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11.09.2014

Arbeit im Hintergrund - als Mesnerin in der Kirche

Gerda Bauernfeind hat als Mesnerin viele Aufgaben – vor dem Gottesdienst zündet sie zum Beispiel die Kerzen am Hochaltar an. pde-Foto: Anika Taiber

„Glocke 1“, „Glocke 2“, „Glocke 3“, Glocke „4“ – mit weißen Aufklebern sind die Kippschalter an der Wand beschriftet. Gerda Bauernfeind wirft einen Blick auf die digitale Zeitanzeige darüber, Viertel vor sieben, sie drückt auf „Glocke 2“. Es rumpelt dumpf, die Glocke schwingt sich ein, nach ein paar Schlägen klingt sie laut und voll durch den Ort. Bauernfeind wartet einige Sekunden, dann sind die nächsten zwei Schalter dran. „Sonst kommt heute niemand!“, sagt sie und lacht.

Gerda Bauernfeind ist Mesnerin in der Kirche St. Clemens in Biburg bei Raitenbuch. Seit gut 20 Jahren kümmert sich die 58-Jährige ehrenamtlich um die Arbeit im Hintergrund – bei Gottesdiensten, Festen und allem rund um die Kirche selbst. Biburg hat etwa 120 Einwohner, in der Kirche übernimmt Bauernfeind daher viele Aufgaben, die sich in anderen Gemeinden mehrere Menschen teilen. Zuerst war es nur der Blumenschmuck – dann starb der Mesner: „Da habe ich gesagt, mache ist das andere eben noch mit.“

Das andere sind viele verschiedene Aufgaben. Bauernfeind bereitet in der Kirche alles für die Gottesdienste vor, kümmert sich um Material und Wäsche, ist für die Ministranten da und hilft, wo sie kann. Dazu gehört Zuverlässigkeit und gute Organisation: „Unser Pfarrer ist viel unterwegs, wenn er kurz vor der Messe ankommt, weiß er, dass er sich auf mich verlassen kann und schon alles bereit liegt.“

Eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst ist Bauernfeind meist in der Kirche. Sie legt den neuen Pfarrbrief aus, hängt ein Plakat ab, schaltet das Licht ein. Die Sakristei ist ihr Reich: Weiße Tücher für die Messe hängen an ihren Haken, Bücher reihen sich im Regal ordentlich aneinander.

Für die Messe am Dienstagabend muss sie einiges vorbereiten. Aus dem Schrank holt sie ein Lesepult aus Holz und eine weiße Decke, die sie auf dem Volksaltar ausbreitet. Ein Griff an die Garderobe in der Sakristei – mit dem langen Anzünder bringt sie die Kerzen am Hochaltar zum Leuchten. Sie füllt einen kleinen Glaskrug mit Wasser, einen zweiten mit Wein.

Es ist zwanzig vor sieben, regnet in Strömen, und die ersten Ministranten schütteln vor der Tür das Wasser von ihren Schirmen. Über eine kleine Stiege geht es in der Sakristei nach oben, dort ziehen sie die Gewänder an. Bauernfeind hat ihre Vorbereitungen fast abgeschlossen – als Pfarrer Bernhard Stadelmaier kommt, muss er sich nur noch für die Fürbitten und die Lesung entscheiden, die sie zurechtgelegt hat. Sie hilft ihm in das Messgewand, rückt die Stola zurecht.

In ihren zwanzig Jahren als Mesnerin hat Bauernfeind schon einiges erlebt. Wenn sie heute mal etwas vergisst oder etwas fehlt, wird sie nicht mehr nervös: „Manchmal kann ich es noch unauffällig bereitlegen, oder ich gebe den Ministranten was mit. Sonst ist es eben einfach nicht da“, erklärt sie.
Bauernfeind ist nicht nur als in der Kirche in Biburg ehrenamtlich aktiv, sie ist auch im Vorstand des Mesnerverbands des Bistums Eichstätt, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Raitenbuch und Dekanatsratsvorsitzende des Dekanats Weißenburg-Wemding sowie im Diözesanrat. „Das klappt nur, weil alles im kirchlichen Bereich liegt – da lässt sich das einigermaßen organisieren.“

Mit den Ministranten tritt der Pfarrer zum Glockengeläut durch die Tür der Sakristei zum Altarraum. Bauernfeind bleibt in der Sakristei stehen, das Gotteslob aufgeschlagen, und stimmt das erste Lied mit an: „Von hier aus kann ich alles regeln und bin auch für die Ministranten da, falls einem mal schlecht wird oder sie etwas brauchen.“ Nur für das Lesen der Lesung und der Fürbitten kommt sie heraus – diese Aufgaben hat sie ebenfalls übernommen.

Nach der Messe hängt Bauernfeind die Tücher zum Trocknen an ihren Platz, räumt die Bücher ein. Zuletzt schaltet sie das Licht aus und wirft noch einmal einen Blick in die Kirche. „Für mich ist das alles Routine, das gehört zu meinem Leben dazu“, sagt sie. Wenn sie die Kirche betritt, vergesse sie die Zeit: „Da bin ich einfach daheim.“

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