Die „Klopfzeichen“ im Leben hören

Pfarrer Harald Günthner im Gespräch mit  Yvonne Bauer und Natali Hoffmann-Holzberger.
Schwarzenbrucks Pfarrer Harald Günthner im Gespräch mit den Katechumenen Yvonne Bauer (l.) und Natali Hoffmann-Holzberger.
Domkapitular Alois Ehrl, Olga Bicker, Elena Boos, Pastoralassistent Horst Krämer und Sigrid Ludwigs
Schwabachs Stadtpfarrer Domkapitular Alois Ehrl mit den beiden Katechumenen Olga Bicker, Elena Boos und deren Begleiter, Pastoralassistent Horst Krämer und Sigrid Ludwigs (v. l.).

Katechumenat – Eingliederung in die Kirche / Zum Beispiel in Schwabach und Schwarzenbruck


Wenn Du einen Menschen für Christus gewinnen willst, dann lass ihn ein Jahr in Deinem Haus wohnen“, stellte einst der heilige Bischof und Kirchenlehrer Cyrill von Jerusalem fest. Er lebte im vierten Jahrhundert und war berühmt für seine Katechesen. Seine Aussage sei auch heute noch aktuell, meint der Schwabacher Stadtpfarrer Domkapitular Alois Ehrl, der gemeinsam mit Pastoralassistent Horst Krämer derzeit zwei Frauen auf die Eingliederung in die Kirche vorbereitet. Nicht nur der Erwerb von Glaubenswissen sei wichtig, sondern auch „der Kontakt, die Hinführung zur Gemeinde.“ Deshalb hält Ehrl Ausschau nach Mitgliedern der Pfarrgemeinde, die von Alter und Lebenssituation her passen und „so eine Art Pate“ sein können auf dem Weg durch die Vorbereitungszeit.

Sigrid Ludwigs ist so eine Patin. Die junge Ärztin nimmt, so weit es ihre Termine erlauben, an den Katechumenatstreffen teil, bei denen Pastoralassistent oder Pfarrer den beiden Bewerberinnen die Grundlagen des Glaubens erschließen. Das Wichtigste an ihrem Ehrenamt sei es aber, „einfach Glaubenszeuge zu sein“, stellt sie fest. „Ich bin gern katholisch und in den Gesprächen bietet sich reichlich Möglichkeit, von den Schätzen unseres Glaubens zu erzählen. Aber auch außerhalb der Gesprächstermine bietet sich immer wieder Gelegenheit zum Austausch, zum Beispiel nach der Heiligen Messe.“ Als Starthelferin in Sachen Glaube sieht sich Ludwigs nicht, höchstens eine Art „Geburtshelferin“. Denn glauben zu können, sei ein Geschenk „von oben“. Lohn ihres Einsatzes: Mitzuerleben „dass ganz unterschiedliche Menschen, auf ganz verschiedenen Wegen und aus unterschiedlichen Gründen zum gleichen Ergebnis kommen: Es gibt Gott“.

Im Schnitt ein bis zwei Bewerberinnen und Bewerber, die meisten aus den früheren Sowjetrepubliken oder aus der ehemaligen DDR, melden sich jährlich im Schwabacher Pfarramt St. Sebald, um einen Weg zu beschreiten, auf dem die Hürden „ziemlich hoch“, lägen, wie Pfarrer Ehrl einräumt. Stehen doch von der Aufnahme in den Katechumenat, die im September im Gottesdienst erfolgt, bis zur Taufe in der Osternacht des folgenden Jahres regelmäßige Glaubensgespräche mit einem Umfang von insgesamt 15 bis 20 Stunden auf dem Programm. Die zehn Gebote und das Vater unser, die sieben Sakramente und die Heilige Schrift, die Marien- und Heiligenverehrung – all das sollen die Katechumenen beim „Crash-Kurs“ kennenlernen. Nicht zu vergessen, „das Nachfühlen, wie sie zu ihrem Entschluss gekommen sind“, erläutert Ehrl, „das Aufspüren von Klopfzeichen und Signalen im persönlichen Leben“. Bei einer der jetzigen Taufbewerberinnen (beide stammen aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion) war die schwere Krankheit des Kindes Auslöser, Trost und Kraft im Gebet zu suchen. Bei der anderen war die Taufe des Kindes Anlass, sich selbst das Rüstzeug für eine christliche Erziehung zu holen.

Wie intensiv die Neuchristen dann am Leben der Pfarrei teilnehmen, wie oft sie zum Gottesdienst kommen, „das hängt auch von ihrer Familiensituation ab“, weiß Ehrl. Schwierig sei die Lage für islamische Frauen, die Christinnen werden wollen: „Die müssen in Kauf nehmen, dass die ganze Familie mit ihnen bricht, das habe ich schon zweimal erlebt“, sagt Ehrl, der seine beiden Katechumenen gemeinsam mit Pastoralassistent Krämer zum Gottesdienst am ersten Fastensonntag in Eichstätt begleiten wird. Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB erteilt dann feierlich allen Katechumenen aus dem Bistum die offizielle Zulassung.

Gabi Gess, Kirchenzeitung


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