Beschluss der Vollversammlung des Diözesanrates am 15.03.08 in Neumarkt i.d.Opf.
Antragsteller: SA Kirche und Umwelt
Wir Christen sind in besonderer Weise verpflichtet zu einem sorgsamen und verantwortungsvollem Umgang mit der Schöpfung Gottes. Beim Einsatz jeder technischen Neuerung müssen wir uns fragen: Wird der Einsatz allen gegenwärtigen und zukünftig lebenden Generationen gerecht?
Unter Abwägung aller Gesichtspunkte beantworten wir diese Frage für den Einsatz von AGRO-Gentechnik mit Nein.
Insbesondere begründen wir dieses Nein damit, dass
die AGRO-Gentechnik verbunden mit der Patentierung von Tieren und Pflanzen einen nicht da gewesenen Eingriff in die Natur darstellt
die AGRO-Gentechnik wenigen Konzernen die weltweite Kontrolle über die Nahrungsmittelproduktion verschafft
das Jahrtausende alte Recht der Landwirte, keimfähiges Saatgut aus der eigenen Ernte zu gewinnen, nicht abgeschafft werden darf
die Zahlung von Lizenzgebühren für Saatgut die Landwirte in eine bisher nicht gekannte wirtschaftliche Abhängigkeit bringt
besonders in den Ländern Asiens, Afrikas und Süd- und Mittelamerikas dadurch die kleinbäuerlichen Strukturen gefährdet sind
unabschätzbare Folgen durch vielfältige Resistenzbildungen zu befürchten sind, die immer toxischere Unkraut- und Schädlingsbekämpfungmittel erfordern
da diese Mittel von den gleichen AGRO-Konzernen hergestellt werden, die auch das Saatgut vertreiben, erhöht sich noch die Abhängigkeit der Landwirte
durch die absolute Kontrolle der AGRO-Konzerne entsteht in der dörflichen Struktur ein Klima des Misstrauens und der Angst, das menschliches Miteinander und Nachbarschaftshilfe zerstört
die Entscheidung für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen wegen der Gefahr der Auskreuzung unumkehrbar ist; besonders groß ist die Gefahr bei Kreuzblütlern wie Raps
ein „Mehrwert" durch den Einsatz von AGRO-Gentechnik, der nicht auch durch die Rücksichtnahme auf natürliche Grenzen und die kreative Anwendung erprobter bäuerlicher Methoden und Techniken zu erzielen ist, nicht nachgewiesen werden kann
eine Koexistenz von landwirtschaftlichen Betrieben mit und ohne den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen unmöglich ist. Die Erfahrung aus Nordamerika zeigt, dass die Festlegung von Abstandsflächen sinnlos ist
die gesundheitlichen Risiken für die Verbraucher nicht zuverlässig abschätzbar sind. Leider müssen Nutztiere auch in Deutschland mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert werden, weil schon jetzt nicht mehr genügend gentechnikfreies Soja auf dem Markt ist.
Vernunft und christliche Verantwortung begründen deswegen eine klare Absage an den Einsatz der AGRO-Gentechnik. Noch besteht die Chance zumindest in Europa eine weitgehend unveränderte Flora und Fauna zu erhalten.
Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Eichstätt fordert deshalb die Politiker aller Parteien auf, die Ausbringung von gentechnisch veränderten Organismen im Freiland zu stoppen.
Der Diözesanrat begrüßt und unterstützt ausdrücklich alle Bemühungen zur Bildung gentechnikfreier Zonen mit dem Ziel einer gentechnikfreien Umwelt.