„Ach, die Krippenfreunde ...“

Krippenfreunde aus Freystadt bei Papst Benedikt XIV.
Krippenfreunde aus Freystadt bei Papst Benedikt XIV.

Der Krippenverein Freystadt überbrachte Papst Benedikt eine Oberpfälzer Krippe als Geschenk

Erhard Benz aus Obernricht, Vorsitzender des Krippenvereins Freystadt, auf das Gespräch vorbereitet. Ein Stapel Fotos liegt neben dem Adventskranz auf dem Tisch im Esszimmer, auf der Eckbank in Aktenordnern und Alben weitere Aufnahmen von dem Ereignis, auf das er über zwei Jahre lang hingearbeitet hat: die Pilgerfahrt der Oberpfälzer Krippenvereine nach Rom, bei der Papst Benedikt XVI. eine Oberpfälzer Krippe als Geschenk überreicht wurde.

Die Idee zur Pilgerfahrt kam dem Vorsitzenden des 2002 gegründeten Vereins bei der 2008 in Freystadt stattgefundenen Landestagung des Verbands der bayerischen Krippenfreunde, zumal der frühere Verbandspräsident der bayerischen Krippenfreunde und frühere Direktor des Studienseminars St. Michael in Traunstein, Thomas Frauenlob, seit 2006 in Rom tätig ist. Die Erzdiözese München und Freising hatte ihn zum Promotionsstudium und zur Mitarbeit in der Bildungskongregation freigestellt. Zwar war Frauenlob 2006 als Verbandspräsident zurückgetreten, aber der gute Kontakt zu den Krippenfreunden blieb.

Reger Briefwechsel

Bestärkt durch die guten Verbindungen nach Rom und unterstützt von den Bischöfen der Diözesen Eichstätt und Regensburg, Dr. Gregor Maria Hanke OSB und Dr. Gerhard Ludwig Müller, und vom derzeitigen Präsidenten der Krippenfreunde, dem Dingolfinger Stadtpfarrer Martin Martlreiter, fasste der dreifache Familienvater den Entschluss, um eine Audienz beim Papst aus Bayern als Höhepunkt der Pilgerfahrt zu bitten, an der sich neben dem Verein aus Freystadt auch die aus Amberg, Regensburg und Tirschenreuth beteiligen wollten.

Das Geschenk für den Papst aus Bayern stand fest. Eine besondere Krippe sollte es sein mit einem Glasdom und Figuren in typisch Oberpfälzer Tracht. Erhard Benz entwarf die Gravur des Glasdomes, die den Petersdom mit den Kolonnaden zeigt. „Meine Idee war, dass die Kolonnaden die Oberpfälzer Krippe umarmen sollten“, erläutert der Vereinsvorsitzende und fügt mit väterlichem Stolz hinzu, dass ihn sein Ältester bei der Realisierung unterstützt habe.

Die ersten Briefe an die päpstliche Präfektur wurden gesandt, denen noch etliche folgten. Obwohl eine Antwort ausblieb, gab Benz die Arbeiten für das Geschenk in Auftrag. Die Krippenfiguren schnitzte ein niederbayerischer Schnitzer, der Glasdom wurde in Frauenau gefertigt, eine Glasdesignerin sorgte dafür, dass Erhards Benz Ideen auf den Glasdom kamen und eine Kunststickerei schuf das goldgestickte päpstliche Wappen. „Dabei ist uns damals ein Fehler unterlaufen“, gesteht Benz, „denn wir haben das Papstwappen mit der Tiara als Kopfbedeckung über dem Wappenschild sticken lassen, die Papst Benedikt aber nicht in sein persönliches offizielles Wappen aufgenommen hat, sondern durch eine einfache Mitra ersetzen ließ.“ Schließlich wurde im Vorgriff auf das zehnjährige Bestehen des Vereins 2012 eine Standarte in Auftrag gegeben, die in Rom den päpstlichen Segen erhalten sollte.

Bewegende Momente

Mitte 2011 waren alle Vorbereitungen abgeschlossen, die Reise gebucht. Ohne Zusage aus Rom machten sich 55 Krippenfreunde, 37 davon aus Freystadt, mit Geschenk und Standarte auf den Weg in die Ewige Stadt und dort zur Generalaudienz auf den Petersplatz. Auch im Kuvert mit den Karten für die Generalaudienz keine Mitteilung, ob die Krippenfreunde eine Audienz beim Papst erhalten, ja, sie fehlten sogar bei der offiziellen, namentlichen Begrüßung.

Die Minuten danach wird Erhard Benz sein Leben lang nicht vergessen. Er stand ganz nahe beim Heiligen Vater, der die Gäste aus der Oberpfalz mit den Worten „Ach – die Krippenfreunde“ und einem Lächeln begrüßte. Sichtlich gerührt nahm Papst Benedikt XVI. das Geschenk entgegen, betrachtete es sehr genau und erkundigte sich ausführlich beim Vereinsvorsitzenden – länger als es das Protokoll vorsah. Zum Abschluss der Begegnung ermutigte er die Krippenfreunde mit einem „Macht’s weiter so!“ und segnete die Standarte, indem er das Kreuzzeichen schlug.

Klaus Kreitmeir, Kirchenzeitung

 

Die Wochenzeitung für die Gläubigen in der Diözese Eichstätt informiert über die Weltkirche und über die Ortskirche, kommentiert das Geschehen in Kirche und Gesellschaft, bietet Lebenshilfe und Unterhaltung und ist Forum des Meinungsaustausches unter den Lesern.

Anschrift von Verlag und Redaktion:
Postfach 12 63, 85066 Eichstätt
Geschäftsräume:
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Telefon 08421/9781-0,
Fax 08421/9781-20,
verlag@kirchenzeitung-eichstaett.de

Bezugspreise: Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 6,00 € (5,00 € einschl. 7 % MWSt. + 1,00 € Zustellgebühr); durch die Post monatlich 6,90 €; Einzelnummer 1,60 €.