"Jeden Tag beim Herrn feiern"

Bischof Hanke im Gespräch mit Ehejubilaren in der Willibaldswoche
Bischof Hanke im Gespräch mit Ehejubilaren in der Willibaldswoche

Am 2. Dezember von fünf Jahren wurde Gregor Maria Hanke OSB zum Bischof von Eichstätt geweiht

Hundert-Tage-Interview – ok, goldene, silberne Jubiläen – klar, aber fünf Jahre? Da gäbe es nichts zu feiern und nichts zu sagen, war die Antwort auf die erste Anfrage nach einem Interview zum fünften Jahrestag der Bischofsweihe Gregor Maria Hankes. Die KiZ blieb hartnäckig ...

KiZ: Herr Bischof, was werden Sie am 2. Dezember machen?

Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB: Ich bin weg von Eichstätt und verbringe Tage der Stille, Exerzitien. Der 2. Dezember fällt in diese stille Zeit hinein.

Was haben Sie all denen gesagt, die unbedingt den fünften Jahrestag Ihrer Bischofsweihe feiern wollten?
Bischof Hanke: Fünf Jahre, das ist doch noch kein wirklicher Anlass zum Feiern. Welcher Pfarrer feiert denn sein Fünfjähriges? In der Ehe braucht es bis zu den Jubiläen, die gefeiert werden, viele Jahre. Ich bin doch kein Politiker, der vielleicht am Ende seiner ersten Legislaturperiode steht. Die Pilgerreise des Glaubens im Miteinander geht weiter. Wir rasten und feiern, wenn wir uns gemeinsam dem Herrn in Gebet und Liturgie zuwenden. Jeden Tag kann ich beim Herrn feiern!

Welches waren die Höhepunkte, welches die Tiefpunkte in den zurückliegenden fünf Jahren?

Bischof Hanke: Natürlich gab es viele Höhen und Tiefen. Ich denke nur an den ganzen Krach mit der Katholischen Universität, den ich zu Beginn meiner Amtszeit als Bischof durchstand, ich erinnere mich an manchen anderen Ärger. Aber ich denke bei dieser Frage gleichfalls daran, dass ich so reich beschenkt bin durch zahllose wunderbare Begegnungen mit Menschen, draußen in den Pfarreien oder bei Konferenzen und Treffen. Menschen, die auf dem Weg des Glaubens sind, Menschen, die nach Gott suchen und fragen. Oder ich möchte stellvertretend nur auf Begegnungen im Dialogjahr mit der Jugend oder jüngst beim Weltjugendtag in Madrid verweisen. Dankbar lasse ich die Bilder von ergreifenden Gottesdiensten in mir aufsteigen, von den vielen Menschen, die mir im Gebet verbunden sind. Wenn ich darüber nachdenke, komme ich stets neu zur Erkenntnis: Wir sind doch weit mehr Beschenkte als Geplagte. Das Faszinierende auf dem Weg der Jüngerschaft ist, dass Gott mehr schenkt als er fordert. Das durfte ich reichlich erfahren. Je mehr man sich auf Gott einlässt, desto deutlicher wird dies. Und manches, was zunächst schwer erschien, kann sich als Aufgabe von Gott her und damit auch als Gabe erweisen.

Wie hat sich der Benediktinermönch Gregor Maria Hanke als Bischof verändert?

Bischof Hanke: Nun, über Änderungen bei sich soll man sich besser nicht selbst das Zeugnis ausstellen. Aber so einige Veränderungen merke ich selbst an mir. Ich kann hier nicht alles aufzählen. Schon am äußeren Tagesablauf hat sich einiges geändert. Ich kann als Bischof nicht mehr einfach einem festen Rhythmus und Wechsel von Gebet und Arbeit folgen wie im Kloster. Allein mein Aufgabenportfolio, die vielfältigen Anforderungen an mich und die daraus resultierende enge Zeitplanung haben den Lebensrhythmus verändert. Mein Leben ist schnelllebiger, unruhiger und bewegter geworden. Ich scheue nicht die Arbeit, manche halten mich sogar für ein Arbeitstier. Mitunter ist die Arbeitsbelastung sehr groß. Grundsätzlich will ich mich dennoch weiterhin leiten lassen von der Spiritualität des Mönchtums, aber nun weit mehr als Mönch im Getriebe des Lebens, oft unter dem Diktat eines eng getakteten Terminkalenders. Mein geistlicher Rhythmus, das persönliche Beziehungsleben mit Gott ist dabei nicht mehr so gestützt von den vielen guten Hilfsmitteln, die ein klösterliches Leben mit seinem Rahmen bietet. Da wird manchmal für mich die Mühe noch spürbarer, die neben dem Schönen zu einer Beziehung gehören kann, auch zur Gottesbeziehung. Andererseits bieten sich in diesem bewegten Leben auch neue Möglichkeiten, Menschen und Gott im Menschen zu begegnen. Ich komme noch viel mehr mit Menschen zusammen als im Kloster. Deren Wege kennenzulernen ist oft faszinierend. Da darf ich erfahren: Gott ist da, er ist unterwegs hinein in die Welt.

Was glauben Sie, wird die katholische Kirche in Deutschland, was die Diözese Eichstätt in den kommenden Jahren besonders herausfordern und beschäftigen?

Bischof Hanke: Die entscheidende Frage wird die nach der Weitergabe des Glaubens sein, wie es uns gelingt, den Menschen Geschmack an der Botschaft Jesu und am Leben mit der Kirche zu vermitteln. Es ist dies die Frage nach unserem missionarischen Selbstverständnis als Jüngerinnen und Jünger Jesu. Wir diskutieren, beraten und planen sehr viel bei uns in der Kirche in Deutschland. Missionarische Kraft braucht vor allem Bereitschaft zur Selbstevangelisierung. Selbstevangelisierung, das umfasst Faszination an der Person Christi und meine persönliche Hinwendung zu Christus, Vertiefung des Glaubenswissens und Dienstbereitschaft, Einsatz füreinander.

Interview: Michael Heberling; Kirchenzeitung

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