Eine Kinderkrippe in katholischer Trägerschaft, das war noch etwas Besonderes im Bistum Eichstätt, als 2005 die erste Einrichtung für Kinder bis zu drei Jahren in der Eichstätter Pfarrei Heilige Familie ihre Pforten öffnete. Mittlerweile ist das anders: Von Allersberg bis Wolframs-Eschenbach gibt inzwischen 38 Krippen mit insgesamt 48 Gruppen in Trägerschaft katholischer Kirchenstiftungen. Gerade in jüngster Zeit verging kaum ein Monat, ohne dass eine neue Betreuungseinrichtung eingeweiht wurde. Und die Entwicklung schreitet rasant voran: weitere 20 Gruppen sollen im Laufe des Kindergartenjahrs 2011/12 noch hinzukommen.
Am Anfang stand der politische Wille der Bundesregierung, einen Versorgungsgrad von 35 Prozent mit Krippenplätzen für unter Dreijährige zu erreichen. Der Freistaat Bayern hat die ihm dafür zugewiesenen Mittel nochmals aufgestockt und gibt im Rahmen eines noch bis 2013 laufenden Sonderprogramms rund 70 Prozent Zuschüsse auf die Errichtung von Kinderkrippen. „Viele Bürgermeister haben sich vertrauensvoll an den bestehenden Kindergarten-träger gewandt, weil sie verlässliche Partner mit Erfahrung suchten“, begründet Markus Schweizer, der diözesane Beauftragte für Bindertageseinrichtungen im Bistum, den Boom an Krippen in Kirchen-Trägerschaft.
Edith Schmitz, Leiterin des Referats Kindertageseinrichtungen beim diözesanen Caritasverband, rät den Gemeinden aber, trotz hoher Zuschüsse, mit Bedacht zu planen und nicht überdimensioniert „auf Vorrat“ zu bauen, denn „der laufende Betrieb und der Unterhalt kosten ja auch Geld“.
Nichtsdestotrotz lege die Diözese bei der Planung von Krippen großen Wert auf Qualität, versichert Schweizer. Ein Beispiel dafür sei, dass man den Raumbedarf höher veranschlagt, als die staatlichen Mindeststandards es fordern. Dass zum Beispiel ein Ruheraum großzügig genug dimensioniert ist.
150 neue Arbeitsplätze, viele davon in Teilzeit, entstanden in den Krippen. Die Fortbildung des Fachpersonals liegt in Händen des Referats Kindertageseinrichtungen, das seit einigen Jahren einen „Qualitätszirkel“ anbietet. Die Schulung läuft über eineinhalb Jahre hinweg und soll die Krippen-Mitarbeiterinnen für die Arbeit mit den Jüngsten sensibilisieren, denn „man kann eine Krippe nicht als kleinen Kindergarten betrachten“, weiß Schmitz. Auch über den Kurs hinaus sind jederzeit Rückfragen möglich, „unser Telefon steht eigentlich nie still“.
In Ingolstadt würden durch Angebote verschiedener Träger bereits 35 Prozent der unter Dreijährigen in einer Krippe betreut werden, gibt Schmitz Auskunft, und auch in Eichstätt sei die Versorgung recht gut. Etwas dünner besiedelt mit Kinderkrippen sei der Oberpfälzer Raum. Ob aber überhaupt ein Versorgungsgrad von 35 Prozent erreicht werden muss, „dafür ist der Bedarf, den die politischen Gemeinden alle paar Jahre erheben , ausschlaggebend“, ergänzt Schweizer.
Auch auf dem Land sei das gewandelte Frauen- und Gesellschaftsbild bei den Verantwortlichen in den Pfarreien angekommen, meint Schmitz, weil sie berufstätige Mütter in ihrem eigenen Familienkreis erlebten. Martina Riedl, Leiterin der heuer eröffneten Denkendorfer Kinderkrippe, kann diesen Eindruck bestätigen. Viele der Mütter seien noch sehr jung, weiß sie, und die Betreuung ihrer Kinder in der Krippe gebe ihnen die Möglichkeit, ihre Ausbildung zu beenden.
Gabi Gess, Kirchenzeitung
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