15.03.2008 12:32

Beschluss der Vollversammlung: Wir brauchen eine familiengerechte Arbeitswelt und nicht eine arbeitsgerechte Familie.

Beschluss der Vollversammlung des Diözesanrates am 15.03.08 in Neumarkt

Der Sachausschuss „Berufs- und Arbeitswelt“ des Diözesanrates hat am 13. Oktober 2007 unter dem Titel „Familienfreundliche Personalpolitik – nur ein Wirtschaftsfaktor?“ im Bistumshaus Schloss Hirschberg mit Experten diskutiert, wie sich eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf erreichen lässt.

Das Ergebnis dieser Diskussion und die Position des Diözesanrates lässt sich wie folgt darstellen:

Positionspapier des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Eichstätt: Wir brauchen eine familiengerechte Arbeitswelt und nicht eine arbeitsgerechte Familie.

Bereits in der Enzyklika ,,Laborem exercens" von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1981 findet sich die Forderung, dass es für eine Mutter möglich sein muss, ohne psychologische oder praktische Diskriminierung (Nr. 19) ihre Aufgabe im Dienst für die Familie zu erfüllen. Diese Forderung ist heute nach unserer Ansicht auf beide Elternteile zu beziehen. Wir sprechen uns für ein Familienleitbild „partnerschaftliche Familie“ aus, bei dem die Verantwortung für alle Anliegen der Familie (Einkommen, Erziehungs-, Betreuungs- und sonstige Familienpflichten einvernehmlich geteilt und gemeinsam getragen wird.

Die Verwirklichung der partnerschaftlichen Familie gelingt am besten, wenn die Arbeitswelt auf die familiären Belange der Beschäftigten flexibel reagiert. Müttern soll die Teilhabe am Berufsleben und Vätern eine stärkere Familien- und Erziehungsbeteiligung ermöglicht werden. Die personalpolitische Realität muss durch selbstverständliche Beteiligung von Müttern und Vätern in beiden Lebensbereichen (Familie und Beruf) geprägt werden. Familie zu haben und darauf Rücksicht nehmen zu können, sollte der ,“Normalfall“ sein und nicht ein Nachteil der Beschäftigten.

Damit dieses Ziel erreicht wird, erwarten wir von der Politik, den christlichen Kirchen und der Gesellschaft, dass sie Rahmenbedingungen schaffen. die mithelfen eine familiengerechtere Arbeitswelt zu entwickeln. Dazu gehören insbesondere:

  • der Ausbau der finanziellen Förderung von Familien (höheres Kindergeld, höhere Freibeträge, Betreuungsgeld)

  • eine bessere soziale Absicherung (v.a. Altersversorgung) von Müttern und Vätern, insbesondere auch in Teilzeit

  • der Aufbau eines qualifizierten, erreichbaren und bezahlbaren Angebots an Kinderbetreuung

  • der Ausbau des Angebots an Ganztagsschulen

Es gibt viele gute Beispiele von Unternehmen, die beweisen, dass familienfreundliche Personalpolitik auch dem Unternehmen nutzt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind motivierter, die Fehlzeiten sind niedriger und die Fluktuation ist geringer. Elternkompetenzen sind auch in der Arbeitswelt nützlich. Damit das Ziel einer familiengerechten Arbeitswelt noch weiter umgesetzt werden kann, fordert der Diözesanrat Eichstätt:

  • den Ausbau von Managementinstrumenten, die zu einer Förderung von familienbewusster Personalpolitik führen (z.B. durch externe Audits)

  • eine Bevorzugung familienfreundlicher Unternehmen bei öffentlichen, insbesondere auch kirchlichen Ausschreibungen

  • den Ausbau und die weitere Entwicklung familiengerechter Arbeitszeitmodelle und deren tarifrechtliche Absicherung

  • Reintegrations- und berufliche/betriebliche Weiterbildungsmaßnahmen während der Zeit der Kindererziehung.

Antragsteller: Sachausschuss ,,Berufs- und Arbeitswelt"