Die Theke gleich unter der Kapelle

Pater Johannes Haas OSFS (r.) und Franz Geitner
Ein Pfarrer und ein Pastoralreferent stehen an der Spitze der Hochschulgemeinde in Eichstätt: Pater Johannes Haas OSFS (r.) und Franz Geitner

Gemeindeleben an der Universität / Vor 30 Jahren wurde Studentenzentrum in Eichstätt eröffnet

In vielen Pfarreien im Bistum liegen Kirche und Wirtshaus eng beieinander, mitten im Dorf oder an der Hauptstraße. Bei der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) in Eichstätt sind die Abstände sogar verschwindend gering: Hier liegt gleich unter der Kapelle die Theke. Die Theke ist so etwas wie das Wirtshaus der Studenten, ein großer Saal direkt an die Stadtmauer gebaut, mit Kicker, Dartscheibe, vielen Sitzplätzen und eben auch einer richtigen Theke. Geöffnet ist fast täglich während des Semesters.

Das Studentenzentrum, die KHG, am Kardinal Preysing-Platz 3, wurde am 25. November 1981 von Bischof Dr. Alois Brems eröffnet. Brems äußerte damals den Wunsch, dass „dieses Haus zu einer Begegnungsstätte“ werden solle, „für Studenten, die hier immer tiefer in eine Gemeinde hineinwachsen“. Die Hochschulgemeinde ist seitdem gewachsen, hat sich entwickelt, hat Aufs und Abs erlebt. Im Gespräch mit der KiZ berichteten Hochschulpfarrer Johannes Haas und Pastoralreferent Franz Geitner über das Gemeindeleben, Studenten auf der Suche nach Glauben und Gottesdienste im Hörsaal.

Im Bistum Eichstätt ist die KHG der Hauptabteilung Schulen und Hochschulen zugeordnet und ihr Auftrag lautet: Seelsorge an der Hochschule. Dazu zählen die Katholische Universität mit den Standorten Eichstätt und Ingolstadt (siehe auch Kasten unten), die Fachhochschule Ingolstadt und die Fakultät für Landwirtschaft in Triesdorf mit allen Studenten aber auch mit den Mitarbeitern.

Das Gemeindeleben in Eichstätt ist von Spontaneität und Fluktuation geprägt, sagt Geitner. Die Studiengänge wurden auf drei Jahre verkürzt und in dieser Zeit sind die Studenten oft auch noch ein Semester im Ausland. „Im Unterschied zu einer Pfarrgemeinde sind die Leute bei uns nicht so lange. Da entsteht keine so fest Bindung“, erklärt Geitner.

Und doch kommen viele Besucher zu den KHG-Veranstaltungen. Für Haas ist die Hochschulgemeinde „ein Kennenlernort von Kirche, ein Kennenlernort von anderer Kirche und ein anderer Kennenlernort von Kirche“. Vor zehn Jahren sei er noch Studenten begegnet, „die sich eher an Kirche gerieben haben. Diesen Typ von Studenten erlebe ich jetzt eher seltener. Die zu uns kommen, kommen auf der Suche nach Glauben“.

Zum Angebot der KHG gehören regelmäßige Gottesdienste in der hauseigenen Kapelle im ersten Stock aber auch in der Kapuzinerkirche und auf dem Campus, in Hörsälen, im Studihaus, in der Aula. „Wir wollen auf Menschen zugehen“, erklärt Pastoralreferent Geitner. „Wir bieten Räume an, aber auch uns als Menschen.“

In jedem Semester erscheint ein umfangreiches Programm mit Vorträgen, Bildungsfahrten und Terminen für Bibelkreis oder Roraten. Hinter dem Programm stehen Haas und Geitner und Mitglieder des Gemeinderats. Einmal im Jahr wählen Studenten ihre Vertreter aus den eigenen Reihen, aber auch aus dem Kreis der Uni-Verwaltung und der Dozenten. Zeitweise saßen auch schon Professoren mit am Tisch.

Erster Berührungspunkt mit der KHG ist für viele Studenten die Einführungsveranstaltung für Erstsemester, noch vor Vorlesungsbeginn. Später dann kommen viele zu den Semesteranfangspartys wieder, gehen abends in die Theke oder nutzen – wie unlängst – auch die Gelegenheit Uni-Präsident Professor Richard Schenk als Zelebranten beim Gottesdienst und anschließend als Gesprächpartner bei einem Vortrag zu erleben. „Wir versuchen aktuelle kirchenpolitische Themen aufzugreifen“, erklärt Geitner.

Dazu zählen der regelmäßige Bibelkreis, Taizégebete, ein Gesprächskreis zum Jugendkatechismus Youcat und auch die Auswahl der Themen und Referenten für Diskussionen und Vorträge. Fester Programmpunkt schon seit Jahren ist die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession in Eichstätt. Eine Gruppe von ehemaligen und noch aktiven KHG-Mitgliedern zieht dann durch die Straßen mit und anschließend treffen sich alle zum Weißwurstfrühstück am Kardinal Preysing-Platz.

Zum Gemeindeleben gehören hin und wieder Taufen von Kindern von Studenten oder von Studenten selber und auch Hochzeiten. „Es gibt einige Paare die sich in der KHG kennengelernt haben“, berichtet Haas. Die Möglichkeit, andere Studenten kennenzulernen, gibt es fast jeden Abend in der Theke. Moderate Preise bieten eine Alternative zu den in Eichstätt nur spärlich vorhandenen Studentenkneipen. Wie in anderen Wirtshäusern auch, werden in der KHG wichtige Fußballspiele auf Großleinwand übertragen. Und Samstagabends laufen oft Kinofilme.

Andrea Franzetti, Kirchenzeitung

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