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28.08.2014

Sprache als Schlüssel - Deutschkurse für Asylbewerber

Heike Müller-Fuhrmann (rechts) gibt Halima aus Nigeria Deutschstunden – in Buxheim helfen den Asylbewerbern viele Ehrenamtliche beim Einleben. pde-Foto: Anika Taiber

Eichstätt. (pde) – Möchten ist ein schweres Wort. Vor allem das „ch“ – „Möckten. Möschten“, probiert Halima. „Chhh“, macht Heike Müller-Fuhrmann vor, zieht den Laut lang, bis ihr die Luft ausgeht. „Ich weiß, das ch ist schwierig!“

Es ist Freitagvormittag, heute geben Müller-Fuhrmann und Bettina Roßmann bei den Asylbewerbern in Buxheim Deutschkurse. Halima ist 27 Jahre alt und stammt aus Nigeria. In den Deutschstunden mit den Ehrenamtlichen aus der Nachbarschaft strengt sie sich besonders an: „Ich mag das sehr, dass ich hier diese Chance habe.“

Heute stehen ein paar Sätze an, die Halima zwar auf Englisch sagen kann, aber nicht auf Deutsch. Dinge, die sie fast jeden Tag braucht: „Wann kann ich zu Bettina kommen?“ „Wo finde ich den Bahnhof?“ „Ich habe gestern meine Freunde getroffen.“ Künstlerin Müller-Fuhrmann beginnt mit dem Thema Fragewörter. „Wir haben ganz viele Fragewörter mit W. Wo, was, wann, warum, wie – die stehen dann alle am Anfang des Satzes.“ Müller-Fuhrmann schreibt die Wörter an die kleine Tafel an der Wand, Halima in ihr Heft. Sie übersetzen die Wörter auf Englisch, da versteht Halima das meiste. Dann soll sie Beispielsätze machen: „Wo wohnt Bettina?“ „Wann kann ich mit dem Bus fahren?“ Die Satzstellung ist kompliziert, das Verb nicht immer da, wo es hingehört. Geduldig wiederholt Müller-Fuhrmann die Sache mit dem Hilfsverb.

Seit Anfang des Jahres wohnt ein gutes Dutzend Asylbewerber in dem Haus in der Mitte von Buxheim. Seit den Osterferien haben sich viele Freiwillige aus dem Ort bereit erklärt, verschiedene Aufgaben zu übernehmen und den Asylbewerbern zu helfen. Seither gibt es zum Beispiel Fahrdienste, Hilfe bei Anträgen und Sprachkurse – acht Ehrenamtliche bieten über die Woche verteilt Deutschstunden an.

Müller-Fuhrmann hat wie die meisten der Ehrenamtlichen keine Erfahrung darin, Deutsch zu unterrichten. „Wir haben in Stammham geschnuppert, wie die es dort machen, bevor wir hier angefangen haben – und dann beschlossen, einfach mal zu starten.“ Seither lernen beide Seiten: die Asylbewerber Deutsch, die Ehrenamtlichen, was funktioniert und was nicht. Die Wünsche der Asylbewerber sind oft sehr unterschiedlich: „Wir wollen versuchen, möglichst das zu behandeln, was sie gerade brauchen.“

Müller-Fuhrmann will den Asylbewerbern mit ihrem Engagement vor allem eines zeigen: dass sie in Buxheim willkommen sind. „In einem ländlichen Dorf wie hier ist es für Zugezogene nicht leicht, gleich reinzukommen.“ Mit dem Sprachkurs möchte sie den Asylbewerbern in erster Linie das alltägliche Leben erleichtern, zum Beispiel das einkaufen. Sie selbst hat zwei Jahre in Italien gelebt: „Ich weiß, dass die Sprache der Schlüssel ist, um sich wohlzufühlen.“

Bewundernswert findet Müller-Fuhrmann die Motivation vieler Asylbewerber: „Manche wissen ja noch nicht mal, ob sie ihr Asylverfahren in Deutschland haben werden – und sie hängen sich trotzdem richtig rein.“

Trotzdem gibt es auch ein paar Schwierigkeiten in ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Wenn das Interesse am Sprachkurs bei manchen nicht so groß ist, zum Beispiel. Aber dafür würden sich andere umso mehr bemühen: „Wir backen dann auch mal zusammen einen Kuchen oder frühstücken gemeinsam, um den Lernstoff gleich praktisch zu üben.“

Halima freut sich über das, was sie heute gelernt hat. „Manche finden ja, dass sie zu alt sind, um noch einmal wie in der Schule zu lernen – aber ich denke, das ist eine große Chance.“ Sie schaut zu Müller Fuhrmann und lacht. „Und mit Heike macht das richtig viel Spaß.“

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