"Ich möchte keinen Tag missen!"

Bischof Hanke zu Gast in der Katholischen Hochschulgemeinde
Bischof Gregor Maria Hanke zu Gast in der Katholischen Hochschulgemeinde

Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB berichtete vom Leben im Kloster in der Hochschulgemeinde

Der Gemeindesaal der Katholischen Hochschulgemeinde Eichstätt füllte sich mehr und
mehr. Schließlich mussten sogar die Tische an der Rückwand als Sitze dienen, so groß war das Interesse. Denn ein besonderer Gast war als Referent des Abends gewonnen worden, der Eichstätter Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB. Er wollte im Rahmen des Semesterthemas "einfach leben" der Hochschulgemeinde den Studenten seine Erfahrungen, speziell die, die er als Benediktinermönch gemacht hat und macht, mitteilen.

Der Abend begann musikalisch. Die Zwillinge Daniela und Sandra Bergmaier aus Landshut trugen ihre Gedanken zu einfach leben auf dem Akkordeon vor. Danach begrüßte Hochschulpfarrer Pater Johannes Haas OFSF die rund 60 meist jungen Gäste, führte in das Thema ein und stellte die bisherigen Referenten und ihre Überlegungen oder Erfahrungen zu dem Thema vor.

Die Spanne ging von Bruder Martin aus Ingolstadt und seinem Einsatz für Obdachlose und Arme, über den Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Umgang mit
einer lebensbedrohlichen Krankheit oder einer körperlichen Behinderung.

Leben als Mönch

Seine Ausführungen begann Bischof Gregor Maria damit, dass er 25 Jahre als Mönch ein einfaches, eingeschränktes Leben geführt habe. Das heiße, ohne eigenes Auto, ohne eigene Wohnung, ohne Verfügungsgewalt über eigenes Geld. Auch als Abt des Klosters Plankstetten habe er Buch über jede seiner Ausgaben geführt, so, dass es jederzeit für den Prior des Klosters transparent war.

Auf Grund seiner Erfahrungen könne er sagen, dass einfach leben nicht klappe, wenn man mit einer besserwisserischen, weltverbessernden Einstellung herangehe. "Ich stelle manchmal fest, dass sich bei Menschen, die sich mühen ihren Ressourcenverbrauch einzuschränken, eine gewisse Verbissenheit einstellt."

Grund für ein erfülltes, glückliches, einfaches Leben sei, so der Eichstätter Oberhirte weiter, das Wissen von Gott angenommen und geliebt zu sein. Aus diesem Wissen erwachse die Lebensfreude, "die ich als Geschenk jeden Morgen neu empfange." Doch es gibt auch Eintrübungen dieser Lebensfreude.

Denn wenn auch die Sonne immer scheine, sehen wir sie manchmal nicht. Modern hießen diese Eintrübungen "0-Bock", die frühen Mönche nannten sie "Akedia" (= Ruhelosigkeit). Es ist die Unfähigkeit im Augenblick zu sein, die Weigerung, sich auf das einzulassen, was gerade ist. Akedia berge die Gefahr in sich vom einfachen Weg abzukommen. Der Mönchsvater Benedikt habe die Akedia als Krankheit bezeichnet, die der geistlichen Hilfe durch den Abt als Arzt bedürfe. Denn der, den die Akedia befallen habe, könnte weder mit Konzentration arbeiten, noch mit Andacht beten.

Statt ruhelos um sich selbst zu kreisen, solle man sich auf den Weg hinein in die Liebe Gottes machen. Eine gewisse Art der Leichtigkeit des Seins erhalte der, der auf diesem Weg bleibe. "Mit dieser Leichtigkeit verstünde ich die Wirklichkeit um mich – die Mitbrüder, die Menschen, denen ich begegne, die Natur mit all ihrer Schönheit – als Botschaft. Zudem verhindere diese Leichtigkeit des Seins, dass mein Ego nach Mehr strebe – gegen die Mitmenschen, die Umwelt und die Schöpfung."

