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19.01.2013

Hanke: Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs geht weiter – Neujahrsempfang des Eichstätter Diözesanrates

Bischof Gregor Maria Hanke (links) verleiht die Bistumsmedaille in Silber an Waltraud Heppner (rechts) und Hans Heppner (zweiter von Rechts). Mit im Bild ist der stellvertretende Vorsitzende des Eichstätter Diözesanrates, Professor Dr. Klaus Stüwe.

Eichstätt. (pde) – Durch den Ausstieg der Katholischen Kirche aus dem Forschungsprojekt mit Professor Christian Pfeiffer ist das Thema „Aufklärung und fachliche Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche“ keineswegs abgesagt worden, betonte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke bei seinem Grußwort anlässlich des Neujahrsempfangs des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Eichstätt. Allerdings war die Zusammenarbeit mit Professor Pfeiffer hinsichtlich des Datenschutzes und „der Verlässlichkeit von getroffenen Abmachungen“ so schwierig geworden, dass es schließlich zum Bruch kam. Hanke zog einen Vergleich mit dem Sport: „Wir verlassen nicht das Spielfeld, brauchen aber einen neuen Trainer.“

Den Bischöfen stelle sich allerdings nach den Worten Hankes die Frage, weshalb das Projekt überhaupt „mit Christian Pfeiffer geschnürt wurde, der doch von manchen seiner Fachkollegen skeptisch und kritisch beurteilt wird“. Es erhebe sich auch die Frage, weshalb die Kirche nicht an einen der renommierten Wissenschaftler dachte, mit denen sie schon zusammenarbeitete.

Dass die Kirche ernsthaft und entschieden mit dem Thema des  sexuellen Missbrauchs umgehen möchte, zeigt auch das vorliegende Präventionskonzept des Bistums Eichstätt. Die konkrete Pastoral, die Caritas, der Religionsunterricht und die Schulpastoral müssen zusammenwirken, um das Wohl des Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. In diesem Zusammenhang erinnerte Bischof Hanke auch an den Zusammenhang zwischen dem Schutz des Lebens und der Bewahrung der Schöpfung. Der Mensch müsse neu über das Leben nachdenken, welches ein Geschenk Gottes an den Menschen sei. Dazu gehöre auch eine Reflexion über den Umgang mit den Ressourcen der Erde.

Der stellvertretende Vorsitzende des Diözesanrates, Professor Dr. Klaus Stüwe, machte die bedrohte Religionsfreiheit weltweit, aber auch das Zurückdrängen des Christentums in Europa zum zentralen Thema der Neujahrsansprache, die er in Vertretung des erkrankten Diözesanratsvorsitzenden Christian Gärtner hielt. Stüwe forderte dazu auf, sich für die christlichen Grundsätze in der Politik einzusetzen. Dabei erinnerte er daran, dass viele der Grundhaltungen innerhalb der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, ihre Wurzeln in den christlichen Werten haben. Ehe und Familie sind in diesem Zusammenhang keine Lebensform unter vielen, sondern die Keimzelle der Gesellschaft. Eine gezielte finanzielle Förderung von Familien sei eine logische Konsequenz daraus.

Vor Beginn des Neujahrsempfangs versammelten sich die Gäste zu einem ökumenischen Gottesdienst im Eichstätter Dom zum Auftakt der Gebetswoche für die Einheit der Christen. Den Wortgottesdienst leitete der Bischof von Eichstätt Gregor Maria Hanke zusammen mit Regionalbischof Hans-Martin Weiss, Regensburg, als Vertreter der evangelisch-lutherischen Kirche, Superintendent Wolfgang Rieker, Nürnberg, als Vertreter der evangelisch-methodistischen Kirche sowie Andreas Yezekyan aus dem Eichstätter Collegium Orientale als Vertreter der armenisch-orthodoxen Kirche.

Bistumsmedaille für Waltraud und Hans Heppner

An das Ehepaar Waltraud und Hans Heppner verlieh Bischof Gregor Maria Hanke die Bistumsmedaille in Silber im Rahmen des Neujahrsempfangs des Diözesanrates. Über Jahrzehnte hat sich das Ehepaar Heppner  für die Deutsch-Tschechische Versöhnung eingesetzt. Hans Heppner war seit 1978 Vorsitzender der Ackermanngemeinde im Bistum Eichstätt, von 1994 bis 2006 war er Vorsitzender des Sachausschusses Christliche Ostarbeit im Diözesanrat. Im Jahr 2006 übernahm seine Frau Waltraud Heppner den Vorsitz im Sachausschuss, den sie erst 2012 wieder abgab. Beide waren maßgebliche Initiatoren und Träger der Diözesanpartnerschaft zwischen den Bistümern Eichstätt und Leitmeritz/Litom??ice in Nordböhmen.

Seit 1995 lädt das Ehepaar Heppner Studenten der Theologie aus Tschechien und der Slowakei, die einen Deutschkurs an der Universität Heidelberg absolvieren, im August zu sich nach Wemding ein. Daraus haben sich mittlerweile eine Vielzahl von Kontakten ergeben. Seit vielen Jahren organisiert Familie Heppner jeweils im September zusammen mit dem Sachausschuss Christliche Ostarbeit eine Wallfahrt der Vertriebenen für Versöhnung und Frieden in die Wallfahrtskirche Maria Brünnlein in Wemding.

Die Bistumsmedaille ist ein erstmals im Jahr 2011 verliehenes Anerkennungszeichen, das für herausragendes ehrenamtliches Engagement vor allem und primär auf diözesaner Ebene vom Bischof verliehen werden kann. Die Bistumsmedaille wurde von dem aus Neuburg/Donau stammenden und im Jahr 2012 verstorbenen Bildhauer Max Faller geschaffen. Sie zeigt eine Darstellung der "Dreimal wunderbaren Mutter" aus dem Ingolstädter Münster, zusammen mit den Bistumspatronen und dem pilgernden Volk Gottes, das sich unter dem Gnadenbild versammelt hat.


Grußwort von Bischof Gregor Maria Hanke im Video