
aus: Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt, Nr. 17, 16. April 2006.
Originalartikel im PDF-Format zum Download
Wer das Osterfest feiert, der sieht mehr. Wer an die Auferstehung Jesu glaubt, der begreift sein Leben anders. Davon war der 1994 verstorbene Bischof von Aachen, Klaus Hemmerle, überzeugt. Hemmerle wünschte den Menschen deshalb „Osteraugen“. Augen, die sich selbst und die Welt im Licht von Ostern zu sehen lernten.
Für die Bibel beginnt Ostern zögerlich. Die Freunde Jesu hatten nicht sofort Osteraugen. Sie begriffen erst nach und nach, was es bedeutete, dass das Grab leer war. Sie konnten es anfangs gar nicht fassen, dass Jesus auferstanden war. Und es brauchte Zeit, bis sie begriffen, was das für ihr Leben bedeutete: Sie mussten sich nicht mehr voller Angst einsperren, sondern durften immer und überall mit dem auferstandenen Jesus rechnen. Die Freunde Jesu haben also erst langsam „Osteraugen“ bekommen.
Wie könnten Sie Augen, Ohren und Herz für das Ostergeschehen schärfen? Einige Hinweise wollen eine Anregung sein:
Osteraugen beginnen vielleicht ganz langsam klar zu sehen. Aber sie helfen, mit dem Auferstandenen zu rechnen. Sie machen Mut, bewusst zu leben. Der Wunsch von Klaus Hemmerle ist auch mein Wunsch an Sie. Er schreibt:
Ich wünsche uns Osteraugen ,
die im Tod bis zum Leben,
in der Schuld bis zur Vergebung,
in der Trennung bis zur Einheit,
in den Wunden bis zur Herrlichkeit,
im Menschen bis zu Gott,
in Gott bis zum Menschen,
im Ich bis zum Du
zu sehen vermögen.
Und dazu alle österliche Kraft.
Ihr Michael Kleinert, Pfarrer im Exerzitienreferat