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29.03.2017

Caritas: Afghanische Asylbewerber derzeit nicht abschieben

Die Caritas-Asylberaterinnen Cornelia Haser (links) und Angela Müller erleben ihre afghanischen Klienten derzeit als stark verängstigt. pde-Foto: Peter Esser

Eichstätt. (pde) – Besorgt über das Schicksal afghanischer Asylbewerber ist der Caritasverband für die Diözese Eichstätt. In den letzten Monaten haben zahlreiche Geflüchtete aus diesem Land, insbesondere junge Männer, ablehnende Bescheide erhalten. Caritasdirektor Franz Mattes appelliert an die Verantwortlichen, zumindest derzeit diese Personen nicht abzuschieben. Caritas-Mitarbeitende erleben Asylsuchende aus Afghanistan im Moment vielfach als verängstigt und verunsichert. Menschen aus diesem Land gehören derzeit zu den größten Asyl-Bevölkerungsgruppen im Gebiet des Bistums Eichstätt.

"Menschlichkeit muss Vorrang vor anderen Interessen haben", erklärt Direktor Franz Mattes. Der Caritasverband verweist auf das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, das es als unmöglich bezeichnet hat, bestimmte Regionen in Afghanistan als sicher anzusehen. Der Vorsitzende der Migrationskommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stefan Heße, hatte vor Kurzem Rückführungen als "humanitär unverantwortlich" bezeichnet. Angela Müller, Beraterin der Caritas-Kreisstelle Eichstätt, erfährt oft von betroffenen Asylbewerbern, dass diese unzufrieden mit der Qualität der Anhörungen sind: "Das liegt vor allem daran, dass die Schulungen der Anhörer sehr kurz sind und diese sowie die Entscheider unter einem hohen Zeitdruck stehen", so Müller, die auch Sprecherin für den Bereich Asyl beim Caritasverband ist. Die Beraterinnen und Berater der Caritas bekämen von Geflüchteten und Begleitpersonen mit, dass mitunter viele wichtige Details zu Lasten der Betroffenen untergingen, zum Teil auch durch Übersetzungsfehler nicht gut genug qualifizierter Dolmetscher.

Cornelia Haser, die sich zuletzt intensiv ehrenamtlich für afghanische Geflüchtete eingesetzt hat und seit Kurzem hauptberuflich für die Caritas arbeitet, erlebt Betroffene im Moment so: "Viele haben die Hoffnung verloren und wenig Vertrauen in unser Rechtssystem. Sie haben das Gefühl, dass man ihnen ihre Verfolgungsgeschichte nicht glaubt und die Situation in Afghanistan nicht richtig einschätzt." Im Kontakt mit den Klienten stellt sie fest: "Konflikte und Lautstärke in Unterkünften haben zugenommen, es kommt zu Depressionen. Betroffene klagen vermehrt über psychosomatische Beschwerden sowie Albträume. Es ist auch schon zu Suizidversuchen gekommen." Integrationsarbeit ist nach Erfahrung der Caritas-Beraterinnen mit vielen afghanischen Asylsuchenden kaum noch möglich, da sie aufgrund ihrer Ängste einfach zu unkonzentriert seien, um zum Beispiel Deutsch im Sprachkurs zu lernen. "Das hat uns auch die Berufsschule bestätigt", so Angela Müller.

Ein Beispiel ist ein von der Caritas beratener afghanischer 19-jähriger Asylbewerber, der anonym bleiben möchte. Er ist seit gut einem Jahr in Deutschland. Nach seinen Worten wurde sein Vater in Afghanistan aufgrund seines politischen Engagements getötet und er selbst massiv bedroht. Er ist sich sicher, dass es für ihn lebensgefährlich wäre, wenn er in Kürze nach Afghanistan zurückkehren müsste. "Wir haben im Moment alle viel Angst", schildert er seine eigenen Gefühle und die seiner Landsleute, von denen zuletzt viele ablehnende Asylbescheide bekommen hätten. Und er fügt hinzu: "Afghanistan ist ein schönes Land. Wenn es sicher wäre, würde ich gerne zurückgehen."

Angela Müller berät aber auch junge afghanische Männer, die schon im Kleinkindalter ihr Heimatland verließen, dann jahrelang in anderen Ländern lebten und nun schon mehrere Jahre in Deutschland sind. "Wenn sie abgeschoben würden, kämen sie in ein für sie fremdes Land, in dem sie selbst als Ausländer angesehen würden und einen schweren Stand hätten", beschreibt sie eine weitere Problematik und ergänzt: "Selbst Rückkehrberater haben mir gesagt, dass es derzeit extrem schwierig ist, Hilfen zur Wiedereingliederung in Afghanistan erfolgreich zu vermitteln." Vor diesem Hintergrund appelliert die Asyl-Sprecherin des Caritasverbandes an die Verantwortlichen, "erstens jeden Einzelfall gründlich zu behandeln, auch wenn dies mehr Zeit braucht, und zweitens angesichts der prekären Sicherheitslage in Afghanistan derzeit selbst im Fall einer Ablehnung keine Betroffenen abzuschieben."