Während man in den letzten Jahrzehnten aus dem Vollen schöpfte, setze sich derzeit mehr und mehr die Forderung nach ressourcenorientiertem Wirtschaften durch. Doch da dürfe man nicht stehen bleiben, sondern man müsse eine "Ökologie de Herzens" entwickeln. Dabei sei die Freude des Lebens weder an Besitz, den gesellschaftlichen Status noch die berufliche Karriere gebunden. Die Ökologie des Herzens führe zur Achtsamkeit nicht nur gegenüber der Umwelt, sondern auch im Umgang miteinander.

Dass Verzicht bereichern könne, habe er damals bei der Umstellung der Abtei Plankstetten auf ökologisches und nachhaltiges Wirtschaften erfahren dürfen. Die Umstellung auf saisonale, lokale Produkte löste zunächst eine gewisse Angst vor negativen Folgen des Verzichts aus. Wie solle zum Beispiel der Vitaminbedarf im Winter ohne Zitrusfrüchte gedeckt werden. Durch Gespräche wuchs in mir und den Mitbrüdern die Zuversicht, dass die Natur überall genug von allem anböte, damit der Mensch leben (überleben) könne. "Dann ersetzte das gute, alte Sauerkraut die Zitrusfrüchte als Vitaminlieferant."

Er habe gemerkt, dass Verzicht nichts Bedrohliches an sich habe, ja, dass einem dadurch sogar neue Lebensqualitäten geschenkt würden. "Seitdem weiß ich, wie gut zum Beispiel Brot schmecken kann!" Verzicht und Selbstbescheidung führe zur Selbstannahme und diene der eigentlichen Lebensfreude.

Im Innersten ein Mönch

Auf die Frage, ob ihm denn als Bischof das Kloster fehle, antwortete Bischof Hanke: "Ich merke, dass ich im Innersten ein Mönch bin." Vor allem fehlten ihm die Regelmäßigkeit des Gebets und die festen Gebetszeiten, auch wenn er im Bischofshaus versuche, zumindest die Laudes und Vesper – wann immer möglich – in der Hausgemeinschaft zu beten. "Ich möchte keinen Tag meines Klosterlebens missen, da ich die Erfahrung des Miteinanders in der Gemeinschaft erlebt und manchmal auch erlitten habe!"

Zum Schluss seiner Ausführungen gab der Eichstätter Bischof den Studenten noch einen Tipp, um gegen die Eintrübungen der Lebensfreude gewappnet zu sein: Jeden Abend den Tag überdenken und in ein Buch ein Erlebnis aufschreiben, das einen erfreute. "Sollte es Dir dann einmal schlecht gehen, hilft ein Blick in dieses angelegte ‘Trostbüchlein’."

Der Gemeindeabend zum Thema "einfach leben" der Hochschulgemeinde klang mit zwei musikalischen Gedanken der Bergmaier-Schwestern aus, wobei der erste zeigte, wie schwer einfach sein kann, der zweite dagegen beschwingt die Laune wieder hob.

Klaus Kreitmeir, Kirchenzeitung, Nr. 25 vom 17. Juni 2012

 

Die Wochenzeitung für die Gläubigen in der Diözese Eichstätt informiert über die Weltkirche und über die Ortskirche, kommentiert das Geschehen in Kirche und Gesellschaft, bietet Lebenshilfe und Unterhaltung und ist Forum des Meinungsaustausches unter den Lesern.

KONTAKT / ABO

Anschrift von Verlag und Redaktion:
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Telefon 08421/50-810
Fax 08421/50-820
verlag@kirchenzeitung-eichstaett.de

Bezugspreise: Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 6,00 € (5,00 € einschl. 7 % MWSt. + 1,00 € Zustellgebühr); durch die Post monatlich 6,90 €; Einzelnummer 1,60 €.