Das Licht der Krippe weitergeben

Sternsingeraussendung in Beilngries
Sternsingeraussendung in Beilngries

Beim Eröffnungsgottesdienst in Beilngries sandte der Bischof die Sternsinger aus dem Bistum aus

Passanten halten inne, Mütter mit Buggys stehen am Straßenrand und weisen ihre Kinder auf ein Schauspiel hin, das in Beilngries wohl so schnell nicht mehr zu sehen sein wird: Angeführt von den Musikanten der Stadtkapelle, ziehen Hunderte von Sternsingern in farbenprächtigen Gewändern durch die Stadt zur Pfarrkirche St. Walburga, wo gleich die diözesane Aussendungsfeier mit Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB beginnen wird.

Busweise Anreise

Treffpunkt für die Mädchen und Jungen aus der ganzen Diözese ist am frühen Nachmittag das Beilngrieser Gymnasium. Die 400 Stühle, die in der Aula aufgestellt worden sind, reichen nicht aus, sind doch insgesamt 450 Sternsinger und Begleiter der Einladung des Bischöflichen Jugendamts und des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) gefolgt. Viele Gruppen sind aus der näheren Umgebung, andere haben einen weiteren Weg hinter sich. „Aus dem neuen Dekanat Habsberg kommt ein ganzer Bus“, nennt Ministrantenreferent Markus Wittmann ein Beispiel.

Zur Stärkung gibt es kostenlos Kartoffelgulasch oder Käsesemmeln. Etwa 70 Helferinnen und Helfer von Pfarrgemeinderat, Kolping und Rotem Kreuz sind bestens vorbereitet auf den Ansturm der jungen Könige und Sterndeuter. Der Stadtpfarrer von Beilngries und ehemalige Diözesanjugendseelsorger Josef Funk stellt fest: „Ich freue mich riesig, dass wir heuer Gastgeber sind.“ Auch Sebastian Haider, Mesner in Lauterhofen, ist ein Fan des alljährlichen diözesanen Sternsingertreffens: „Da bin ich jedes Jahr mit unserer Gruppe dabei, das lass’ ich mir nicht nehmen.“

Die junge Gemeindereferentin Barbara Keckl, die mit einer neunköpfigen Gruppe aus Greding nach Beilngries gekommen ist, erinnert sich noch gut, wie sie als Ministrantin selbst bei der allerersten diözesanen Aussendungsfeier im Eichstätter Dom dabei war. Das Erlebnis, „dass sie so viele sind“, sei für die jungen Ehrenamtlichen an so einem Tag eine wertvolle Erfahrung, meint sie in Übereinstimmung mit dem Neumarkter Dekan Monsignore Richard Distler, der ebenfalls „seine“ Sternsinger zur Aussendungsfeier begleitet hat.

Christoph Raithel vom BDKJ-Vorstand heißt alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 54. Aktion Dreikönigssingen aus dem Bistum Eichstätt willkommen und begrüßt die Vertreter der Diözese: Seelsorgeamtsleiter Domkapitular Alfred Rottler, Domkapitular Josef Blomenhofer (Weltkirche-Beauftragter der Diözese), Weltkirche-Referent Gerhard Rott und Diözesanjugendpfarrer Domvikar Jürgen Konert. Kurz darauf trifft auch Bischof Hanke ein und bittet die Sternsinger- Delegationen, Grüße an alle daheimgebliebenen Aktiven auszurichten.

Neben dem Schulleiter des Beilngrieser Gymnasiums, Oberstudiendirektor Dr. Josef Schmid, richtet auch die stellvertretende Landrätin des Landkreises Eichstätt, Rita Böhm, ein Grußwort an die Kinder und Jugendlichen: „Eure Generation wird ‘mal viel in der Welt unterwegs sein, vielleicht ein globales Leben führen. Ihr habt viele Möglichkeiten, dafür zu sorgen, dass diese Welt zusammenwächst, vielleicht gerechter wird. Die Sternsinger-Aktion ist ein Schritt dazu.“ Mit ihrem Dank verbindet Böhm die Bitte: „Seid auch auf Eurem weiteren Lebensweg hilfreich – beim Roten Kreuz, bei kirchlichen Verbänden, bei der Feuerwehr oder beim THW, da gibt’s so viel, wo ihr helfen könnt.“

Ruhig und konzentriert verfolgen die Kinder und Jugendlichen dann den Dokumentarfilm „Kinder fordern ihre Rechte“, den Armin Maiwald („Die Sendung mit der Maus“) in Nicaragua, dem diesjährigen Beispielland der Sternsingeraktion, gedreht hat. Informationen aus erster Hand gibt es danach von Corinne und Gereon Wagener, die freiberuflich für das Kindermissionswerk Die Sternsinger arbeiten. Mit ihrem kleinen Sohn haben die beiden eine Zeit lang in Nicaragua gelebt und dabei neben großer Gastfreundschaft auch viel soziales Elend erlebt.

Die Hälfte aller Kinder schließe nicht einmal die Grundschule ab, weil sie den Eltern helfen müssten, den Lebensunterhalt zu verdienen, erzählen sie. Das Durchschnittsalter erstgebärender Mütter liege bei vierzehneinhalb Jahren. Gereon Wagener hebt eine Colaflasche mit gelblichem Inhalt in die Höhe und lässt die Sternsinger raten, um welche Flüssigkeit es sich handelt. Es ist weder Eierlikör noch Orangensaft, wie einige vermuten, sondern ein Schuhkleber, an dem Straßenkinder in Nicaragua schnüffeln – weil die Lösungsstoffe den Hunger überdecken, und weil die Kinder durch das Einatmen der billigen Droge ihr Elend kurzfristig vergessen. Die Dämpfe richten auf Dauer irreparable Schäden an, weil sie Lunge und Gehirn zerstören. [...]

Gabi Gess, Kirchenzeitung

Ausführlicher Bericht als PDF

 

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