Mission liegt nicht nur irgendwie auf dem Land, sondern geographisch und zivilisatorisch weit weg vom städtischen Leben“, berichtet Herrmann. „Wir haben zwar auf der Hauptstation Strom, aber es passiert oft, dass in der Regenzeit der Strom ausfällt. Die Reparatur kann sich manchmal drei oder vier Wochen hinziehen. Dann heißt es wie in alten Zeiten, auf der Feuerstelle vor dem Haus zu kochen. Das Wasser muss dann wieder mit der Handpumpe geholt werden.“ Diese Situation soll sich bald ändern: „Der Lehrstuhl für Energiewirtschaft der Technischen Universität München (Prof. Thomas Hamacher und sein Team) will unter dem Teilprojekt Solare Wasserversorgung eines unserer Bohrlöcher mit einer Photovoltaikanlage versehen.“ Technisch auf dem allerneuesten Stand ist die Missionsstation auch dank dem Lehrstuhl Raumkunst und Lichtgestaltung der TU. Im Rahmen des Projektes „Learning from the Roots“ wurden in den letzten fünf Jahren zwei Lehrerhäuser und ein Schulblock errichtet, der aus zwei Klassenzimmer, einer Bücherei sowie einem Lehrer- und Computer-Zimmer besteht (die KiZ berichtete).
Noch ist die Selbständigkeit von der Herrmann spricht, ein großer Traum. Denn die konkrete Situation sieht nach wie vor anders aus: lange, holprige Straßen zu den Außenstationen, Strom- und Wasserausfall in der Regenzeit, knappe Finanzen in den Schulen, viele Waisenkinder, vor allem wegen der Aidsseuche, die Schulabgänger wandern ab, die ältere Generation, die oft nicht schreiben und lesen kann, bleibt übrig, die Bezahlung der Ärzte, Krankenschwestern und Lehrer ist knapp, das drückt auf ihre Motivation. Herrmann: „Es ist uns allen klar, dass es große Geduld, langen Atem, breite Schultern und viel Gottvertrauen braucht, und dazu vor allem die ständige Fürbitte an unseren seligen Rupert Mayer, dass er sich um seine Mission kümmert.“ Was ihn aber persönlich immer wieder aufbaue, das sei „die Freude der Menschen, die trotz manchem Gejammer, zu dem es wahrhaftig Grund genug gab in den letzten Jahren, immer wieder durchschimmert und durchbricht.“
Michael Heberling
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