An der Wiege des Mönchtums

Im Pauluskloster in der Wüste (v. l.): Harrer, Anba Daminan, Hanke, Daniel und Thiermeyer

Reise einer Eichstätter Delegation nach Ägypten/Zeichen der Verbundenheit – Folge 1

Vor einem Jahr haben Europa und die westliche Welt die sogenannte Arabellion in Ägypten und Tunesien begeistert begrüßt. Damals hatten junge Menschen gegen die herrschenden Diktatoren rebelliert und Freiheit im westlichen Sinn, das heißt Religions-, Meinungs- und Pressefreiheit sowie freie Wahlen gefordert. Die Diktatoren wurden gestürzt. Aber führte das zu einem arabischen Frühling mit einer offenen, freien Gesellschaft? Inzwischen zeigt sich, dass sich die Arabellion sowohl in Ägypten, wie in den anderen Staaten Nordafrikas, nicht zu einer Bewegung in Richtung auf Demokratie und Freiheit des Individuums entwickelte, sondern immer mehr zur Arabisierung und damit zur Islamisierung. So sind in Ägypten bereits die Salafisten, die sich an den frommen Vorfahren orientieren und den Koran über alle weltlichen Gesetze stellen, und Muslimbrüder, die westliche Einflüsse ablehnen, an der Macht und in Tunesien bestimmen moderate Muslimbrüder die Geschicke des Landes.

Kirche der Märtyrer

Unter dieser Entwicklung, die Saudi-Arabien im letzten Jahr mit rund vier Milliarden Dollar für die Salafisten förderte, hat in Ägypten – dem ersten christlichen Land der Erde – vor allem die christliche Minderheit der Kopten zu leiden. Vor diesem Hintergrund kommt dem Solidaritätsbesuch bei den Christen in Ägypten durch eine Eichstätter Delegation, die aus Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB, Domdekan Willibald Harrer und dem Gründungsrektor des Collegium Orientale und heutigem Wallfahrtsrektor und Leiter des Diözesanjugendhauses Habsberg, Archimandrit Dr. Andreas-A. Thiermeyer bestand, eine besondere Bedeutung zu. Zumal sie die einzige Solidaritätsreise aus der Westkirche in das Land am Nil seit dem politischen Umbruch in Ägypten ist. Die Idee zu der Solidaritätsreise, auf Einladung des Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche Papst Shenouda III., hatte der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, der die Eichstätter Delegation begleitete.

Der Begriff Kopten wurde zunächst für die Bewohner Ägyptens gebraucht, die die ägyptische Sprache benutzten, aus der im dritten nachchristlichen Jahrhundert die koptische Sprache entstand. Doch wird nach dem siebten Jahrhundert, der Eroberung Ägyptens durch die muslimischen Araber, Kopten zu der Bezeichnung für die Christen der koptischen Kirche. Gründer und erster Bischof dieser Kirche war der Überlieferung nach der Apostel und Evangelist Markus, der ab dem Jahr 50 mit der Missionierung Ägyptens begann und im Jahr 68 nach Christus in Alexandria als Märtyrer starb.

Die koptische Kirche wird auch Kirche der Märtyrer genannt. Ihr eigener Kalender, der sogenannte Märtyrerkalender, beginnt mit dem Jahr der Thronbesteigung des oströmischen Kaisers Diokletian (284-305), der während der Christenverfolgungen nicht weniger als 800.000 Kopten ermorden ließ. Doch stärkte die Verfolgung und die Glaubenstreue der Märtyrer das Christentum in Ägypten bis heute – das Jahr 1728 nach koptischem Kalender. Leben und Tod eines Glaubenszeugen pro Tag sind im Märtyrerbuch Synaxariom festgehalten, das jeden Sonntag in der Kirche verlesen wird. Das Christentum breitete sich im ganzen Land aus und so wurde Ägypten zum ersten christlichen Land der Erde. Im fünften Jahr-hundert kam es in Folge der Auseinandersetzungen nach dem Konzil von Chalcedon (451) um die Frage des Verhältnisses der göttlichen und der menschlichen Natur Jesu Christi zur Abspaltung unter anderem der Kopten von der orthodoxen und der katholischen Kirche.

Die koptische Kirche gehört, wie die syrische, armenische oder äthiopische Kirche, zu den alt-orientalischen Kirchen, die von den orthodoxen Kirchen und der rö-misch-katholischen Kirche als Monophysiten bezeichnet wurden, da sie im Gegensatz zum Konzil die Position vertreten, dass Christus vollkommen göttlich sei und nur eine Natur, nämlich eine göttliche habe. Im siebten Jahrhundert wurde Ägypten von den muslimischen Arabern erobert und so sank die Zahl der Christen bis zur ersten Jahrtausendwende auf etwa 50 Prozent.

Heute stellen die Christen  zwischen zehn und 15 Prozent der rund 85 Millionen Ägypter, von denen jeder Zweite jünger als dreißig Jahre ist. Heute lebt ein Großteil der Kopten in und um die Hauptstadt Kairo und in den mittleren Nil-Gouvernements al-Asiut, al-Mina und Quina. […]

Klaus Kreitmeir, Kirchenzeitung

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