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30.11.2016

Herausforderung "Integration": Runder Tisch von Caritas, Kolping und Jugendmigrationsdienst

Rund 40 Engagierte im Bereich Integration und Migration nahmen am runden Tisch von Caritas, Kolping und Jugendmigrationsdienst im Landratsamt teil. Foto: Caritas/Esser

Eichstätt. – "Wir sind über das ‚Ankommen‘ hinaus. Jetzt geht es um das ‚Integrieren‘." Mit diesen Worten brachte Christine Pietsch, Ehrenamtskoordinatorin im Fachbereich Asyl des Landratsamtes Eichstätt, den Wandel in der Flüchtlingsarbeit beim runden Tisch "Migration und Integration" im Landkreis am Dienstagnachmittag, 29. November, auf den Punkt. Dass diese veränderte Aufgabenstellung nicht weniger herausfordernd ist, machte allein die Anzahl der Beteiligten an der von der Caritas-Kreisstelle, dem Kolping-Bildungswerk Eichstätt und dem Jugendmigrationsdienst des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschland (CJD) organisierten Zusammenkunft deutlich: Rund 40 Vertreterinnen und Vertreter von Schulen, Sozialverbänden, Kirchen, Katholischer Universität Eichstätt-Ingolstadt und anderen Organisationen – so viele wie noch nie zuvor – kamen im Landratsamt Eichstätt zusammen, um über Integrationshindernisse zu diskutieren und sich über Chancen der Zusammenarbeit auszutauschen.

20 Prozent "Fehlbeleger"

Christine Pietsch informierte in einem Impulsvortrag über die aktuelle Situation. Nach ihren Angaben gibt es derzeit im Landkreis gut 1.800 geflüchtete Menschen in Unterkünften, darunter knapp 1.450 Asylbewerber. Die anderen rund 20 Prozent mit gut 360 Personen seien "Fehlbeleger", also bereits anerkannte Flüchtlinge, die in den Unterkünften weiterhin wohnen, weil sie keine andere Wohnung finden. "Das Fehlen von Wohnraum ist eines der akutesten Probleme, die wir haben", wiederholte die Landratsmitarbeiterin und frühere Caritas-Asylberaterin eine Problematik, die bereits in den vergangenen Jahren immer wieder bei dem runden Tisch thematisiert wurde. Auf ein anderes Integrationshindernis machte die Geschäftsführerin der Volkshochschule Beilngries, Petra Pfaller, aufmerksam. Sie bedauerte, dass afghanische Flüchtlinge bisher nicht an Integrations-Sprachkursen teilnehmen können, weil sie nicht zu den Asylbewerbern mit hoher Bleibeperspektive zählen – anders als solche aus den Ländern Eritrea, Irak, Iran, Syrien und Somalia. Dabei sind laut Christine Pietsch Afghanen mit über 660 Geflüchteten mit Stand vom 31. Oktober dieses Jahres derzeit die mit Abstand größte Asyl-Bevölkerungsgruppe im Landkreis. "Wünschenswert wäre, dass zumindest afghanische Familien mit  Kindern, die ganz offensichtlich nicht abgeschoben werden dürfen, Zugang zu den Integrationskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bekommen", so Petra Pfaller.

Darauf, dass die Anerkennungsverfahren allgemein sehr unterschiedlich verlaufen, machte Angela Müller, Asylberaterin der Caritas-Kreisstelle Eichstätt aufmerksam: "Wir haben Asylbewerber, die auch nach drei Jahren noch keinen Bescheid bekommen haben. In anderen Fällen passiert das innerhalb von drei Monaten." Auf die widersprüchliche Situation, dass einerseits zugewanderte Menschen in Arbeit gebracht werden sollen und andererseits händeringend Mitarbeitende gesucht werden, wies die Lehrerin an der Altenpflegeschule Eichstätt Sylvia Plank hin: "Im Moment kann unsere Schule den Bedarf an Pflegepersonal nicht decken, wir brauchen dringend Nachwuchs." Voraussetzung sei allerdings, dass zugewanderte Menschen für eine Ausbildung in der Pflege zumindest einen Hauptschulabschluss nachweisen und so gute deutsche Sprachkenntnisse haben, dass sie im Unterricht folgen und im Praktikum mit alten Menschen sich verständigen können.

Mehr wollen in Arbeit verhelfen

Christine Pietsch teilte mit, es gebe im Landkreis derzeit rund 35 Helferkreise mit insgesamt rund 300 Ehrenamtlichen für geflohene Menschen, die sehr unterschiedlich aufgebaut seien: "einige mehr wie Stammtische, andere strukturierter". Als häufigste ehrenamtliche Tätigkeiten in diesem Bereich nannte sie das Erteilen von Sprachkursen und die Übernahme von Fahrdiensten. Inzwischen gebe es aber auch viele, die helfen, "Zugänge zur Arbeitswelt" für die Betroffenen zu suchen. Dass die Herausforderung Migration und Integration sich nicht auf Asylbewerber beschränkt, machte unter anderem die Leiterin des CJD-Jugendmigrationsdienstes in Eichstätt, Monika Rilk, deutlich. Dieser Dienst berät und begleitet zugewanderte junge Menschen zwischen zwölf und 27 Jahren mit festem Aufenthalt in Deutschland mit individuellen Förderplänen. Er wird Monika Rilk zufolge ab Januar 2017 eine weitere halbe Stelle für eine pädagogische Fachkraft zur Verfügung stellen. Gesucht würden aber auch Ehrenamtliche, die außerschulische Hausaufgabenhilfe leisten möchten. Dies könnten sowohl Studenten als auch Engagierte in Helferkreisen sein. "Es sollten Leute sein, die das langfristig machen wollen", wünschte sich Monika Rilk. Interessierte können sich an sie wenden unter info.eichstaett(at)cjd(dot)de.

Der Leiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Bistum Eichstätt, Gerhard Nechwatal, teilte mit, er habe vor kurzem erstmals ein Ehepaar aus Afghanistan in Begleitung eines Dolmetschers beraten. Zudem informierte er, dass die Katholische Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen des Sozialdienstes katholischer Frauen Ingolstadt "sehr viel Zulauf" an Asylbewerberinnen habe. Ihre Zusammenarbeit zum Wohl von zugewanderten Menschen boten bei dem runden Tisch unter anderem auch Vertreterinnen und Vertreter des Malteser Hilfsdienstes im Bistum Eichstätt, des Zentrums Flucht und Migration an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, der Fachstelle gegen sexuelle Gewalt "WEIche" in Ingolstadt und des Deutsch-Türkischen Elternvereins Eichstätt an. Dessen Mitglied Kurt Dinler lud Asylbewerber und Menschen mit Migrationshintergrund ein, durch eigene musikalische, tänzerische und andere kulturelle Beiträge am Kinderfest dieses Vereins am 21. Mai 2017 mitzuwirken. "Dieses Fest soll internationaler werden", sagte Dinler. Interessierte können ihre Ideen an mehmetdinlerbafra(at)hotmail(dot)com schicken.

Quelle: Caritas Diözesanverband Eichstätt