Dem Aussatz die rote Karte

Leprakranke Familie. Foto: Göbel
Leprakranke Familie. Foto: Göbel

Seit 33 Jahren setzt sich der Eichstätter Manfred Göbel in Brasilien für Leprakranke ein

Ursprünglich sollte sein Einsatz im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso ein Jahr dauern. Jetzt lebt und arbeitet der gebürtige Eichstätter Manfred Göbel schon seit 33 Jahren in Brasilien. Mato Grossos Hauptstadt Cuiaba ist inzwischen dem 58-Jährigen, der mit einer brasilianischen Lepra-Ärztin verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder hat, nicht nur zum Lebens- und Arbeitsmittelpunkt sondern sogar zur neuen Heimat geworden.

Alle zwei Jahre kehrt er, der heute für die deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) die Lepra-Arbeit in fünf brasilianischen Bundesstaaten koordiniert, für einen Monat in die alte Heimat zurück, um dort über die Arbeit des DAHW zu informieren und Spenden für die Arbeit in Brasilien zu sammeln.

Zur Zeit hält er sich in Deutschland auf. Die Redaktion der Kirchenzeitung besucht er zusammen mit seinem alten Rebdorfer Schulfreund Franz-Josef Beringer, der Vorsitzender des Freundeskreises Manfred Göbel/Leprahilfe ist. Dieser Zusammenschluss von rund 150 Freunden und Schulkameraden Göbels, der 1998 auf einem Klassentreffen entstand, unterstützt seitdem die Arbeit des Eichstätters in Brasilien finanziell unterstützt.

Interesse geweckt

Während seiner Realschulzeit bei den Herz Jesu-Missionaren in Rebdorf sei sein Interesse für ferne Länder und die Arbeit in der Entwicklungshilfe geweckt worden, erzählt Göbel. Sein Wunsch, selbst in einem Projekt der Entwicklungshilfe zu arbeiten sei damals gewachsen und sei auch während seiner Ausbildung zum Krankenpfleger nicht verstummt. Doch sei sein Blick nur auf Afrika gerichtet gewesen, daher habe er sich für ein Projekt dort beworben. Doch erhielt er von der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) eine Absage. "Man bot mir ambulante Lepra-Arbeit für das DAHW in Mato Grosso an. Von diesem Angebot war ich überhaupt nicht begeistert, weil ich erstens nicht nach Lateinamerika gehen und zweitens von Lepra gar nichts wissen wollte."

Doch er nahm das Angebot an und flog im Mai 1979 nach Brasilien. Seine erste Station war das Lepra-Dorf Sao Juliao in Campo Grande im Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Ab Anfang November arbeitete er in seinem eigentlichen Einsatzort Rondonopolis, einer kleinen armen Stadt, 500 Kilometer nördlich von Campo Grande im Bundesstaat Mato Grosso. "Anfangs hatten wir dort 240 bekannte Leprakranke, nach drei Jahren waren es schon 900 und heute sind mehr als 6.000 erfasst", erinnert sich Göbel. 1984 entstand dort auf seine Initiative hin das erste Lepra-Zentrum Brasiliens.

Seiner Hartnäckigkeit und Durchsetzungskraft verdanken die Leprakranken, dass die isolierten Lepra-Kolonien abgeschafft und Lepra-Zentren gegründet wurden, um eine menschenwürdige, medizinische Behandlung der Kranken zu gewährleisten. "Persönlich habe ich um die 190.000 Menschen untersucht. Rund 50.000 konnten von der Lepra geheilt werden und leben heute ein ganz normales Leben", resümiert Göbel.

Manfred Göbel
Manfred Göbel

Lepra und Armut

In der Information und Aufklärung über die gut behandelbare Krankheit sieht Göbel neben der medizinischen Hilfe seine Hauptaufgaben. Denn kaum eine Krankheit ist so mit Vorurteilen aus der Vergangenheit belastet wie die Lepra, der biblische Aussatz.
Ankündigungen der Weltgesundheitsorganisation und des Staates Brasilien, Lepra bis 2015 weltweit ausrotten zu wollen, ärgern ihn. "Den Leprabazillus gibt es schon seit mindestens 7.000 Jahren. Den zu eliminieren ist nicht so leicht."

Solche Absichtserklärungen lassen außer Acht, dass Lepra als Armutskrankheit ein Maßstab für die Lebensqualität eines Landes dient, denn Armut führt zu Mangelernährung und mangelnder Hygiene, die die Ausbreitung von Lepra fördern. Zudem erlebe er oft, dass Lepra eine vernachlässigte Krankheit ist. Erst Fehldiagnosen führen zu bleibenden Schäden bei den Kranken.

Klaus Kreitmeir, Kirchenzeitung vom 29. April 2012

 

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